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Kriegsgefahr durch Narzissten : Warum Trump so gefährlich wie Wilhelm II. ist

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Desgleichen wird bei Trump ausgeprägt autokratisches Verhalten deutlich, das selbständige Meinungsäußerung oder gar Widerspruch ebenfalls ungnädig quittiert. Die Umwelt zerfällt ganz schnell in Freund und Feind, was bei der Auswahl von Beratern oder Mitarbeitern zu einer allmählichen Selektion von Jasagern führt. Auch Trump zeigt sich oft als ausgeprägter Gefühls- und Augenblicksmensch.

Nach der übereinstimmenden Meinung zahlreicher Beobachter, Autoren und Kommentatoren haben viele dieser Merkmale etwas mit Narzissmus zu tun, weshalb sowohl Wilhelm II. als auch Trump von ihnen in diese Kategorie eingeordnet werden. Eine zentrale Wurzel dieser narzisstischen Merkmale ist das überwältigende Gefühl der eigenen Bedeutung, Großartigkeit und Überlegenheit. Dafür wird höchste Bewunderung und Gefolgschaft eingefordert. Die eigene Inszenierung wird wichtiger als alle sachlichen Aspekte. Der Bezug zur Realität und zur Wahrheit geht verloren.

Wie wirkt sich dies auf den Führungsprozess und den Führungserfolg solcher Persönlichkeiten aus, besonders wenn sie an der Spitze eines Staates stehen?

Professionelle strategische Führung zeichnet sich vor allem durch eine ausgeprägte Neigung und Fähigkeit zur Entscheidungsreflexion aus. Das bedeutet kritisches Hinterfragen und Hinterfragen-Lassen von Annahmen und Handlungsalternativen. Dazu gehört sowohl Nachdenklichkeit als auch die Bereitschaft zum Hintanstellen der eigenen Person und Position. Bei der schicksalhaften Bedeutung der Entwicklung internationaler Beziehungen bis hin zu Fragen von Krieg und Frieden kann diese Forderung gar nicht ernst genug genommen werden. Die vorstehenden Ausführungen haben aber erkennen lassen, dass gerade diese Bereitschaft und Fähigkeit bei Wilhelm II. und Donald Trump in Frage gestellt werden muss.

Gefahr einer auftrumpfenden Politik der Stärke

Hinsichtlich der Führungsziele und -strategien besteht angesichts einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur die Gefahr einer auftrumpfenden Politik der Stärke, wie dies bereits bei Wilhelm II. deutlich geworden ist. Ebenso fehlte bei ihm eine „strategische Mentalität“ zur frühzeitigen Erfassung und Risikobewertung „schwacher Signale“, die schon ab 1900 die für Deutschland bedrohliche „Einkreisung“  hätte erfassen und artikulieren können. Alle Führungsfehler zusammen – Politik der Stärke, Auftreten des Kaisers, Unterbinden von Reflexion, Fehlen strategischer Mentalität, mangelnde Entscheidungsfundierung und Führungsentlastung, Dominanz des Militärs – haben zum Spannungsaufbau in Europa vor dem Ersten Weltkrieg beigetragen. In einer angespannten Situation aber – hier ist oft die Rede von dem berüchtigten „Pulverfass“ – wächst auch die Zufallsabhängigkeit. Je mehr die Politik und ihre Akteure es zu Situationen kommen lassen, in denen es „Spitz auf Knopf“ steht, umso größer ist die Möglichkeit des „bösen“ Zufalls.

Dies ist im Buch „Schreckmomente der Menschheit. Wie der Zufall Geschichte schreibt“ auch für viele andere geschichtliche Situationen aufgezeigt worden. Im Kalten Krieg stand die Menschheit mehrfach dicht vor der atomaren Auslöschung. In der Kuba-Krise 1962 war es nach dem damaligen amerikanischen Verteidigungsminister McNamara purer Zufall, dass der Nuklearkrieg nicht ausbrach. Wie so etwas heute unter einem Präsidenten Trump – mit dem Gegenspieler Putin – aussehen würde, ist genau die Frage, die viele Menschen umtreibt.

Dr. Jörg Link ist emeritierter Professor und Autor des Buches „Schreckmomente der Menschheit. Wie der Zufall Geschichte schreibt“. Tectum-Verlag, Marburg 2015.

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