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Mitt Romney : Durchs Weiße Haus in die Geschichtsbücher

In den Spuren der Kennedys

Seinen ersten Vornamen verdankt Willard Mitt Romney, der am 12. März 1947 in Detroit im Bundesstaat Michigan geboren wurde, der Freundschaft seines Vaters George Romney (1907 bis 1995) mit John Willard Marriott (1900 bis 1985), dem Gründer des gleichnamigen Hotel- und Gastronomieunternehmens. Die Marriotts gehören wie die Romneys seit Generationen der Mormonen-Kirche an. George Romney war als mittelloser Flüchtling aus Mexiko in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt; ins südliche Nachbarland hatte die Familie seines Vaters fliehen müssen, weil sie wegen der damals von den Mormonen noch praktizierten Polygamie verfolgt worden waren.

George Romney reüssierte zunächst in der Automobilindustrie, von 1963 bis 1969 war er Gouverneur von Michigan. 1968 bewarb sich George Romney um das Präsidentenamt, musste sich aber in den republikanischen Vorwahlen früh Richard Nixon geschlagen geben. Für Mitt Romney, das jüngste von vier Kindern, war sein Vater stets Leitbild und Vorbild. Der Ehrgeiz, eine Dynastie wie die der Kennedys zu begründen, dürfte Mitt Romney heute ebenso beseelen, wie sie einst George Romney erfüllt hatte.

„Retter der Spiele“

Doch seinen ersten Wahlkampf verlor Mitt Romney. 1994 unterlag er dem „liberalen Löwen“ des Senats Ted Kennedy, der seinen Senatssitz für Massachusetts nach überraschenden Anlaufschwierigkeiten im Wahlkampf doch sicher verteidigte. Den Schritt in ein öffentliches Amt tat Romney dann 2001, als er zum Manager der Olympischen Winterspiele von 2002 in Salt Lake City berufen wurde. Die Vorbereitung der Spiele war nach einem Bestechungsskandal in eine Vertrauens- und Schuldenkrise geraten, die Romney allerdings schlimmer darstellte, als sie tatsächlich gewesen zu sein schien. Die Olympischen Spiele für Salt Lake City, den Sitz der Mormonenkirche, zu retten, bedeutete für Romney auch einen Dienst für jene Kirche zu leisten, mit der seine Familie praktisch seit deren Gründung im Jahre 1830 durch den Propheten Joseph Smith verbunden ist.

Sogar den Roman „Harry Potter“ nutzen sie für ihren Protest. Voldemort - der düstere Antagonist Harry Potters - wählt die Republikaner, steht auf dem Plakat.
Sogar den Roman „Harry Potter“ nutzen sie für ihren Protest. Voldemort - der düstere Antagonist Harry Potters - wählt die Republikaner, steht auf dem Plakat. : Bild: AFP

Das Etikett „Retter der Spiele“ half Romney später, die Gouverneurswahlen im linksliberalen neuenglischen Bundesstaat Massachusetts von 2002 zu gewinnen - nichts weniger als eine Meisterleistung für einen Republikaner in einem von den Demokraten dominierten Staat. Im Wahlkampf und während seiner Amtszeit von Anfang 2003 bis Januar 2007 gab sich Romney als Moderater. Doch er tat sich schwer mit den Gepflogenheiten der Politik und lernte erst spät, Kompromisse mit der demokratischen Mehrheit im Parlament zu machen, anstatt über deren Köpfe hinweg zu regieren. 2006 unterzeichnete Romney in Boston eine Gesundheitsreform für Massachusetts, die neben der allgemeinen Versicherungspflicht noch manch andere Ähnlichkeit mit Obamas nationaler Gesundheitsreform vom März 2010 aufweist. Romney lehnt jedoch „Obamacare“ ab: In der Gesundheitspolitik sollen nach seiner Meinung die 50 Bundesstaaten und nicht die Regierung in Washington entscheiden.

„Ein amerikanisches Jahrhundert“

Im Streit über Abtreibung und Homosexuellenehe sowie in der Umweltpolitik ist Romney in den vergangenen Jahren von der gemäßigten Mitte des politischen Spektrums deutlich auf die konservative Seite gerückt - ganz gewiss mit Blick auf seine Bewerbung um das Präsidentenamt. Im Geschäftsleben kann die Anpassung der Position an veränderte Marktbedingungen das Geheimnis des Überlebens sein. In der Politik ist das zunächst nicht anders. Doch es verleiht dem Politiker den Makel opportunistischen Anpassertums.

Romney fordert niedrigere Steuern und weniger Regulierung anstelle staatlicher Konjunkturprogramme. In der Außen- und Sicherheitspolitik sind der Einfluss der Neokonservativen und deren Forderung nach einer starken und aktiven amerikanischen Weltmachtpolitik zu erkennen. Vor Veteranen sagte Romney jüngst: „Ich sehe Amerika nicht als einen Punkt oder eine Macht unter vielen auf der strategischen Weltkarte, die irgendwie ausbalanciert werden müsste. Ich glaube an unser Land als die größte Kraft für das Gute, die die Welt je gesehen hat. Und ich glaube, dass unser Einfluss heute so notwendig ist wie eh und je. Ich lasse mich leiten von der Überzeugung und der Leidenschaft, dass dieses Jahrhundert ein amerikanisches Jahrhundert sein muss.“

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