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Nach der Wahl Bidens : Amerika muss das Stammesdenken überwinden

Unversöhnlich: Trump- und Biden-Anhänger stehen nach der Wahl in Michigans Hauptstadt Lansing gegenüber. Bild: dpa

Eine Säule der Außenpolitik des neuen amerikanischen Präsidenten wird die Erneuerung im Inneren sein. Die Teilung der Vereinigten Staaten in zwei verfeindete Lager muss Joe Biden überwinden.

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          Die Zeit, als die Vereinigten Staaten die Rolle des Weltpolizisten übernahmen, ihr Einfluss unbegrenzt war und ihre Macht sich imperial über die Welt ausbreitete – man sprach vom „unipolaren Moment“ –, die ist vorbei. Amerika hat weder den Willen, noch verfügt es über die Mittel zu einer hegemonialen Restauration; unabhängig davon, dass es heute auf Rivalen und Konkurrenten stieße, die sich dem machtpolitisch widersetzen würden. Das Land blickt auf seine innere Verfassung und erkennt, dass es alle Hände voll damit zu tun hat beziehungsweise zu tun hätte. Schon für Obama hatte der Wiederaufbau Amerikas Priorität und nicht derjenige Afghanistans. Trump spitzte seinen Ansatz in der Parole zu „America first“. Und auch der künftige Präsident Biden wird sein Hauptaugenmerk auf „innere Erneuerung“ richten.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          (K.F.), Politik

          Dass das nottut, zeigt ein Charakteristikum der zurückliegenden Wahl: Die amerikanische Wählerschaft ist in zwei fast gleich große Lager gespalten, die sich jeweils sozio-ökonomisch und politisch-kulturell definieren, sich entsprechend voneinander abgrenzen und „feindlich“ gegenüberstehen. Die These, dass die amerikanische Politik mehr und mehr tribalistisch sei, ist nicht neu, sie ist aber am 3. November eindrucksvoll bestätigt worden. Das Trump-Lager sieht sich als das einzig „wahre Amerika“, das Biden/Harris-Lager sieht sich ebenfalls als das einzig „wahre Amerika“. Überschneidungen gibt es so gut wie keine; diese Identitäten verhärten.

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