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Reporterlegende Seymour Hersh : „Diese ganze Geschichte ist ein einziger großer Schwindel“

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Nein, eine Schlüsselfigur. Das sind die ganzen Interviews. (Hersh steht auf und zieht einen Hefter aus einem Stapel auf einem Tisch neben seinem Schreibtisch) Ich notiere per Hand, mache dann meine Anmerkungen und Zusammenfassungen am Rand des Blocks. Gucken wir mal: Das ist Interview 167: „Cheney und Geheimdienstoperationen, 1980.” Ich habe übrigens gerade eine Geschichte über 1980 geschrieben. Hat niemanden interessiert. Die Story stand in der „London Review of Books“. Hier in Amerika denken die Leute, dass das eine von diesen Gratiszeitungen ist, die an den U-Bahn-Ausgängen verteilt wird. Wenn ich meine Interviews geführt habe, halte ich nichts davon auf dem Computer fest.

Ich kann Ihre Handschrift kaum entziffern.

Ha! Gut so. Das ist genau die Idee bei der Sache. Ich schreibe meine Artikel auf dem Computer, aber ich kann meine Notizen da nicht speichern. Das hat mir die Cheney-Quelle zwei, drei Monate nach dem 11. September gesagt.

Sie sind jetzt 81 Jahre alt, im ersten Satz in Ihren Memoiren sagen Sie, dass Sie ein Überlebender des Goldenen Zeitalters des Journalismus seien…

Jede Wette.

Wenn das goldene Zeitalter vorbei ist, warum tun Sie sich das alles immer noch an?

Warum ich das hier alles noch mache? Was wäre Ihnen denn lieber, was ich sonst machen sollte?

Dieser ganze Zirkus, die Intrigen, die anonymen Quellen – Sie könnten sich doch ein nettes Leben als Rentner machen, die Ruhe genießen, Golf spielen.

Wenn ich ein besserer Golf- oder Tennisspieler wäre, würde ich der Seniorenliga der Seniorenliga beitreten, aber es gibt keine Seniorenliga der Seniorenliga. Ich spiele einmal die Woche, aber meine Knie bringen mich um. Ich bin alt, das sehen Sie ja. Sagen Sie mir, was ich sonst machen sollte? Mich für Wagner begeistern und zu den Festspielen fahren? Ich habe Freunde, die das machen und jedes Jahr nach Europa dafür fliegen. Nicht mit mir. Ich weiß nicht, was ich sonst machen sollte. Ist die Welt eine bessere geworden in den vergangenen Jahren? Wäre ich mir nicht so sicher. Ich mache nichts zu Trump. Bislang zumindest nicht. Um ehrlich zu sein, haben die Demokraten ein paar Dinge nach der Wahl getan, für die sie sich schämen sollten.

Was genau meinen Sie?

Unanständige Dinge. Dinge, die Trump geschadet haben, noch bevor er vereidigt wurde. Die haben ein schmutziges Spiel gespielt. Es gibt verschiedene Gründe, warum ich darüber nichts schreibe. Ich beobachte Hillary seit langer Zeit. (Zeigt auf einen Aktenstapel neben seinem Schreibtisch.) Dieser Haufen hier ist alles Hillary Clinton.

Kein kleiner Haufen.

Nein, klein ist er nicht. Ich beobachte seit Jahren, was sie so treibt. Libyen, Gaddafis Tod, die Verbindung nach Frankreich, Sarkozy, Geld, Öl, Katar, Korruption, ihre Stiftung, private Bankkonten, enge Verbindungen zu gewissen Leuten beim FBI. Diese ganze Untersuchung zu ihren E-Mails, die ergebnislos war, obwohl sie eine ernsthafte nationale Sicherheitsangelegenheit darstellten – also, nicht dass sie vorsätzlich die nationale Sicherheit gefährden wollte. Es ging immer nur darum, die Informationen, die sie hatte, zu Geld zu machen für ihre Stiftung.

Wenn Sie das schwarz auf weiß haben, warum veröffentlichen Sie das dann nicht?

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