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Nach Mattis-Rücktritt : Der ungezügelte Präsident

Langsame Entfremdung: Trump und Mattis im Juni 2018 am Kabinettstisch Bild: Bloomberg

Mit dem Rücktritt von Verteidigungsminister James Mattis schwindet die Hoffnung, Washington bleibe trotz aller Rhetorik Donald Trumps in den Kernfragen ein berechenbarer Partner.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Als Donald Trump vor einer Woche auf seiner verzweifelten Suche nach einem neuen Stabschef im Weißen Haus zumindest übergangsweise fündig wurde, begann das große Rätselraten in Washington: Was bedeutet es, dass der amerikanische Präsident Mick Mulvaney, den bisherigen Leiter der Haushaltsabteilung im Präsidialamt, auf den zentralen Posten setzt? Schnell hieß es, auch wenn Mulvaney kein Jasager sei, habe er es doch für einen großen Fehler seines Vorgängers John Kelly gehalten, Trump ständig einzuhegen. Er selbst werde dem Präsidenten helfen, seine Agenda durchzusetzen. „Lasst Trump Trump sein“, hieß die neue Losung, die Mitarbeiter des Weißen Hauses ventilierten.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Eine Woche später wird klar, was das heißt. Als am Donnerstagabend das Rücktrittsschreiben James Mattis’ öffentlich wurde, wandelten langgediente Senatoren und Abgeordnete mit versteinerten Mienen durch die Flure des Kongresses. Die Demokratin Nancy Pelosi, die designierte künftige „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses, die sich eigentlich mitten in den Verhandlungen zur Verhinderung eines „Government shutdown“ in der gegenwärtigen Haushaltskrise befand, sagte ein ums andere Mal den ungeduldig wartenden Journalisten: „Lesen Sie den Brief! Lesen Sie einfach den Brief!“ Das, was James Mattis, der einstige Vier-Sterne-General, dem Präsidenten geschrieben hatte, war so eindeutig, dass es keiner Zuspitzung, keines „Spins“ der politischen Wettbewerber mehr bedurfte: Seine Grundüberzeugung sei es stets gewesen, schrieb Mattis, dass die Stärke der amerikanischen Nation untrennbar verknüpft sei mit der Stärke „unseres einzigartigen, umfassenden Bündnissystems“.

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