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Parteitag der Demokraten : Bills Hillary

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Clintons Establishment-Problem

In der Halle reißen Bill Clintons Worte die Delegierten von den Sitzen. Bei der Parteibasis, das zeigen auch aktuelle Umfragen, ist Bill, anders als im Rest der amerikanischen Bevölkerung, wo er derzeit eher über durchschnittliche Beliebtheitswerte verfügt, immer noch ein umjubelter Star. Viele Demokraten erinnern sich gerne an seine rückblickend durchaus erfolgreich erscheinende Amtszeit, in der die heimische Wirtschaft florierte, der islamistische Terror noch ein wenig weiter weg schien und Amerikas Vormachtstellung in der Welt nicht in Frage gestellt wurde. Und doch: Im Wahlkampf 2016 könnte Bill Clinton für Hillary durchaus zur Belastung werden. Nicht in erster Linie, weil Donald Trump die Fremdgeh-Aktivitäten des Ex-Präsidenten wieder zum Thema macht, sondern weil die Person Bill Clinton vor allem für ein Etikett steht, welches das Clinton-Lager in diesem Jahr unbedingt vermeiden will: Establishment. Wer Hillary wählt, wähle die erste Präsidentin in der Geschichte des Landes, nicht die zweite Clinton im Weißen Haus, so die erhoffte Botschaft – die allerdings von vielen Amerikanern nicht angenommen wird.

Als Ex-Präsident noch immer populär: Bill Clinton
Als Ex-Präsident noch immer populär: Bill Clinton : Bild: Reuters

Die jüngsten Proteste der Anhänger von Bernie Sanders, die zwar im November mehrheitlich nicht für Trump stimmen dürften, am Wahltag aber in großer Zahl zu Hause bleiben könnten, haben gezeigt, dass auch im Lager potentieller Clinton-Wähler in diesem Jahr eine große Skepsis herrscht, was politische Eliten angeht. Kaum eine Familie ist in Washington, aber auch in anderen Machtzentren so gut vernetzt wie die Clintons. Hillarys gut bezahlte Reden vor Wall-Street-Bankern haben ihr viel Ärger eingebracht, die zuletzt veröffentlichten Inhalte gehackter E-Mails der demokratischen Parteiführung, aus denen hervorgeht, dass sich die Partei offenbar gezielt dafür eingesetzt hat, Clintons Vorwahlkonkurrenten schlecht zu machen, bestärken bei vielen Kritikern, ob nun berechtigt oder nicht, ihren Ruf als ruchlose Strippenzieherin, die vor allem von den Kontakten ihres Mannes profitiert habe.

Weder ehrlich noch vertrauenswürdig?

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sage und schreibe 68 Prozent aller Amerikaner Hillary Clinton weder als „ehrlich“ noch als „vertrauenswürdig“ bezeichnen. An diesen für eine Präsidentschaftskandidatin katastrophalen Zahlen dürften auch Bills Worte in Philadelphia, die Wahlkampf-Konkurrent Trump via Twitter übrigens umgehend als „stark überschätzt“ abstempelte, nicht viel ändern können.

Amerika : Demokraten ringen um Einigkeit im Präsidentschafts-Wahlkampf

In einer Videobotschaft, die live in die Veranstaltungshalle nach Philadelphia sowie in die jeweiligen Fernsehsendungen übertragen wurde, dankte Hillary ihrem Mann nicht für dessen Rede. Stattdessen verwies sie lieber noch einmal auf die historische Bedeutung des Tages. Für alle Mädchen, die heute Abend wachbleiben durften und ihr jetzt am Fernsehschirm zusehen, habe sie eine Botschaft, so Clinton: „Ich mag die erste Frau im Präsidentenamt werden, aber eine von euch wird die nächste sein.“

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