https://www.faz.net/-gpf-90c70

Scaramuccis Rauswurf : Zehn Tage unbedingter Liebe

  • -Aktualisiert am

Wie Trumps Anwälte und Vertraute vorhergesehen hatten, fanden Journalisten bald heraus, dass die Russin über einen Mittelsmann kompromittierende Informationen über Hillary Clinton angeboten hatte. Erst jetzt zog Donald Trump junior die von seinem Vater zunächst abgelehnte Transparenzkarte und publizierte die damalige E-Mail-Korrespondenz. Sie belegt, dass er den Gast aus Moskau nur in der Hoffnung auf Wahlkampfhilfe empfing. Solch eine Irreführung der Öffentlichkeit ist nicht strafbar. Doch die Ermittler um Sonderstaatsanwalt Robert Mueller dürften in der vom Präsidenten diktierten Erklärung ein weiteres Indiz dafür sehen, dass Trump die Aufklärung der Kreml-Causa nach Kräften behindere. Der Berater, der Trumps Unfähigkeit zum Stillhalten beklagte, führte aus: „Er sieht sich juristisch nicht in Gefahr und hält das Ganze für ein politisches Problem, das er allein lösen will.“

Beim Personal schon mehrfach daneben gelegen

Am Montag sagte der beratungsresistente Präsident voraus, dass Kelly „als einer der größten Stabschefs in die Geschichte eingehen“ werde. „Wir kennen ihn alle, wir respektieren ihn, wir bewundern, was er geleistet hat.“ Doch Trump hat sich schon einige Fehleinschätzungen beim Personal geleistet. Von seinem Justizminister Jeff Sessions gibt er sich zutiefst „enttäuscht“, doch der Republikaner scheint sich nicht von einigen Tweets aus dem Amt mobben zu lassen. Der nun zum Rücktritt gedrängte ehemalige Stabschef Reince Priebus hatte nie den Respekt der anderen Alphatiere im Westflügel des Weißen Hauses genossen. Sein Vertrauter Sean Spicer wird vor allem als die Figur „Spicey“ in Erinnerung bleiben, die Amerikas populärste Satiresendung „Saturday Night Live“ aus dem nach Scaramuccis Ankunft ebenfalls zurückgetretenen Sprecher gemacht hat.

Trumps erster Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn hatte im Februar nach nur drei Wochen gehen müssen, weil er über seine Kontakte mit Russen unter anderen den Vizepräsidenten angelogen hatte. Vielleicht findet der pensionierte Generalleutnant Flynn, gegen den verschiedene Ermittlungen laufen, jetzt Trost darin, dass er sich immerhin doppelt so lang im Weißen Haus gehalten hat wie Scaramucci. Diesem wurde dafür die seltene Ehre zuteil, dass die „New York Times“ in ihrer Dienstagsausgabe jeden einzelnen Tag seines Wirkens im Weißen Haus Revue nachzeichnete.

Von Tag eins an auf Konfrontation zu den Medien

Der so smart wie derb auftretende Investor und Fernsehmoderator hatte sich an seinem ersten Tag vor das Pressecorps gestellt und lamentiert. Es gebe da eine Kluft „zwischen unserer Art, den Präsidenten zu sehen und zu lieben, und der Art, wie manche von euch den Präsidenten sehen mögen“. An seinem zweiten Tag räumte er dann in seinem Twitter-Account auf und löschte, erklärtermaßen im Dienste der „vollen Transparenz“, seine wohlwollenden Worte über Hillary Clinton und seinen Ruf nach schärferen Waffengesetzen. Am Tag danach wandte er sich im Interview mit dem TV-Sender CNN direkt an den Präsidenten: „Ich werde für Sie arbeiten ..., und wir werden Ihre Agenda ins Herz des Landes tragen, wo sie hingehört.“ An Tag vier wurde Scaramucci zum zweiten Mal Vater, aber er blieb dem Baby fern und flog mit Trump in den Bundesstaat West Virginia. Dort erlebte er mit, wie der Präsident ein Pfadfindertreffen in eine Trump-Kundgebung umfunktionierte.

An Tag fünf feuerte Scaramucci einen stellvertretenden Pressesprecher, setzte sich seine verspiegelte Pilotenbrille auf die Nase und teilte Reportern vor dem Weißen Haus mit, dass dort noch viele Köpfe zu rollen hätten, bis niemand mehr Informationen an die Presse durchsteche. Am sechsten Tag legte er auf Twitter nahe, dass Reince Priebus Journalisten ein Formular mit Angaben über sein Vermögen zugespielt habe – dabei war das Dokument öffentlich zugänglich.

Am siebten Tag ließ der „New Yorker“-Reporter Ryan Lizza die größte Bombe platzen. Er berichtete über ein Telefonat vom Vorabend, in dessen Verlauf Scaramucci Priebus und Trumps Chefstrategen Steve Bannon unflätig beschimpfte, wegen der undichten Stellen drohte, Mitarbeiter der Pressestelle zu „töten“ – und selbst dem Reporter die Information steckte, dass Priebus jetzt zum Rücktritt aufgefordert werde. Am achten Tag meldete die „New York Post“, dass Scaramuccis Frau die Scheidung eingereicht habe, auch wegen dessen Obsession mit Trump. Vom neunten Tag an wurde es ruhiger um Scaramucci. Er ahnte, dass er bei Kelly keinen leichten Stand haben würde. An Tag elf bekam er Gewissheit.

Weitere Themen

Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen Video-Seite öffnen

Kein langer Auftritt : Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy erschien am Montag kurz vor Gericht in Paris, wo er sich wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss. Die Richter unterbrachen die Anhörungen jedoch bis Donnerstag.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.