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Sudan : Israel normalisiert Beziehung mit weiterem muslimischen Staat

  • Aktualisiert am

Donald Trump spricht in der Air Force One zu Journalisten. Bild: AP

Der Nahe Osten ist im Umbruch: Nach den Emiraten und Bahrein nähert sich nun auch der Sudan an Israel an. Für das afrikanische Krisenland ist dies ein wichtiger Schritt aus der politischen Isolation – und für den amerikanischen Präsidenten Trump ein Erfolg kurz vor der Wahl.

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          Unter Vermittlung der Vereinigten Staaten haben die langjährigen Feinde Sudan und Israel in einem historischen Schritt angekündigt, Frieden zu schließen. Die Anführer der Länder hätten beschlossen, die Beziehungen zu normalisieren „und den Kriegszustand zwischen ihren Nationen zu beenden“, hieß es in einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung der Amerikaner, des Sudan und Israels vom Freitag. Für das Krisenland Sudan ist dies ein wichtiger Durchbruch – und der amerikanische Präsident Donald Trump kann einen außenpolitischen Sieg kurz vor der Wahl am 3. November verbuchen.

          Trump nannte die Einigung einen „unglaublichen Deal für Israel und den Sudan“. „Die heutige Friedensvereinbarung wird die Sicherheit Israels stärken und die lange Isolation des Sudans von der Welt beenden“, sagte er bei einer Telefonschalte mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie dem Regierungschef des Sudan, Abdullah Hamduk, und dem Vorsitzenden des Souveränen Rates des Landes, Abdel Fattah Burhan, im Weißen Haus vor Journalisten.

          Zuvor hatten unter Trumps Vermittlung die Vereinten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrein ähnliche historische Einigungen mit Israel vereinbart, denn viele arabische Länder haben keine offiziellen Beziehungen mit Israel. Auch seine Kritiker zollten Trump Respekt für die Vermittlung. Der 74-Jährige sagte, „viele, viele weitere“ Staaten würden diesen Beispielen folgen.

          Fortschritt für Sudan?

          Für den Sudan, der sich nach Jahren autokratischer Herrschaft auf einem fragilen Weg in Richtung Demokratie bewegt, ist dies ein wichtiger Durchbruch. Denn der Staat im Nordosten Afrikas mit seinen rund 42 Millionen Einwohnern wurde unter dem autoritären Präsidenten Omar al-Baschir, der 30 Jahre lang an der Macht war, zunehmend isoliert. Dazu beigetragen hatten auch amerikanische Sanktionen und die Auflistung des Landes in der berüchtigten Liste Amerikas staatlicher Unterstützer von Terroristen. Die Isolation sowie die Abspaltung des ölreichen Südsudans 2011 zwang Sudans Wirtschaft in die Knie – was 2019 zu Massenprotesten und dem Sturz von Al-Baschir führte. Allerdings hat es die Übergangsregierung trotz einiger Erfolge bislang nicht geschafft, das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen.

          Khartum bemüht sich daher seit dem Militärputsch um bessere Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft – vor allem zu den Vereinigten Staaten. Ebenfalls am Freitag hat das Weiße Haus mitgeteilt, Trump habe den Kongress über seine Absicht informiert, den Sudan von der amerikanischen Terrorliste zu streichen. Im Gegenzug hatte sich der Sudan bereit erklärt, amerikanische Terror-Opfer und deren Angehörige zu entschädigen. Die Zahlung von 335 Millionen Dollar (rund 290 Millionen Euro) durch die Übergangsregierung des Sudans sei eingegangen, teilte das Weiße Haus mit. Nach der Streichung von der Terrorliste dürfte es unter anderem für internationale Firmen und Banken einfacher werden, im Sudan Geschäfte zu machen. Zudem kann Khartum damit auch leichter wieder Zugang zu Hilfen multilateraler Geberinstitutionen bekommen, etwa vom Internationalen Währungsfonds.

          Die Übergangsregierung des Sudan habe „Mut und Entschlossenheit“ gezeigt, Terrorismus zu bekämpfen, demokratische Institutionen zu bauen und die Beziehungen mit seinen Nachbarn zu verbessern, hieß es in der Mitteilung der Vereinigten Staaten, Israel und des Sudans nun. Auch Netanjahu bezeichnete die Einigung als „gewaltigen Umbruch“. Er erinnerte an das dreifache Nein der Arabischen Liga bei einer Konferenz in Sudans Hauptstadt Khartum nach dem Sechstagekrieg 1967: „Nein zu einem Frieden mit Israel, Nein zu einer Anerkennung Israels, Nein zu Verhandlungen mit Israel.“ Heute sage Khartum dagegen „Ja zu einem Frieden mit Israel, Ja zu einer Anerkennung Israels und Ja zu einer Normalisierung mit Israel“. In Kürze würden sich Delegationen beider Länder treffen, um über Zusammenarbeit in vielen Bereichen zu sprechen, darunter Landwirtschaft und Handel.

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          Bereits im Februar 2020 hatten sich der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und Abdel Fattah al-Burhan in Uganda getroffen und dort vereinbart, Beziehungen zwischen den Ländern voranzutreiben. Nur kurze Zeit später durften israelische Flugzeuge Sudan überfliegen.

          Die im Gazastreifen herrschende Hamas nannte die Einigung eine „politische Sünde“. Sie füge den Palästinensern und ihrem gerechten Anliegen Schaden zu, sagte Sprecher Hasem Kassem.

          Sudan-Expertin Annette Weber von der Stiftung Wissenschaft und Politik warnte, dass die Normalisierung der Beziehungen mit Israel die sudanesische Regierung schwächen würde: Da die Ankündigung in Verbindung mit der Streichung von der amerikanischen Terrorliste stehe, werde dies vermutlich als Zeichen gesehen, dass die Regierung unter Druck der Vereinigten Staaten und nicht unabhängig gehandelt habe. Die Ankündigung werde „ein Problem für die derzeitige Regierung“ sein.

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