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„Sie wollen Geld ausgeben“ : Trump wirft Generalen Kriegslust vor

Donald Trump im Juli in Bethesda Bild: AP

Die Führungsschicht des Pentagons wolle Kriege führen und Rüstungsunternehmen glücklich machen, sagt Donald Trump. Er wolle nur „endlose Kriege“ beenden, versucht das Weiße Haus zu beschwichtigen.

          3 Min.

          Der amerikanische Präsident hat die Führung des Militärs beschuldigt, mit der Rüstungsindustrie unter einer Decke zu stecken. Bei einer Pressekonferenz am Montag vor dem Weißen Haus sagte Donald Trump: „Ich behaupte nicht, dass das Militär mich liebt; die Soldaten tun es. Die Führungskräfte im Pentagon wahrscheinlich nicht, weil sie nichts anderes wollen, als Kriege zu führen, damit all die wunderbaren Unternehmen, die die Bomben herstellen und die Flugzeuge und alles andere, glücklich bleiben.“ Er hingegen wolle die „endlosen Kriege“ beenden. So habe er nach dem Sieg über das IS-Kalifat gesagt, die Soldaten sollten wieder nach Hause gebracht werden, doch „einige Leute wollen nicht nach Hause kommen, sie wollen weiter Geld ausgeben. Ein kaltherziger globalistischer Betrug nach dem anderen, darum geht es“, so Trump.

          Oliver Kühn
          Redakteur in der Politik.

          Der amerikanische Präsident steht momentan wegen seiner Haltung zum Militär unter Druck. In der vergangenen Woche hatte das Magazin „The Atlantic“ in einem Artikel, der sich auf vier anonyme Quellen stützt, behauptet, Trump habe gefallene amerikanische Soldaten als „Trottel“ und „Verlierer“ bezeichnet. Während seine Administration die Darstellung des Artikels vehement zurückwies, bestätigten andere Medien die Vorwürfe.

          Das Weiße Hause versuchte später, die Äußerungen des Präsidenten über die Verbindung der Generale mit der Rüstungsindustrie, einzuordnen. Trump habe lediglich sagen wollen, dass es ein paar Politiker und Pentagon-Mitarbeiter gegeben habe, die die „endlosen Kriege“ fortführen wollten. Der Präsident stehe an der Seite derjenigen Soldaten und Generale, die diese Konflikte beenden wollten.

          Trump preist Waffen an

          Die Armee scheint, entgegen Trumps Behauptung, aber nicht mehrheitlich hinter ihm zu stehen. Nach einer Umfrage der „Military Times“, die noch vor den Parteitagen im August durchgeführt wurde, unterstützt eine Mehrheit des amerikanischen Militärs ihn nicht. Fast die Hälfte der Befragten (49,9 Prozent) schätzte Trump negativ ein, nur 38 Prozent hatten ein positives Bild von ihm. Dazu gaben mehr als 41 Prozent der Befragten an, sie würden in der Präsidentenwahl im November für Joe Biden, den demokratischen Herausforderer des Präsidenten, stimmen, während gut 37 Prozent Trump zur Wiederwahl verhelfen wollten.

          Trumps Kritik wirkt angesichts seiner früheren Äußerungen jedoch merkwürdig. Immer wieder preist er die „wunderbaren Waffen“ an, die Amerika herstelle. Besonders stolz war der Präsident, als er im März 2018 einen Vertrag mit Saudi-Arabien präsentieren konnte, in dem das Königreich sich verpflichtete, amerikanische Waffen im Wert von fast 110 Milliarden Dollar zu kaufen. Selbst in der Rede am Montag sprach er davon, dass die amerikanischen Atomwaffen „verbessert“ worden seien. Auch hat er in seinem Wahlkampf immer wieder versprochen, das Militär besser auszustatten. Darin hat er Wort gehalten. In den vergangenen drei Jahren ist das Budget des Pentagons jeweils gewachsen. Immer wieder behauptet er darüber hinaus, niemand achte die Soldaten mehr und niemand habe mehr für das Militär getan als er.

          Trumps Personalentscheidungen lassen ebenfalls nicht auf eine generelle Skepsis gegenüber der Rüstungsindustrie schließen. Sein Verteidigungsminister Mark Esper war ein Vorstand des Unternehmens Raytheon, das unter anderem Bomben und Raketen für die amerikanische Armee herstellt. Dessen direkter Vorgänger Patrick Shanahan, der das Amt übergangsweise für sechs Monate versah, wiederum kam von Boeing. Dort war er im Laufe seiner Karriere im Vorstand der Sparten, die für Kampfhubschrauber und Raketentechnologie zuständig sind.

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          Die Kritik des Präsidenten an den Generalen zeugt von seiner Empörung darüber, dass ihm niemand aus dieser Führungsebene des Pentagons in der aktuellen Debatte über seine abwertende Bezeichnung für Gefallene beigesprungen ist. Trump scheint nun anzunehmen, die Informationen für den Artikel im „Atlantic“ könnten aus dem Pentagon gekommen sein.

          Trumps Herausforderer Joe Biden nutzte die Trump vorgeworfenen Äußerungen für einen Angriff auf den Präsidenten. Amerikanische Veteranen seien keine „Trottel“ und „Verlierer“, so Biden. Wer so etwas sage, sei nicht der Richtige im Amt des amerikanischen Präsidenten. Das sei „regelrecht unamerikanisch“, sagte Biden. Am Dienstag will Biden die Aufmerksamkeit weiter nutzen und sich mit Veteranen treffen.

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          Trumps Verhältnis zur Führungsschicht der amerikanischen Armee war in den vergangenen Jahren nicht immer harmonisch. Schon in seinem Wahlkampf behauptete er, er wisse mehr über den „Islamischen Staat“ „als die Generale“. Einem Buch von Journalisten der „Washington Post“ zufolge nannte er die versammelten Generale bei einem Treffen im Pentagon „Verlierer“ und „eine Bande von Spinnern und Babys“. Amerikanische Medien berichteten immer wieder, die Skepsis beruhe auf Gegenseitigkeit. So hätten die Generale Bedenken hinsichtlich Trumps Impulsivität und seiner Missachtung der militärischen Gebräuche und Hierarchie.

          Trump selbst war zwar in seiner Jugend fünf Jahre lang in einer Militärakademie in New York, war aber nie in einem Kampfeinsatz. Einer Einberufung zum Dienst in Vietnam entging er, weil ein Arzt ihm Fersensporne in beiden Füßen bescheinigte. Die Töchter des Arztes erzählten im Dezember 2018 der „New York Times“, die Diagnose sei ein Gefallen für Trumps Vater – seinen Vermieter – gewesen.

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