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Redenschreiber des Präsidenten : Trumps Flammenwerfer

  • -Aktualisiert am

Die ersten ernsthaften Gehversuche als Kommentator machte er als Student der Politikwissenschaft an der Duke University in North Carolina. In den mehr als 20 Beiträgen für die Campus-Zeitung bewies er ein verlässliches Händchen für strittige Themen: Diejenigen seiner Landsleute, die Folter als Verhörmethode kritisierten, hätten „unsere Nation verraten und sich moralisch des Landesverrats schuldig gemacht“, schrieb er einmal beispielsweise. Elterngeld würde dazu führen, dass Männer keine Jobsicherheit hätten, „weil ihre Chefs zu viel Geld verlieren, nicht anwesende Mitarbeiter zu bezahlen“.

Heißsporn mit felsenfester Ideologie

Blättert man etwas durch diese Artikel, liest man einen Heißsporn, der sich seiner Ideologie bereits sehr sicher ist – und gleichzeitig hört man immer wieder Passagen heraus, die eins zu eins aus einer Trump-Rede stammen könnten. „Uns wird ständig eingebläut, dass wir uns nicht klar und wahrheitsgemäß ausdrücken sollen“, heißt es in seinem letzten Stück für die Zeitung, „sondern auf eine Art und Weise, die politisch korrekt ist. Dabei ist dieses Diktat der Politisch-Korrekten unvereinbar mit amerikanischen Werten.“

Ein weiteres Lieblingsthema von Miller, mit dem auch Trump in den Vorwahlen aufgetrumpft ist: islamistischer Terror. „Islamistische Kämpfer haben den Vereinigten Staaten den Heiligen Krieg erklärt. Sie haben jede Frau, jeden Mann und jedes Kind, das in diesem Land lebt, zum Tode verurteilt.“

Erste Prominenz erlangte Miller während der Studienzeit mit Auftritten bei Fox News. Als einer von wenigen Studenten verteidigte er drei Kommilitonen, die beschuldigt wurden, eine schwarze Studentin vergewaltigt zu haben (die Anschuldigungen stellten sich am Ende als unwahr heraus). Nach dem Studium arbeitete Miller dann zunächst für einen anderen konservativen Hitzkopf, die republikanische Abgeordnete Michele Bachmann aus Minnesota, und wechselte dann schnell ins Büro von Senator Jeff Sessions aus Alabama, der aktuell im Trump-Kabinett als Justizminister vorgesehen ist.

Klare ideologische Richtung: Trumps Redenschreiber Stephen Miller
Klare ideologische Richtung: Trumps Redenschreiber Stephen Miller : Bild: Reuters

Sessions erklärte sich früh zum Trump-Anhänger und als Unterstützer von dessen politischer – nennen wir es: Vision. Und so wechselte Stephen Miller im Januar 2016 zur Kampagne des Immobilienunternehmers aus Manhattan. Fortan diente er als Trumps oberster Politik-Berater und agierte gleichzeitig als Redenschreiber und Stimmungsmacher auf den Wahlkampfveranstaltungen.

Als Donald Trump Miller offiziell zu seinem obersten Berater im Weißen Haus ernannte, lobte er ihn denn auch über den grünen Klee: „Stephen hat eine ganz zentrale Rolle während der Vorwahlen und danach für unseren Wahlkampf gespielt. Er hat sich voll und ganz unserer ‚America First‘-Agenda verschrieben und weiß, mit welchen Mitteln wir die durchsetzen werden.“

Feuerprobe auf dem Nominierungsparteitag

Da Trump sich eher schwer damit tat (und tut), einen Teleprompter zu benutzen, wurde Millers erste vielbeachtete Rede für seinen neuen Chef die vom Parteitag in Cleveland Anfang Juli. In fast zornigem Ton malte Trump dort ein düsteres, niedergeschlagenes Bild der Vereinigten Staaten, einer Nation, die ihre wahre Stärke verloren und sich dem Terrorismus gebeugt habe.

So hinterlässt Miller immer kleine Brotkrumen in Trumps Reden, die zwar dem Ton seines Chefs entsprechen, aber genauso auf seinen eigenen politischen Werdegang deuten.

Letzte Pressekonferenz : Obama ermahnt Trump

Was das für diesen Freitag heißen wird, wenn Trump vor dem Kapitol in Washington offiziell als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird, ist noch nicht sicher. Ein Sprecher aus dem Trump-Lager sagte in der vergangenen Woche, die Rede werde das Thema „Zusammenhalt“ besonders hervorheben. Angesicht der schlechten Umfragewerte (Trump ist einer der unbeliebtesten designierten Präsidenten seit langer Zeit) scheint das keine schlechte Idee von Miller zu sein. Seine Worte werden überall auf der Welt gehört werden. Ihr Ton wird Trumps Amtszeit maßgeblich prägen.

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