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Trump-Berater Sean Hannity : Donald hat immer recht

  • -Aktualisiert am

Moderator Sean Hannity bei der Wahlkampftour für Ron DeSantis, Kandidat für das Gouverneursamt für Florida. Bild: Imago

Moderator Sean Hannity ist einer von Trumps wichtigsten Beratern – und rückt ihn als Talkshow-König bei Fox News immer in ein gutes Licht. Wer ist der Mann?

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          Das Wort „Whataboutism“ wurde geprägt, um eine sowjetische und später russische Propagandatechnik zu beschreiben: Kreml-Vertreter parieren Vorwürfe oder kritische Fragen gern sinngemäß mit einem „Und was ist mit...?“. So wechseln sie nicht nur das Thema, sondern drehen den Spieß um. Natürlich ist diese Redefigur älter als die Sowjetunion und war nie ein Moskauer Alleinstellungsmerkmal. Besonders tiefe Wurzeln schlägt sie seit einigen Jahren in Amerika. Wer ein aktuelles Beispiel sucht, braucht bloß durch die sogenannten Nachrichtensender zu zappen. Irgendwo zwischen dem linken MSNBC, dem genauso Trump-kritischen CNN und dem konservativen Marktführer Fox News dürfte man binnen Minuten fündig werden.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Am Dienstag begann Sean Hannity, Amerikas Fernsehtalker mit der größten Fangemeinde, seine allabendliche Fox-News-Sendung mit einem dringenden Aufruf an die Zuschauer: „Ich möchte, dass Sie heute ein paar Fragen im Kopf behalten.“ Thema des Tages war in Amerika, dass Donald Trump mit einer für ihn höchst ungewöhnlichen „Klarstellung“ versucht hatte, die Kritiker seines Auftritts mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu besänftigen. Dass Trump Russland in Helsinki partout keine Wahlkampfeinmischung vorwerfen wollte und Putins Dementi dem Befund der eigenen Geheimdienste vorzog, hatte im eigenen Lager viel böses Blut verursacht. Denn so groß die Unterstützung für Trump unter Republikaner-Wählern inzwischen auch ist – der von Trump bewunderte und hofierte Putin bleibt für die meisten Konservativen im Land ein Schurke.

          „Und was ist mit den Demokraten?“

          Für Sean Hannity aber steht seit Jahren fest: Sein Freund Donald hat immer recht. Um sich aus diesem Dilemma zwischen Loyalität zur rechten, russlandfeindlichen Sache und Treue zu Trump zu befreien, diktierte er seinen drei bis vier Millionen Zuschauern die folgenden Fragen in die Hinterköpfe: „Was ist schlimmer? Ein feindseliges Regime, von dem wir wissen, dass es . . . versucht, Chaos bei unseren Wahlen zu verursachen, wie es das schon oft in der Vergangenheit getan hat? Oder hohe FBI-Beamte, die eine Ermittlung manipulieren, um ihre bevorzugte Kandidatin voranzubringen, die eigentlich angeklagt gehört hätte? Und was ist mit der Demokratischen Partei, die ihre eigenen Vorwahlen gezinkt hat, damit Hillary Clinton gegen Bernie Sanders gewinnt?“ Hannitys spöttisches Machtwort folgte sogleich: Das „Schlimmste“, was Trump in Helsinki getan habe, sei der Beginn eines Dialogs mit der „zweitgrößten Nuklearmacht“ der Welt. Hannity zählte die Probleme auf, über welche die Staatschefs endlich geredet hätten: die Verbreitung von Atomwaffen, den islamistischen Terror, Syrien, Iran. „Und, übrigens: Wo ist der Demokraten-Server geblieben, den das FBI nie angeguckt hat?“ Die gleiche Frage hatte Trump neben Putin ins Mikrofon gebellt.

          Erst nach gut sieben Minuten erwähnte Hannity Trumps vermeintliche Korrektur des Nachmittags. Der Präsident hatte nun gesagt: „Ich akzeptiere die Schlussfolgerung unserer Geheimdienste, dass Russlands Einmischung in den Wahlkampf von 2016 stattgefunden hat. Es könnten auch andere Leute gewesen sein. Es gibt viele Leute da draußen.“ Für Hannity freilich lautete die eigentliche Frage: Und was ist mit Barack Obama? Er tischte zwei Clips auf, die das Fox-News-Publikum seit 2012 serviert bekommt: die Szene, als ein Mikrofon aufschnappte, wie Obama dem russischen Noch-Präsidenten Dmitrij Medwedjew zuraunte, nach seiner Wiederwahl werde er, Obama, sich „flexibler“ zeigen können. Und die Kandidatendebatte, in der Obama seinen Herausforderer Mitt Romney dafür verspottete, in Russland die größte Bedrohung Amerikas zu erkennen.

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