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Polizeigewalt in Minneapolis : Ein amerikanisches Grundübel

  • -Aktualisiert am

Ein Demonstrant während der Proteste nach dem Tod von George Floyd im Mai 2020 Bild: dpa

Die tödliche Mischung aus Rassismus und Polizeigewalt quält Amerika seit langem. Immerhin wächst das Bewusstsein für das Unrecht. Doch Donald Trump macht eine Lösung noch schwieriger.

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          Wenn Einsicht tatsächlich der erste Schritt zur Besserung sein sollte, dann könnte man wenigstens daraus einen Hauch von Hoffnung schöpfen: Kaum war das Handyvideo aus Minneapolis bekannt, in dem das unmenschliche und tödliche Vorgehen weißer Polizisten gegen einen schwarzen Verdächtigen dokumentiert ist, solidarisierten sich maßgebliche Politiker und Funktionäre mit dem Opfer und nicht mit dem Täter. Der Polizeichef entließ die vier Polizisten umgehend, anstatt sich mit einer Suspendierung zu begnügen und zu hoffen, die Empörung aussitzen zu können. Der (weiße) Bürgermeister sprach unumwunden aus, dass der getötete George Floyd „noch leben würde, wenn er weiß wäre“. Polizeichefs und Verbandsfunktionäre aus anderen Teilen des Landes sprechen von Mord.

          Vergleichsweise still blieben diesmal diejenigen, die den Aufschrei „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) sonst so gern mit der Trotzparole „Blue Lives Matter“ übertönen, weil die Polizeiuniformen blau sind. Sogar Donald Trump schrieb, wenn auch erst nach einiger Bedenkzeit, von einem „sehr traurigen und tragischen“ Tod, ordnete eine Untersuchung durch den Bund an und versprach Gerechtigkeit. Das mag eine Selbstverständlichkeit sein. Immerhin hat das halbe Land gesehen, wie ein Polizist minutenlang auf Floyds Genick kniete. Genauso wenig wie seine drei Kollegen kümmerte er sich um dessen Atemnot oder die Appelle der Passanten, den Mann am Leben zu lassen. Aber leider ist diese Solidarisierung keine Selbstverständlichkeit für einen Präsidenten, der zum Beispiel 2017 in einer Rede Polizisten aufforderte, bloß nicht „zu nett“ zu Verdächtigen zu sein.

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