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Parteitag der Demokraten : Bills Hillary

  • -Aktualisiert am

America, America: Bill Clintons Rede auf dem Parteitag der Demokraten Bild: dpa

Nach Hillary Clintons Nominierung hält ihr Ehemann eine bemerkenswert persönliche Rede. Doch solche Auftritte des Ex-Präsidenten könnten für seine Frau nicht unbedingt hilfreich sein.

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          An Tagen, die überall als „historisch“ bezeichnet werden, macht es Sinn, die Menschen zu Wort kommen zu lassen, die über besonders viel Lebenserfahrung verfügen und vielleicht allein deswegen schon ein gutes Gespür für die Tragweite eines Ereignisses haben. Eine der gefragtesten Gesprächspartnerinnen an diesem Dienstag in Philadelphia ist Ruby Gilliam, mit 93 Jahren die älteste Delegierte des diesjährigen demokratischen Nominierungsparteitags. Die rüstige Dame aus Ohio, gerade einmal drei Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in den Vereinigten Staaten geboren, enttäuscht die zahlreichen Fragesteller nicht. „Ich hatte immer gehofft, dass ich es vor meinem Tod noch erleben würde, endlich eine Frau als Präsidentin zu haben“, sagt sie gerührt. „Jetzt sind wir ganz nah dran.“

          Ruby Gilliam ist natürlich nicht die einzige Person, die an diesem Tag, an dem Hillary Clinton offiziell von ihrer Partei zur Präsidentschaftskandidatin gekürt wird, auf die große historische Bedeutung dieser Nominierung in Amerika verweist. Bevor der in den Vorwahlen unterlegene Bernie Sanders erneut im Stile eines fairen Verlierers Clintons Sieg bekannt gab, hatten die Delegierten-Wortführer der insgesamt 57 Staaten und Territorien Clinton bereits einige Male als „erste Präsidentin der Vereinigten Staaten“ bejubelt, als ob ein Sieg gegen den Republikaner Donald Trump bereits ausgemachte Sache wäre. Die Schauspielerin Meryl Streep schlägt in ihrer Ansprache den Boden zu anderen großen Frauen in der amerikanischen Geschichte. Madeleine Albright, einst erste Frau an der Spitze des amerikanischen Außenministeriums, lobt Clinton als erfahrene und verlässliche Kollegin. „Superwoman“, singt dazu die Künstlerin Alicia Keys.

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          Bill Clinton holt ganz weit aus

          Die Rede, die aber an diesem zweiten Abend des viertägigen Nominierungskonvents von nahezu allen Beobachtern in Philadelphia mit der größten Spannung erwartet wurde, war die des 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, Hillarys Ehemann. Und es wird, da sind sich viele in der Halle schnell einig, eine bemerkenswerte Rede. Bereits nach wenigen Sätzen ist klar, dass es Clinton nicht darum geht, erneut alle Aspekte aus dem politischen Programm seiner Gattin durchzugehen. Vielmehr will er der Nation den Menschen Hillary vorstellen, eine Frau, die viele Kommentatoren gerne als „berühmteste Frau der Welt, die keiner kennt“ bezeichnen. Das soll sich an diesem Abend nun offenbar ändern. „Im Frühjahr 1971 habe ich ein Mädchen getroffen“, beginnt der frühere Präsident seine Rede. Augenzwinkernd erzählt er, wie er sie damals zu einem Spaziergang überreden konnte – „und seitdem gehen, reden und lachen wir zusammen.“

          Es ist die Erzählung eines Lebens zweier Menschen, die beide viel erreicht haben und sich, wenn man den Worten des Redners glaubt, doch immer nah geblieben sind. Zusammen mit seiner „besten Freundin“, die er habe heiraten dürfe, habe er „gute und schlechte Zeiten“ erlebt, „Freude und Kummer“ geteilt, so der 69-Jährige. Erst an diesem Morgen habe man zusammen den Tod eines Freundes beweint. Der frühere Präsident liefert in seiner Rede jede Menge private Einblicke in den Alltag eines außergewöhnlichen Paares, kommt aber auch immer wieder auf die inhaltlichen Stärken der aktuellen Präsidentschaftskandidatin zu sprechen, die, ob als Anwältin, First Lady, Senatorin oder Außenministerin, sich immer für das Allgemeinwohl eingesetzt habe. „Diese Frau hat sich niemals mit dem Status quo zufrieden gegeben“, so Clinton, der in seiner Rede nicht nur den beruflichen Werdegang seine Frau nacherzählt, sondern auch die vielen verschiedenen Bundesstaaten aufzählt, die im Laufe der Jahre von Hillarys Arbeit und Einsatz profitiert hätten. Niemand könne besser für Veränderung und Fortschritt eintreten als seine Frau.

