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Fernsehduell mit Joe Biden : Trumps letztem Schlag fehlt die Wucht

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden während des Fernsehduells in Nashville am Donnerstag Bild: Reuters

In der letzten Fernsehdebatte vor der Präsidentenwahl musste Donald Trump angesichts schlechter Umfragewerte punkten. Sein Herausforderer Joe Biden reichte der Status quo. Es kam zu einem echten Schlagabtausch.

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          Am Ende standen beide noch. Donald Trump und Joe Biden setzten ein demonstratives Lächeln auf. Beim Boxen ist dies der Moment, in dem der Ringrichter beide Kämpfer am Unterarm fasst und das Publikum darauf wartet, wer nach Punkten zum Sieger erklärt wird. Das war das Problem des Präsidenten: Er hätte einen Knock-out gebraucht.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Trump war in einer schwierigen Lage, in die er sich freilich selbst hineingebracht hatte. Nach seinem ersten Rüpel-Auftritt Ende September und der beleidigten Absage der zweiten Begegnung, die er trotz seiner Corona-Infektion nicht virtuell austragen wollte, hatten seine Leute ihm für das letzte Aufeinandertreffen in Nashville am Donnerstagabend aufgetragen, auf die ständigen Schläge unter die Gürtellinie zu verzichten.

          „Laptop aus der Hölle“

          Der Präsident versuchte es: Er fiel seinem demokratischen Herausforderer nicht ins Wort (die Stummschalttaste erfüllte so ihren Zweck). Und zuweilen punktete er in der Debatte sogar. Doch der vermeintlich letzte Schlag hatte keine Wucht. Der Präsident nutzte, wie allseits erwartet, die frühere Geschäftstätigkeit von Bidens Sohn Hunter für allerlei Verschwörungstheorien, die um ein „Laptop aus der Hölle“ kreisten, gleichsam eine Neuauflage der Email-Affäre, welche die Korruption der Biden-Familie offenlegen sollte.

          Der Demokrat konterte: „Ich habe niemals in meinem Leben einen Penny von einer ausländischen Quelle angenommen.“ Während die Geheimdienste Moskau abermals eine Einmischung in die amerikanische Wahl vorhielten, bediene sich Trump über seinen Vertrauten Rudy Giuliani einer russischen Desinformationskampagne. Und: „Ich mache kein Geld mit China, Sie schon.“ Er, Biden, habe seine Steuererklärungen aus den vergangenen 22 Jahren vorgelegt. „Sie haben kein einziges Jahr ihre Steuererklärungen herausgegeben. Was haben Sie zu verbergen?“

          Biden punktet bei Corona

          So unangenehm Biden die Sache mit seinem Sohn ist, es war am Ende Trump, der erläutern musste, warum er ein Bankkonto in China besaß, warum er seine Steuererklärungen zwar gerne veröffentlichen würde, aber erst die Prüfung durch die Behörden abwarten müsse. Bidens Gesichtsausdruck war eindeutig: „Come on“, wer soll das glauben? Am Ende sagte er, die Amerikaner wüssten genau, wer er sei, und auch, wer Trump sei. Die Wahl sei auch eine Abstimmung über Charakter und Anstand.

          Die Fernsehdebatte in Nashville war mutmaßlich die letzte Gelegenheit, dem Wahlkampf noch einmal eine neue Wendung zu geben. Und glaubt man den Umfragen, ist es Trump, der in der Defensive ist. Bidens Kalkulation war also einfach: Er konnte darauf spielen, das Ergebnis zu halten. Das sollte ihm gelingen, zumal die Debatte mit der Corona-Krise begann: „Niemand, der für so viele Todesfälle verantwortlich ist, darf Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bleiben.“

          Im Grund war diese Eröffnung sein stärkster Schlag. Trump redete wie immer davon, dass man dabei sei, über den Berg zu kommen. Man lerne, mit dem Virus zu leben. Ihn selbst habe es erwischt. Er habe viel gelernt. Die Wirtschaft müsse wieder laufen. Sein Herausforderer plane den nächsten Shutdown. Et cetera. Biden entgegnete: „Er sagt, wir lernen, damit zu leben. Menschen lernen, damit zu sterben.“ Und: „Wir werden durch einen dunklen Winter gehen.“ Die Fälle stiegen wieder. Und der Präsident habe immer noch keinen Plan.

          Buhlen um weiße Vorort-Frauen

          Beim Thema Pandemie war, das stand von Beginn an fest, für Trump nichts zu holen. Deshalb hatten seine Leute vorher vergeblich darauf gedrungen, in der Fernsehdebatte hauptsächlich über Außenpolitik zu sprechen. Und deshalb versuchte er auf der Bühne, das Thema schnell abzuhaken. Moderatorin Kristen Welker ließ ihn aber nicht davon kommen. Sie machte auf souveräne Art und Weise deutlich, dass sie es sei, die die Agenda bestimme.

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