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Bannons neue Mission : Auf der Suche nach Problem-Machern

  • -Aktualisiert am

Auf Attacke getrimmt: Steve Bannon gibt weiterhin Schützenhilfe für Donald Trump (Archivbild). Bild: AP

Steve Bannon hat nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus ein neues Projekt: Er will dafür sorgen, dass möglichst viele Trump-Kritiker unter den Kongressabgeordneten abgewählt werden. Kann das gutgehen?

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          Steve Bannon macht Ernst mit seinem Krieg gegen das „Establishment“. „Ich bin ein Straßenkämpfer“, hatte er am Sonntag in einem Fernsehinterview gesagt. Ungehindert von den Beschränkungen des Weißen Hauses wolle er der „Wingman“ Donald Trumps im Kampf gegen dessen Feinde sein. Und dass dazu auch unfeine Methoden gehören, versteht sich für ihn von selbst. Schon seit längerem engagiert sich das Trump-Team für Kandidaten, die innerparteilich Kritiker des Präsidenten bei den Kongresswahlen 2018 herausfordern. Jeff Flake aus Arizona, dessen Buch „Gewissen eines Konservativen“ viele in der Partei verärgert hat, musste sich mehrfach vom Präsidenten beschimpfen lassen. Bannon ist nun offenbar dazu da, diesen Aufstand gegen die Trump-Kritiker in der eigenen Partei zu verbreitern und von auβen zu stärken. In dem Interview am Sonntag drohte er: „Wer Donald Trump nicht unterstützt, wird dafür verantwortlich gemacht werden.“

          Bannon trifft sich dazu mit Republikanern, die amtierende Kongressabgeordnete in den Vorwahlen für 2018 herausfordern wollen. Sein Verbündeter ist dabei der Milliardär Robert Mercer. Mercer war einer der Top-Spender von Trumps Wahlkampagne – und er finanzierte den Start von „Breitbart“. Der verschwiegene Milliardär, dessen „Renaissance“-Hedgefonds Milliarden in politisch wichtige Branchen wie die Pharmaindustrie investiert, soll auch dafür sorgen, dass die Vorwahlkampagnen der Herausforderer gut ausgestattet sind. In Arizona ist das unter anderem Kelli Ward, die von Trump wiederholt gelobt wurde. Sie soll, nachdem sie auch schon einmal versucht hatte, gegen Senator John McCain zu gewinnen, nun den innerparteilichen Kritiker Jeff Flake schlagen. Mercer hat bereits mehrere Hunderttausend Dollar für ihre Kampagne gespendet.

          Trump-Kritiker sollen Schwierigkeiten bekommen

          Dean Heller, der als Senator den „Swing State“ Nevada vertritt und der wegen seiner Kritik im Laufe der versuchten Abschaffung von Obamacare zur Zielscheibe Trumps wurde, soll ebenfalls abgewählt werden. In der vergangenen Woche traf sich Bannon im „Breitbart“-Büro mit Hellers innerparteilichem Herausforderer Danny Tarkanian. Dass Bannon und seine Mitarbeiter zumindest gelegentlich behaupten, „Breitbart“ betreibe Journalismus und keine Propagandaoperation für Donald Trump, kümmerte ihn dabei nicht. Im Gegenteil: Bannon ist auf der Suche nach weiteren Kandidaten, die Kritiker des Präsidenten in Schwierigkeiten bringen wollen.

          Er wolle auch den Senator von Tennessee, Bob Corker, sowie Roger Wicker aus Mississippi loswerden, berichtet „Politico“. Mögliche Herausforderer der beiden konnten sich bereits über positive Berichterstattung bei „Breitbart“ freuen. Der große Showdown wird in Alabama erwartet, wo Senats-Mehrheitsführer Mitch McConnell Amtsinhaber Luther Strange unterstützt, während Bannon hinter Herausforderer Roy Moore steht. Die republikanische Partei, die ohnehin durch die „Tea-Party-Bewegung“ und andere Kräfte in den letzten Jahren immer stärker nach rechts gerückt ist, soll sich durch Bannons Strategie weiter in diese Richtung verändern.

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