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Stichwahl in Mississippi : Wie rassistisch ist der Süden Amerikas?

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Unterdessen tauchte ein weiteres Video auf: Es zeigte Hyde-Smith, wie sie vor einer kleinen Gruppe Studenten sagte, es gebe an anderen Colleges „viele Liberale, bei denen wir uns vielleicht gar nicht wünschen, dass sie wählen. Vielleicht wollen wir es nur ein kleines bisschen schwerer machen, und ich denke, das ist eine großartige Idee.“ Es hatte zuvor eine Diskussion über Wahllokale an Colleges gegeben, die es Studenten leichter machen sollten, ihre Stimme abzugeben. Das Büro der Senatorin behauptete, das Video sei verändert worden und erklärte, es habe sich um einen Scherz gehandelt. Wahlbehinderung ist allerdings ein reales Problem in vielen Bundesstaaten.

Amerikanische Medien berichteten auch über verschiedene Begebenheiten aus der Vergangenheit der ehemaligen Demokratin Hyde-Smith, die ein unkritisches Verhältnis zur Geschichte ihres Bundesstaates erkennen lassen. Sie sei in den 1970er Jahren auf eine höhere Schule gegangen, die als „Gegenwehr“ gegen die Integration der öffentlichen Schulen gegründet worden war. Hyde-Smith ließ sich 2014 mit Muskete und Konföderierten-Uniformmütze ablichten, ehrte als Bundesstaats-Senatorin Nachkommen konföderierter Soldaten als „Verteidiger des Heimatlandes“ und wollte einen Highway-Abschnitt nach dem ehemaligen Südstaaten-Präsidenten Jefferson Davis benennen.

Das alles ist in Mississippi allerdings nicht ungewöhnlich. In dem Bundesstaat tut man sich wie in vielen Gegenden des Südens mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte oft schwer – das liegt auch daran, dass diejenigen oft noch leben, die sich der Bürgerrechtsbewegung im 20. Jahrhundert gewaltsam in den Weg stellten. Für die Menschen, die gegen Rassismus kämpften und kämpfen, ist das Feiern der konföderierten Geschichte mehr als ein Affront: Es ist die implizite nachträgliche Rechtfertigung dieses gewaltsamen Widerstandes der Weißen, der auch vor Bombenanschlägen, Terror und Mord nicht zurückschreckte.

Der demokratische Herausforderer Mike Espy
Der demokratische Herausforderer Mike Espy : Bild: AP

Die Republikaner bemühten sich unterdessen, die Angriffe auf Hyde-Smith so gut es geht zu kontern. Ihr Konkurrent Mike Espy war Landwirtschaftsminister unter Bill Clinton, gab aber im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen sein Amt auf. Später wurde er zwar entlastet, aber die Republikaner bauten ihren Wahlkampf gegen den Afroamerikaner rund um die alten Vorwürfe und seine vermeintlich „sehr linken“ politischen Positionen auf. Auch ein PR-Auftrag an Espy von der Elfenbeinküste brachte ihm Kritik ein. Bei der Fernsehdebatte sagte er, er habe erst später herausgefunden, dass der Präsident des Landes ein „schlechter Kerl“ sei und habe daraufhin dort keine Geschäfte mehr gemacht.

Das Ergebnis bei den Midterm-Wahlen Anfang des Monats, das nun die Stichwahl nötig macht, war zwar knapper als erwartet. Aber offiziell machen sich die Republikaner keine Sorgen. Seit 1982 errang in Mississippi kein Demokrat mehr einen Senatssitz. Donald Trump gewann den Staat 2016 mit 16 Prozentpunkten Vorsprung vor Hillary Clinton. Roger Wicker, der andere republikanische Senator, gewann seine Wahl gerade mit 20 Prozentpunkten Abstand zur Konkurrenz.

Die Hoffnung der Demokraten liegt abermals auf der Mobilisierung bisheriger Nichtwähler – doch die gilt nach dem Feiertagswochenende als nicht sonderlich aussichtsreich. So kann Cindy Hyde-Smith durchaus auf einen Wahlsieg hoffen.

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