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Paul Ryan : Einer von Obamas Lieblingsfeinden

Noch kaum bekannt: Mit der Hilfe Paul Ryans (rechts) will Romney Amtsinhaber Obama schlagen. Bild: AFP

Der amerikanische Präsident hat Paul Ryan einmal vorgeworfen, er verfechte einen Sozialdarwinismus. Der junge Kongressabgeordnete, mit dem Mitt Romney ins Weiße Haus einziehen will, steht für einen strikten Sparkurs. Das begeistert die „Tea Party“.

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          Natürlich hat Paul Ryan die Familie mitgebracht. „Ich möchte, dass Sie meine Familie kennenlernen“, ruft er: „Meine Frau Janna, unsere Tochter Liza und unsere Söhne Charlie und Sam.“ Das kommt gut an. Die Kinder sind sieben, acht und zehn Jahre alt. Ehefrau Janna ist blond. Die Menge vor der „USS Wisconsin“ im Hafen von Norfolk jubelt und schwenkt energisch ihre amerikanischen Fähnchen. „Ich bin umgeben, von Menschen, die ich liebe“, fährt Ryan fort: „Und Mitt Romney hat mich gebeten, dem Land zu dienen, das ich liebe.“ Auch diese Sätze sitzen. Jemand vor der Rednertribüne ruft: „Wir lieben Dich auch!“ Ryan schaut ins Publikum: „Ich liebe Euch auch!“

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Diese zusätzliche Liebesbezeugung ans begeisterte Publikum ist eine der gerade einmal zwei feststellbaren Abweichungen vom sorgsam verfassten Drehbuch im Verlauf des Samstags, den Mitt Romney später „großartig“ nennen wird. Die erste war ein Versprecher des Präsidentschaftskandidaten selbst: Zum Abschluss seiner eigenen Rede hatte Romney seinen „Running Mate“ Ryan im Eifer des Gefechts gleich als „den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten“ eingeführt. Der gleiche Versprecher war dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama vor vier Jahren bei der Vorstellung seines Vizepräsidentschaftskandidaten Joseph Biden unterlaufen. Romney korrigierte sich, ehe er das Wort an Ryan übergab: „Ich bin dafür bekannt, hin und wieder Fehler zu machen. Mit diesem Kerl hier habe ich gewiss keinen Fehler gemacht. Aber ich kann Euch sagen, dass er der nächste Vizepräsident der Vereinigten Staaten sein wird.“

          Bis dahin ist es noch ein langer Weg, gewählt wird am 6. November. Umso mehr setzten die teils überraschten Republikaner am Wochenende darauf, den Schwung von der Küste in Virginia noch durch großes Lob zu vergrößern: Mit der Auswahl des 42 Jahre alten Paul Ryan aus Wisconsin habe Romney einen wichtigen und einen mutigen Schritt getan, tönte es auf allen Kanälen. Manche Republikaner sehen in Ryan ihren intellektuellen Kopf, sie trauen ihm zu, die weltanschauliche Ausrichtung der Partei für eine ganze Generation zu prägen. Ryan hat im April im Repräsentantenhaus den Budgetplan der Republikaner vorgelegt, der gegenüber dem Haushaltsplan von Präsident Barack Obama Ausgabenkürzungen in Hohe von 6,1 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren vorsieht. Ryan ist als fiskalpolitischer „Falke“ ein Liebling der rechtskonservativen Graswurzelbewegung „Tea Party“, weil er nicht davor zurückschreckt, auch über notwendige Einsparungen bei der staatlichen Rentenversicherung „Social Security“ sowie bei der Senioren-Krankenversicherung „Medicare“ zu sprechen. In moralethischen Streitfragen gibt sich Ryan gemäßigt. Er ist zwar gegen Abtreibung und gegen die Homosexuellenehe, sieht die Zukunft Amerikas aber vor allem durch Schulden und Defizit bedroht.

          Eine Blitzumfrage des Nachrichtensenders CNN ergab am Wochenende freilich, dass 54 Prozent der Amerikaner den Abgeordneten mit der schlanken Gestalt eines Mittelstreckenläufers und dem Jungengesicht gar nicht oder allenfalls den Namen nach kennen. Das wird sich nun gründlich ändern. Deshalb ging Ryans Vorstellung ein monatelanger „Durchleuchtungsprozess“ voraus, in dem ein knappes Dutzend möglicher Kandidaten auf etwaige Episoden im Lebenslauf hin überprüft wurde, die einen Schatten auf Romneys Kampagne werfen könnten.

          Dass Paul Ryan sich in Norfolk zuerst als junger Vater von drei Kindern präsentiert, ist natürlich auch kein Zufall. Schon werden Vergleiche mit John F. Kennedy gezogen, zumal Ryan – geboren am 29. Januar 1970 in Janesville im Bundesstaat Wisconsin – ebenfalls der Spross einer irischstämmigen katholischen Familie ist. Von Kennedys „schöner Familie“ war das amerikanische Volk Anfang der sechziger Jahre vollständig hingerissen. Auch Barack Obama wucherte vor vier Jahren im Wahlkampf kräftig mit seinen jungen Töchtern Sasha und Malia.

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