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Plötzlicher Sinneswandel : Trump nennt das Tragen von Masken „patriotisch“

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump trägt einen Mund-Nasenschutz während seines Besuchs in einer militärischen Gesundheitseinrichtung in Bethesda, Maryland. Bild: AFP

Noch vor kurzem tat Trump das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes als Schwäche ab, nun will er damit Vaterlandsliebe beweisen. Auch seine Corona-Briefings will er wieder aufnehmen. Die Ursache seines Sinneswandels dürfte in den schlechten Umfragewerten liegen.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat am Montag das Tragen von Masken als „patriotisch“ bezeichnet, nachdem er sich monatelang vom Mund- und Nasenschutz als Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie distanziert hatte. „Wir sind vereint in unserem Bemühen, das unsichtbare China-Virus zu besiegen, und viele Menschen sagen, es sei patriotisch, eine Maske zu tragen, wenn man sich sozial nicht distanzieren kann“, schrieb Trump auf Twitter und fügte hinzu: „Es gibt niemanden, der patriotischer ist als ich, Ihr Lieblingspräsident!“

          Dazu veröffentlichte Trump ein Bild, dass ihn mit einer dunklen Maske mit dem Präsidenten-Siegel zeigt. Mit dem Tweet und dem Bild distanzierte sich Trump von seinen früheren Aussagen, in denen er unter anderem Masken als Symbole der Schwäche abtat. Sein Tweet blieb jedoch weit davon entfernt, die zunehmenden Forderungen nach einer landesweiten Pflicht zum Tragen von Masken in der Öffentlichkeit zu unterstützen.

          Zuvor hatte der amerikanische Präsident  angekündigt, nach knapp drei Monaten seine Pressekonferenzen in der Corona-Krise wieder aufzunehmen. Nach Angaben der Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, soll es bereits an diesem Dienstag (17.00 Uhr Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) so weit sein. „Wir hatten sehr erfolgreiche Briefings“, sagte Trump am Montag. Rekordzahlen an Zuschauern hätten seine Auftritte im Fernsehen verfolgt. Mit den Pressekonferenzen, die er bis Ende April fast täglich abhielt, handelte sich Trump aber auch Kritik ein.

          Inmitten eines dramatischen Anstiegs von Corona-Infektionszahlen in vielen Staaten im Süden und Westen der Vereinigten Staaten ist Trump stark unter Druck geraten. Der amerikanische Präsident kämpft um seine Wiederwahl am 3. November. Am 11. Juli zeigte er sich erstmals öffentlich mit einer Maske. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden hingegen trägt seit Monaten in der Öffentlichkeit einen Mund- und Nasenschutz.

          Sowohl der Masken-Tweet als auch die Rückkehr zu den Corona-Pressekonferenzen deuten darauf hin, dass Trump der wachsenden Kritik an seinem Krisenmanagement entgegentreten will. In einer am Freitag veröffentlichten Befragung im Auftrag der „Washington Post“ und des Senders ABC äußerten sich 60 Prozent negativ über Trumps Umgang mit der Pandemie, nur noch 38 Prozent befürworteten Trumps Vorgehen. Ende Mai hatten sich noch 53 Prozent negativ und 46 Prozent positiv geäußert. Im März hatte eine knappe Mehrheit (51 Prozent) Trumps Vorgehen noch gutgeheißen, 45 Prozent hatten es abgelehnt. Trump will sich bei der Wahl im November um eine zweite Amtszeit bewerben.

          Die Rückkehr zu den Briefings hatte sich bereits angekündigt: Trump-Beraterin Kellyanne Conway hatte die Umfragewerte darauf zurück geführt, dass der Präsident nicht mehr bei Briefings der Corona-Arbeitsgruppe im Weißen Haus auftritt. Es sei kein Zufall, dass die Werte besser gewesen seien, als Trump selber die Coronavirus-Problematik angesprochen habe, hatte Conway am Freitag vor Reportern gesagt. „Die Menschen wollen vom Präsidenten der Vereinigten Staaten hören. Es muss nicht täglich sein, es muss nicht für zwei Stunden sein, aber aus meiner Sicht muss es sein.“

          Kritiker werfen Trump vor, die Tragweite der Corona-Pandemie herunterzuspielen. Er will das Land schnellstmöglich zurück zum Normalbetrieb führen, um der angeschlagenen Wirtschaft zu helfen. Auch fordert Trump die rasche Wiedereröffnung der Schulen. In Florida - einer der derzeit besonders betroffenen Bundesstaaten - wehren sich Lehrer und Eltern gegen Pläne des republikanischen Gouverneurs Ron DeSantis, im August zum Schulbetrieb zurückzukehren. Die Lehrervereinigung Florida Education Association reichte am Montag eine Klage gegen die Regierung des Bundesstaates ein. Dem Gouverneur müssten die Augen geöffnet werden, erklärte der Vorsitzende Fedrick Ingram. „Der Gouverneur muss die Realität der Situation hier in Florida akzeptieren, wo das Virus außer Kontrolle gerät.“

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