https://www.faz.net/-gpf-a0d2h

„Party für weiße Rassisten“? : Trump knickt ein

Präsident auf Entzug: Zuletzt hielt Trump am 2. März in Charlotte eine Kundgebung ab. Bild: AFP

Die Umfragen sind schlecht, Vertraute besorgt. Deshalb tut Donald Trump, was er hasst: Er macht einen Rückzieher. Nun hält Amerikas Präsident am Gedenktag für die Sklavenbefreiung doch keine Kundgebung ab. Sondern einen Tag später.

          4 Min.

          Präsident Donald Trump hat getan, was er fast nie tut – er hat sich dem politischen Druck gebeugt. Er verschiebt seine erste Kundgebung seit Beginn des Corona-Lockdowns um einen Tag, damit sie nicht am „Juneteenth“ stattfindet, an dem vor allem Afroamerikaner der Sklaven-Befreiung gedenken. Statt am kommenden Freitag will er nun einen Tag später in der Stadt Tulsa in Oklahoma auftreten.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

          „Viele meiner afroamerikanischen Freunde und Unterstützer haben vorgeschlagen, das Datum aus Respekt vor diesem Feiertag zu ändern“, schrieb Trump am Freitag um kurz vor Mitternacht auf Twitter. „Ich habe daher beschlossen, unsere Kundgebung auf Samstag, den 20. Juni, zu verschieben, um ihrer Bitte nachzukommen.“ Inmitten der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt hatten viele Bürgerrechtler und demokratische Politiker Ort und Zeitpunkt der geplanten Kundgebung als präsidiale Provokation aufgefasst.

          Am 19. Juni 1865 erfuhren die Sklaven in der texanischen Stadt Galveston vom Ende des Bürgerkriegs und der Niederlage der Konföderation; sie waren fortan frei. Aus dem Datum „June nineteeth“ wurde der Begriff „Juneteenth“; inzwischen verzeichnen Dutzende Bundesstaaten den 19. Juni als offiziellen Gedenktag, aber erst in jüngster Zeit haben einzelne Unternehmen angefangen, ihren Mitarbeitern an dem Datum freizugeben. Tulsa wiederum steht symbolisch dafür, dass es mit der „Freiheit“ der Afroamerikaner in der Realität nach dem Bürgerkrieg nicht so weit her war.

          Wie nach einem Krieg: Tulsas afroamerikanisches Viertel Greenwood 1921 nach dem konzertierten Angriff eines weißen Mobs
          Wie nach einem Krieg: Tulsas afroamerikanisches Viertel Greenwood 1921 nach dem konzertierten Angriff eines weißen Mobs : Bild: Reuters

          Die Stadt zählte zwar zu den wenigen Orten im Land, in denen ein Schwarzenviertel wirtschaftlich florierte; als Zentrum einer zaghaft entstehenden afroamerikanischen Finanzwirtschaft trug Tulsas Viertel Greenwood sogar den Beinamen „schwarze Wall Street“. Doch vor 99 Jahren griff dort ein weißer Mob an, teilweise aus Kleinflugzeugen, und zerstörte den Stadtteil. Die Schätzungen der Toten liegen zwischen 75 bis 300. Die Bilder von damals sehen aus wie Kriegsaufnahmen zerbombter Städte.

          „Eine Party für weiße Rassisten“

          Am deutlichsten hatte die schwarze Senatorin Kamala Harris, mögliche Vizepräsidentschaftskandidatin des Demokraten Joe Biden, den Ärger über Trumps Ankündigung auf den Punkt gebracht: „Das ist nicht nur ein Wink an weiße Rassisten – er schmeißt ihnen eine Willkommensparty“, schrieb sie auf Twitter. Umso untypischer ist es für Trump, dass er nun einen Rückzieher machte. Es deutet darauf hin, dass er auch aus den eigenen Reihen viele Warnungen erhalten hat. Die Umfragen waren für den Präsidenten lange nicht so düster wie derzeit. Inwieweit dem Präsidenten und seinen Beratern die symbolische Bedeutung des Datums und des Orts bewusst waren, ist ungewiss.

          In einem für die Verhältnisse des Senders Fox News nicht unkritischen Interview, das die afroamerikanische Moderatorin Harris Faulkner am Freitag mit Trump führen durfte, hatte der Präsident bestritten, das Datum wegen „Juneteenth“ gewählt zu haben. Doch er rechtfertigte die Entscheidung: Man könne seine Kundgebung doch „sehr positiv als Fest“ auffassen, schlug er vor: „Es wird wirklich eine Feier sein und es ist ein interessantes Datum.“ Schon Trumps Sprecherin hatte zuvor bereits betont, dem Präsident liege „Juneteenth“ sehr am Herzen und er wolle die Gelegenheit nutzen, über die vielen Dinge zu reden, die er für die Afroamerikaner getan habe.

          Weitere Themen

          „Es gibt keine Ausreden mehr" Video-Seite öffnen

          Klimaaktivistin Luisa Neubauer : „Es gibt keine Ausreden mehr"

          Nur wenige Tage vor der Bundestagswahl plant die Klimabewegung Fridays for Future bundesweit in hunderten Städten Protestaktionen. Im AFPTV-Interview betont Klimaaktivistin Luisa Neubauer die Bedeutung der Wahl.

          Topmeldungen

          Hans-Georg Maaßen trifft Thilo Sarrazin (r), früheres SPD-Mitglied und Politiker, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Saal Simson des Congress Centrum Suhl.

          Maaßen und Sarrazin : Wahlkampf der alten Männer

          In Suhl diskutiert CDU-Kandidat Hans-Georg Maaßen mit dem früheren SPD-Mitglied Thilo Sarrazin. Dabei geht es weniger um Inhalte und vielmehr um die persönliche Kränkung der beiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.