          Clintons Establishment-Problem

          In der Halle reißen Bill Clintons Worte die Delegierten von den Sitzen. Bei der Parteibasis, das zeigen auch aktuelle Umfragen, ist Bill, anders als im Rest der amerikanischen Bevölkerung, wo er derzeit eher über durchschnittliche Beliebtheitswerte verfügt, immer noch ein umjubelter Star. Viele Demokraten erinnern sich gerne an seine rückblickend durchaus erfolgreich erscheinende Amtszeit, in der die heimische Wirtschaft florierte, der islamistische Terror noch ein wenig weiter weg schien und Amerikas Vormachtstellung in der Welt nicht in Frage gestellt wurde. Und doch: Im Wahlkampf 2016 könnte Bill Clinton für Hillary durchaus zur Belastung werden. Nicht in erster Linie, weil Donald Trump die Fremdgeh-Aktivitäten des Ex-Präsidenten wieder zum Thema macht, sondern weil die Person Bill Clinton vor allem für ein Etikett steht, welches das Clinton-Lager in diesem Jahr unbedingt vermeiden will: Establishment. Wer Hillary wählt, wähle die erste Präsidentin in der Geschichte des Landes, nicht die zweite Clinton im Weißen Haus, so die erhoffte Botschaft – die allerdings von vielen Amerikanern nicht angenommen wird.

          Als Ex-Präsident noch immer populär: Bill Clinton
          Als Ex-Präsident noch immer populär: Bill Clinton : Bild: Reuters

          Die jüngsten Proteste der Anhänger von Bernie Sanders, die zwar im November mehrheitlich nicht für Trump stimmen dürften, am Wahltag aber in großer Zahl zu Hause bleiben könnten, haben gezeigt, dass auch im Lager potentieller Clinton-Wähler in diesem Jahr eine große Skepsis herrscht, was politische Eliten angeht. Kaum eine Familie ist in Washington, aber auch in anderen Machtzentren so gut vernetzt wie die Clintons. Hillarys gut bezahlte Reden vor Wall-Street-Bankern haben ihr viel Ärger eingebracht, die zuletzt veröffentlichten Inhalte gehackter E-Mails der demokratischen Parteiführung, aus denen hervorgeht, dass sich die Partei offenbar gezielt dafür eingesetzt hat, Clintons Vorwahlkonkurrenten schlecht zu machen, bestärken bei vielen Kritikern, ob nun berechtigt oder nicht, ihren Ruf als ruchlose Strippenzieherin, die vor allem von den Kontakten ihres Mannes profitiert habe.

          Weder ehrlich noch vertrauenswürdig?

          Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sage und schreibe 68 Prozent aller Amerikaner Hillary Clinton weder als „ehrlich“ noch als „vertrauenswürdig“ bezeichnen. An diesen für eine Präsidentschaftskandidatin katastrophalen Zahlen dürften auch Bills Worte in Philadelphia, die Wahlkampf-Konkurrent Trump via Twitter übrigens umgehend als „stark überschätzt“ abstempelte, nicht viel ändern können.

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          In einer Videobotschaft, die live in die Veranstaltungshalle nach Philadelphia sowie in die jeweiligen Fernsehsendungen übertragen wurde, dankte Hillary ihrem Mann nicht für dessen Rede. Stattdessen verwies sie lieber noch einmal auf die historische Bedeutung des Tages. Für alle Mädchen, die heute Abend wachbleiben durften und ihr jetzt am Fernsehschirm zusehen, habe sie eine Botschaft, so Clinton: „Ich mag die erste Frau im Präsidentenamt werden, aber eine von euch wird die nächste sein.“

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