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Amerikas künftiger Präsident : Der Mann im goldenen Turm

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Von Donald Trump ist in den vergangenen Tagen wenig mehr zu sehen, als sein Bild im Aufzug des Trump Towers. Bild: AFP

Donald Trump scheint weiter mit seiner zukünftigen Rolle als Präsident zu fremdeln. Der Regierungsbildungsprozess des Wahlsiegers erinnert vielmehr an seine alte Casting-Show.

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          Der designierte Staatschef und die zukünftige First Lady haben entschieden: Im ersten halben Jahr der Präsidentschaft werden Melania und ihr Sohn Barron weiter in New York leben, damit der zehn Jahre alte Trump-Filius nicht mitten im Schuljahr die Schule wechseln muss. Das ließen die Trumps bereits am Sonntag über einen Sprecher ausrichten. Das Weiße Haus wird also, anders als unter Bill Clinton oder Barack Obama, die ihre Ehefrauen und schulpflichtigen Kinder gleich zum Amtsantritt mitbrachten, zunächst einmal für ein paar Monate von einem Strohwitwer bewohnt werden.

          Das allein mag keine große Schlagzeile sein, doch sie passt ins Bild eines Mannes, der mit seiner zukünftigen Rolle weiter zu fremdeln scheint. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf enge Berater des Wahlsiegers berichtet, könne Trump sich zum Beispiel noch immer nicht mit dem Gedanken anfreunden, nach der Inauguration am 20. Januar sein Android-Handy abzugeben. Er habe Angst, den Kontakt zu wichtigen Bekannten zu verlieren, heißt es. Auch diskutiere er weiter lebhaft mit dem Secret Service, wie oft er denn in Zukunft seine Wochenenden im „Trump Tower“ in Manhattan oder seinem geliebten „Mar-a-Lago-Resort“ in Florida verbringen könne.

          Hat Trump Angst, nicht mehr mit Geschäftsfreunden in Kontakt treten zu können? Offiziell übergibt er ja die Führung seines Konzerns an seine drei Kinder aus erster Ehe, doch einige Termine nach seiner Wahl streuen Zweifel, dass Trump diese Trennung zwischen Politik und Business wirklich genau nimmt. Bereits am 15. November, also noch vor seinem ersten Treffen mit einem ausländischen Regierungschef, soll er etwa Immobilienunternehmer empfangen haben, die in Indien für ihn luxuriöse Apartmentgebäude bauen. Auch Trumps Sohn Donald Junior ist auf einem Foto mit den drei Indern zu sehen. Wenige Tage später, als Trump mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zusammenkam, war wiederum Tochter Ivanka dabei, die ja eigentlich aus der Politik herausgehalten werden soll. Mitarbeiter des  amerikanischen Außenministeriums sollen sich angesichts dieser offensichtlichen Vermischung von Zuständigkeitsbereichen bereits besorgt zeigen.

          Ansonsten ist es vor allem Trumps Stil, der viele Beobachter irritiert. Der Prozess seiner Kabinettsfindung erinnert sie einfach zu stark an seine Vergangenheit als Reality-TV-Star. „Nur ich weiß, wer die Finalisten sind“, gab der 70 Jahre alte zukünftige Präsident etwa eine Woche nach seinem Wahlsieg via Twitter bekannt. „Das ist doch keine Gameshow, du Depp“, antworte eine andere Nutzerin und erntete für ihren Kommentar tausendfache Zustimmung. Wieder andere Kommentatoren verteidigen den Mann, dessen legendärer „Boardroom“ ihnen aus der Sendung „The Apprentice“ gut bekannt ist. Dort, im edel möblierten Sitzungszimmer, fielen vor laufenden Kameras immer wieder jene drei Worte, die Trump weltweit als schillernden Boss berühmt machten: „You are fired“.

          Nach seinem spektakulär erfolgreichen Wechsel in die Politik geht es nun zunächst nicht um Entlassungen, sondern um Anstellungen. Einige wichtige Posten in seinem zukünftigen Kabinett hat Trump bereits besetzt, zahlreiche andere sind noch vakant. Und so lässt Amerikas zukünftiger Präsident hoch oben im „Trump Tower“ über Manhattans Fifth Avenue einen Bewerber nach dem anderen vorsprechen, während unten im Foyer die Presse gespannt darauf wartet, wer denn dieses Mal in einen der goldenen Aufzüge steigt.

          Immer wieder veröffentlicht Trump zudem kurze Teaser, mit denen er auf eine möglicherweise schon bald anstehende Personalentscheidung verweist, nur um diese dann doch noch einmal zu vertagen. „Cliffhanger“ nennt man diese etwas plumpe Erzähltechnik der Zuschauerbindung im Mediengeschäft. Gelernt ist halt gelernt. Angeblich telefoniere Trump zudem stundenlang mit treuen Weggefährten, anderen Fernsehpersönlichkeiten und Wahlkampfspendern, um sie nach ihren Meinungen zu fragen oder Bestätigung zu erfahren. „Der Mann arbeitet 18 Stunden pro Tag“, schwärmt Trump-Beraterin Kellyanne Conway.

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