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Neue Verschwörungstheorie : Die kruden Phantasien von „Q“

  • -Aktualisiert am

Trolle brauchen Aufmerksamkeit

Seit Neuestem schwappt QAnon sogar aus dem Internet in die „echte Welt“ hinüber: Auf Veranstaltungen mit Donald Trump wurden schon Anhänger mit „Q“-T-Shirts und -Schildern gesichtet. Seitdem bekommen die wilden Geschichten von „Q“ jede Menge Medienaufmerksamkeit. Whitney Phillips von der Syracuse University, die das Online-Trolling und Verschwörungstheorien untersucht, warnte im britischen „Guardian“ davor, „Q“ zu viel Aufmerksamkeit zu geben. Die Trolle und die Medien hätten eine „symbiotische Beziehung“: „Trolle brauchen Journalisten, um ihre Attacken zu verstärken (und sie finden die Berichterstattung lustig), und einige Journalisten brauchen die Trolle, damit sie etwas Sensationelles zu berichten haben.“

Das Treiben von „Q“ sollte man also besser ignorieren, meinen manche Beobachter. Schließlich schieße es so sehr ins Absurde, dass es unwahrscheinlich sei, dass jemand es ernst nehmen könne. So soll unter anderem John F. Kennedy jr. seinen Tod nur vorgetäuscht haben und unlängst auf einer Trump-Veranstaltung gesichtet worden sein. Doch es gibt zu viele Menschen, die diesen Phantasien Glauben schenken – und das Weitertragen dieser „Theorien“ untergräbt nach Meinung mancher Fachleute das Vertrauen vieler Bürger in die demokratischen Institutionen. Sie zu ignorieren, sei daher gefährlich.

Wer ist „Q“ wirklich?

Donald Trump selbst befeuerte die Spekulationen, als er die Theorie weiter verbreitete, sein Vorgänger Barack Obama sei nicht in den Vereinigten Staaten geboren. „Pizzagate“ war eine andere solche Verschwörungstheorie im Wahlkampf – dabei sollten Mitglieder der Demokraten, inklusive Hillary Clinton, einen erfundenen Pädophilenring unterstützt haben, der aus einer Pizzeria in Washington operiert habe.

Die wachsende Beliebtheit von „Q“ zeigt vor allem Probleme in der amerikanischen politischen Kultur und in der republikanischen Partei auf, deren Anhänger sich zum Teil mit diesen Phantasien befassen. Konservative verbreiten seit Jahren unbewiesene Verschwörungstheorien, unter anderem im Sender Fox News. Da hieß es etwa mehrfach von eingeladenen Fachleuten, dass das „Gerede vom Klimawandel“ eine Verschwörung sei.

„Q“ soll angeblich eine Quelle aus der Regierung sein
„Q“ soll angeblich eine Quelle aus der Regierung sein : Bild: dpa

Faktisch unterstützten selbst die konservativen Mainstream-Medien dauernd Verschwörungstheorien, kommentierte die „Washington Post“: „Sie zeichnen ein Bild, in dem die Gesellschaft durchsetzt ist von einer Verschwörung nach der anderen: eine Verschwörung liberaler Professoren, um eure Kinder einer Gehirnwäsche zu unterziehen, eine Verschwörung liberaler Journalisten, die Nachrichten zu manipulieren, eine Verschwörung von Liberalen in Hollywood, um eure Werte zu korrumpieren, eine Verschwörung in der Regierung, um Trump zu zerstören. Egal, wer an der Macht ist, da draußen versuchen immer noch mehrere Verschwörungen, euch zu schaden.“ QAnon wäre dann nur die extremste Form eines rechten politischen Diskurses, den manch einer in der Partei schon lange für sich nutzt.

Wer „Q“ wirklich ist, wird sich vielleicht nie herausfinden lassen. Auf der Suche nach der Wahrheit spinnen einige ihre eigene Verschwörungstheorie: „Buzzfeed News“ spekulierte, ob „Q“ ein Streich sei, den die Linke den Trump-Anhängern spielen wollte. Um zu zeigen, wie sehr die „Alt-Right“ außer Kontrolle geraten könne und wie groß ihr Bedarf an Hassgeschichten sei, hätten vielleicht linke Anarcho-Trolle „Q“ erfunden.

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