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Roy Moore : Missbrauchsvorwürfe? Und wenn schon!

  • -Aktualisiert am

Moore liegt bei weißen Wählern vorn

Für Moore geht es vor allem darum, die weiße Kernwählerschaft der Republikaner zu mobilisieren – die größte Gefahr für ihn ist, dass viele wegen der Skandale zu Hause bleiben. Manch einem republikanischen Wähler machen die Anschuldigungen gegen ihn nichts aus oder sind zumindest nicht entscheidend für ihre Stimmabgabe. Vor dem Skandal war Moore bereits als Fundamentalist und Hardliner bekannt – er flog zweimal aus seinem Richteramt. Bei der innerparteilichen Vorwahl gegen Luther Strange hatten Moore sein Image und seine rechtskonservativen Positionen eher genützt als geschadet – allerdings war das, bevor mehrere Frauen ihm vorwarfen, sie als Teenager in den siebziger Jahren sexuell genötigt zu haben. In den vergangenen Tagen wurden dann auch noch Äußerungen bekannt, mit denen er die Sklaverei verharmloste. Moore braucht nicht nur die Wähler auf dem Land, sondern muss auch die bevölkerungsreichen Städte und Vorstädte für sich gewinnen. Dort leben viele Weiße mit Collegeabschlüssen und guten Jobs, die bislang die Republikaner wählten – wenn sie bereit sind, Moore trotz der Skandale zu unterstützen, dürfte ihm der Sieg kaum zu nehmen sein.

Für die Demokraten wäre eine Niederlage ihres Kandidaten Doug Jones besonders schmerzhaft – hieße sie doch, dass die weißen Wähler im Süden selbst den kontroversesten republikanischen Hardliner einem Mann vorziehen, der als Staatsanwalt dafür sorgte, dass Ku-Klux-Klan-Mitglieder hinter Gittern landen. Die mangelnde Mobilisierungswirkung auf die restlichen Wähler müssten die Demokraten sich als eigenes Versagen anrechnen – ihre Versuche, die afroamerikanische Bevölkerung in ausreichender Zahl an die Wahlurne zu bringen, wären abermals gescheitert.

Fachleute gehen davon aus, dass die Demokraten eine gute Chance hätten, wenn am Dienstag mehr als 25 Prozent der Wähler Afroamerikaner wären. Dieser Gruppe umgekehrt einen Sieg von Roy Moore anzulasten, wäre bei einer erwarteten Gesamtwahlbeteiligung von um die 25 Prozent allerdings ausgesprochen unfair. Schwarze Amerikaner würden nach wie vor in großer Zahl vom Wählen abgehalten, weil es diskriminierende Regeln zur Registrierung gebe, sagen Bürgerrechtler. Die Demokraten haben Millionen Dollar für die Mobilisierung afroamerikanischer Wähler ausgegeben, die Schätzungen zufolge zu etwa 90 Prozent Doug Jones wählen würden – der Anruf von Barack Obama zielt nicht zuletzt auf sie. Doch Alabama gehört zu den ärmsten Gegenden Amerikas – ausgerechnet hier müsste die Wahlbeteiligung in manchen Kommunen mit bis zu 70 Prozent historische Rekorde erreichen, damit Jones die Oberhand gewinnt.

Moore bei weißen Frauen beliebt

Eine Wählergruppe könnte unterdessen genau das Gegenteil von dem tun, was sie dem demokratischen Kalkül zufolge tun müsste: weiße Frauen. Laut der „Washington Post“ und dem Sender NBC hat Moore unter ihnen einen Vorsprung von 20 Prozent gegenüber Jones. Unter weißen Frauen ohne College-Abschluss betrage der Abstand sogar 35 Prozent. Die Erklärungsversuche reichen von „internalisiertem Frauenhass“ bis zu Rassismus, der bei weißen rechtskonservativen Wählern alle anderen Kriterien bei der Wahlentscheidung überlagere. Neu ist das Phänomen nicht, denn weiße Frauen ohne Collegabschluss wählten bei der Präsidentenwahl zu 64 Prozent Donald Trump und zu 35 Prozent Hillary Clinton.

Spannend wird sein, wie viele Wähler in Alabama einen so genannten „write-in“-Kandidaten auf ihren Wahlzettel schreiben. Wer republikanisch wählen will, ohne sein Kreuz bei Roy Moore zu machen, kann den Namen eines anderen Kandidaten eintragen. Richard C. Shelby, der Senior-Senator von Alabama, rief im Fernsehen dazu auf – da Shelby hoch angesehen ist, könnten viele seiner Anregung folgen. Rein rechnerisch würden die „write-ins“ Doug Jones helfen. Je mehr Dritte auf dem Wahlzettel stehen, desto kleiner wird der Stimmenanteil, der für die Mehrheit reicht – Experten meinen, dass Jones dann sogar mit 48 Prozent der Stimmen am Ende der Sieger sein könnte.

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