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Cohen-Aussage im Kongress : Ein politisches Theater

  • -Aktualisiert am

Cohen wurde in New York unter anderem deswegen zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er den Kongress zuvor belogen hatte. Sein Klient hatte vor der Präsidentschaftskandidatur vorgehabt, einen Trump Tower in Moskau zu bauen – Cohen machte falsche Angaben über das Ende der Verhandlungen. Die sollen statt bis Januar 2016 bis in den Juni gedauert haben, als Trump öffentlich schon behauptete, keine Geschäfte mit Russland zu machen. Der Kandidat habe ihn nicht direkt angewiesen, zu lügen, erklärte Cohen. „In Gesprächen die wir während der Kampagne führten, zur selben Zeit als ich aktiv für ihn mit Russland verhandelte, sah er mir in die Augen und sagte: ,Es gibt keine Geschäfte mit Russland‘. Und dann ging er raus und belog das amerikanische Volk, indem er das selbe sagte. Auf seine Art sagte er mir, dass ich lügen sollte.“ Zwischen Januar und Juni habe Trump ihn oft gefragt, wie die Dinge in Russland vorangingen.

Cohen ließ auch keinen Zweifel daran, dass die jüngsten Enthüllungen in der Russland-Affäre sich mit seinen Erlebnissen deckten. So bekräftigte er, dass Trump im Bilde gewesen sei, als sein Berater Roger Stone mit Wikileaks vorab über die Veröffentlichung von gehackten E-Mails der Demokraten sprach. Stone steht zur Zeit deswegen vor Gericht. Cohen habe bei einem Anruf Stones zugehört, als dieser über die E-Mails sprach. Trump habe dazu so etwas gesagt wie „Wäre das nicht toll“.

Er sagte auch, dass er beobachtet habe, wie Donald Trump Jr. zu seinem Vater gesagt habe: „Das Treffen ist arrangiert“. Heute gehe er davon aus, dass damit die Zusammenkunft von Trump Jr., Jared Kushner und Paul Manafort mit mehreren Russen im Trump Tower gemeint gewesen sei. Schließlich sei nichts ohne Trumps Kenntnis gemacht worden – und Trump habe stets gesagt, sein Sohn habe „die schlechteste Urteilskraft der Welt“. Über eine direkte Verschwörung mit Russland wollte oder konnte Cohen nicht sprechen – mehrmals verwies er auf die laufenden Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller und die anderen laufenden Verfahren. Bei einigen Theman habe die New Yorker Staatsanwaltschaft ihn ausdrücklich gebeten, nichts zu sagen.

Republikaner betrachten Michael Cohen weiterhin als „Lügner“.
Republikaner betrachten Michael Cohen weiterhin als „Lügner“. : Bild: AP

Cohen beschrieb am Mittwoch auch, wie er Universitäten mit rechtlichen Schritten drohte, wenn sie Trumps Ergebnisse des SAT-Zulassungstests veröffentlichen würden und wie er bei einer Auktion einen Strohmann auf ein Porträt von Trump habe bieten lassen. Mit diesen und anderen Anekdoten wollte der frühere Anwalt vor allem untermauern, was er über Trumps Charakter zu sagen hatte: „Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger.“

Die Republikaner reagierten auf Cohens Einlassungen mit sichtbarer Wut. Am Tag zuvor hatte schon der Abgeordnete Matt Gaetz für Aufregung gesorgt, weil er auf Twitter damit gedroht hatte, vermeintlich kompromittierende Details aus Cohens Privatleben öffentlich zu machen. Unfreiwillig peinliche Auftritte lieferten im Ausschuss dann Politiker, die beteuerten, der Präsident sei kein Rassist, weil er sich in ihrer Gegenwart schließlich nie rassistisch geäußert habe. Cohen hatte zuvor mehrere Situationen beschrieben, in denen Trump abfällig über Schwarze gesprochen habe. Den Tiefpunkt des Tages markierte für viele Beobachter der Beitrag von Republikaner Mark Meadows zum Thema. Er ließ Lynne Patton, eine afroamerikanische ehemalige Mitarbeiterin Trumps, die nun im Wohnungsbauministerium tätig ist, hinter sich aufstehen und sagte: „Sie sagt, dass sie als Tochter eines Mannes, der in Birmingham, Alabama geboren wurde, niemals für einen Menschen arbeiten würde, der ein Rassist ist. Wie bringen Sie das zusammen?“ Cohen antwortete darauf: „Und das hätte ich als Sohn eines Holocaust-Überlebenden auch nicht tun sollen.“ Die Abgeordnete Rashida Tlaib warf Meadows anschließend vor, Patton in klassisch rassistischer Manier wie ein Feigenblatt benutzt zu haben – nach einem Wortwechsel mit Meadows und Cummings musste sie sich dafür entschuldigen.

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