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Obama in Philadelphia : Nur kein zweites 2016

  • -Aktualisiert am

„Die Umfragen sind mir egal“: Barack Obama am Mittwoch in Philadelphia Bild: AFP

Barack Obama ist zurück auf der Wahlkampfbühne. In Pennsylvania warnt er davor, Donald Trump schon für Geschichte zu halten. Denn die Demokraten trauen dem Präsidenten fast alles zu.

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          Barack Obama ist nach Philadelphia zurückgekehrt. Mit einer eindringlichen Warnung: „Wir brauchen eine Wahlbeteiligung wie niemals zuvor. Wir dürfen nicht selbstgefällig sein. Die Umfragen sind mir egal. Davon hat es auch beim letzten Mal jede Menge gegeben“, sagte er am Mittwochabend auf einer Drive-in-Kundgebung in der größten Stadt Pennsylvanias. Es habe am Ende nicht geklappt, weil jede Menge Leute zu Hause geblieben und zu bequem und selbstgefällig gewesen seien.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Auch vor vier Jahren hatte sich die Führung der Demokraten zum großen Finale in Philadelphia versammelt. Am Abend vor der Wahl bot man alles auf: Hillary, Bill und Chelsea Clinton, Barack und Michelle Obama – zudem Bruce Springsteen und Bon Jovi. 30.000 Personen versammelten sich in der Hochburg der Partei. Hinterher wusste man: Viele Leute kamen, um Michelle zu sehen oder den „Boss“ zu hören – jedenfalls nicht wegen Hillary. Die Wahlbeteiligung in Philadelphia und anderen Metropolen Pennsylvanias konnte nicht die Mobilisierung ausgleichen, die Donald Trump in den Vororten und auf dem Lande erzielt hatte.

          Und hinterher erfuhr man auch, dass Obama seinerzeit eine düstere Vorahnung hatte: Als ihn seinerzeit ein Reporter im Präsidentenflugzeug Air Force One kurz vor der Wahl fragte, ob er zuversichtlich sei, erhielt er – „off the record“ – eine kurze Antwort: „Nope.“

          „Wahlen machen nicht alles perfekt, aber besser“

          Obamas Rückkehr nach Philadelphia soll verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt: Der Umfragevorsprung Bidens dürfe auf keinen Fall dazu führen, dass die Leute Trump schon für eine Gestalt der Vergangenheit hielten. Den Demokraten nahestehende Demoskopen berichten etwa, dass Biden zwar weiterhin über hohe Zustimmungswerte unter Afroamerikanern verfüge, dass diese aber unter jungen schwarzen Männern durchaus besser sein könnten.

          An deren Adresse gerichtet sagte Obama, Wahlen machten nicht alles perfekt, aber besser. Man solle doch mal Leute fragen, die sich an die politischen Verhältnisse in den fünfziger oder sechziger Jahren erinnerten, ob sie glaubten, dass Wahlen keine Veränderung zur Folge hätten.

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          Dass sich Obama in den Wahlkampf reinkniet, hat einen weiteren Grund: Die Demokraten trauen Trump fast alles zu. Wenn es ein knappes Ergebnis gebe, werde er versuchen, die Wahl zu stehlen, heißt es in der Partei. Man brauche also einen Erdrutschsieg. Und so wie Trump unbedingt Florida gewinnen muss, um am Ende vorne zu liegen, führt ein Sieg Bidens über einen Triumph in Pennsylvania. Obama spielte darauf an, als er erwähnte, dass Trump kürzlich auf einer Kundgebung in Erie, im Nordwesten des Bundesstaates, gesagt habe, er, Trump, habe nicht erwartet, in der kleinen Industriestadt Wahlkampf machen zu müssen. Ohne die Pandemie wäre er nicht gekommen, weil es nicht nötig gewesen wäre.

          Wie bei seinem Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten, bei dem sich Obama – ebenfalls aus Philadelphia – virtuell zuschalten ließ, griff der Vorgänger seinen Nachfolger wegen dessen Corona-Krisenmanagement frontal an: Trump habe die Pandemie ignoriert und dann mit „Inkompetenz“, „Falschinformationen“ und Planlosigkeit alles noch schlimmer gemacht. Viele Menschen hätten nicht sterben müssen, wenn die Regierung ein paar grundlegende Maßnahmen ergriffen hätte. Trump habe aber „kein Interesse gezeigt“ und das Präsidentenamt nur als „Realityshow“ genutzt.

          Obama provozierte seinen Nachfolger

          „Die Pandemie wäre für jeden Präsidenten schwierig gewesen“, sagte Obama. Das „Ausmaß der Inkompetenz und der Falschinformationen“ seitens der Regierung habe die Situation aber weiter verschlimmert. Immer wieder nahm er Bezug auf die „Obama-Biden-Präsidentschaft“, die anders mit Krisen umgegangen sei. Der frühere Präsident steht seinem Vizepräsidenten zur Seite. Am Wochenende wird er in Miami erwartet.

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          Und noch etwas machte Obama. Er weiß, wie obsessiv Trump alles verfolgt, was er tut und sagt. Und so provozierte er seinen Nachfolger am Vorabend der letzten Fernsehdebatte mit Biden: Der Präsident habe ein geheimes Bankkonto in China. Er mache Geschäfte mit der Volksrepublik. Was wäre wohl los, fragte Obama, wenn er als Präsident ein solches Konto in Peking gehabt hätte? Fox News hätte ihn „Beijing-Barry“ genannt, sagte er schmunzelnd. Viel Erfolg mit den Angriffen auf Hunter Bidens China-Geschäfte, sollte das wohl heißen.

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