https://www.faz.net/-gpf-a23au

Klage gegen die NRA : New York will die mächtigste Lobbygruppe Amerikas auflösen lassen

  • Aktualisiert am

Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James kündigt auf einer Pressekonferenz die Klage gegen die NRA an. Bild: EPA

Die NRA gilt als eine der einflussreichsten Organisation Amerikas. Nun klagt die New Yorker Generalstaatsanwältin gegen die Waffenlobbyisten – auch weil „hohe Führungskräfte Millionen in ihre eigenen Taschen leiteten“.

          2 Min.

          Der amerikanische Bundesstaat New York will den mächtigen Waffenlobbyverband National Rifle Association (NRA) per Gericht auflösen lassen. Generalstaatsanwältin Letitia James begründete ihre am Donnerstag eingereichte Klage damit, dass ranghohe Verbandsführer Millionen Dollar für persönliche Luxusreisen und andere fragwürdige Ausgaben abgezweigt hätten. Der langjährige Chef Wayne LaPierre wird beschuldigt, mit der NRA einen Vertrag abgeschlossen zu haben, der ihm bei seinem Ausscheiden 17 Millionen Dollar (14 Millionen Euro) zusichert. Über drei Jahre hinweg seien Schäden in Höhe von mehr als 64
          Millionen Dollar entstanden.

          Die NRA ist in New York registriert, obgleich sich ihre Zentrale in Virginia befindet. Gleichzeitig mit dem Vorgang in New York verklagte auch der Chefjurist des Washingtoner Hauptstadtbezirks, Karl Racine, die NRA Foundation, eine Stiftung des Verbands. Er beschuldigte sie, der NRA Gelder zugeführt zu haben, um Luxusausgaben von Führungspersonen zu finanzieren.

          „Der Einfluss der NRA ist so mächtig gewesen, dass die Organisation jahrzehntelang nicht überprüft wurde, während hohe Führungskräfte Millionen in ihre eigenen Taschen leiteten“, erklärte James, eine Demokratin. „Die NRA ist voller Betrug und Missbrauch, weshalb wir heute versuchen, die NRA aufzulösen, denn keine Organisation steht über dem Gesetz.“ Die Organisation wies die Vorwürfe umgehend zurück und sprach von einem politischen Manöver vor der Präsidentschaftswahl am 3. November. Es handle sich um einen „Angriff auf die führende Stimme der Opposition gegen die Links-Agenda“.

          Die NRA besitzt in den Vereinigten Staaten gemeinnützigen Status und unterliegt daher besonderen Auflagen für Spenden und Wohltätigkeit. Sie gilt als sehr konservative Organisation mit großem politischem Einfluss und als loyale Unterstützerin vor allem von Donald Trumps Republikanern. Nach eigenen Angaben hat die NRA rund fünf Millionen Mitglieder. James hatte im vergangenen Jahr bereits einen Prozess geführt, durch den eine Stiftung Trumps aufgelöst wurde.

          Luxusflüge, Bahamas-Urlaube und eine Yacht

          James' Klage unterstreicht Vorwürfe, die die NRA und LaPierre seit Jahren belasten. Sie werden beschuldigt, Geld verschwendet und Geschäfte mit sich selbst abgeschlossen zu haben. Die Klage folgte auf 18-monatige Ermittlungen.

          In dem New Yorker Prozess werden LaPierre und drei weitere gegenwärtige und ehemalige Führungsfiguren als Beklagte genannt: Der ranghohe Jurist John Frazer, der pensionierte Finanzchef Wilson Phillips und der früheren Stabschef Joshua Powell.

          LaPierre, der die Tagesgeschäfte der NRA seit 1991 leitet, wird beschuldigt, Millionen Dollar des Verbands im Zusammenhang mit Reisen ausgegeben zu haben. Er haben Hunderttausende Dollar für Flüge von ihm selbst und Familienangehörigen mit Privatjets ausgegeben, darunter mehr als 500.000 Dollar für acht Reisen auf die Bahamas, so die Vorwürfe. Er wird auch beschuldigt, teure Geschenke angenommen zu haben – darunter Safaris in Afrika und die Nutzung einer mehr als 30 Meter langen Yacht.

          Laut der Klage wurden manche Ausgaben mithilfe einer Vereinbarung mit der früheren Werbeagentur der NRA, Ackerman McQueen, verheimlicht. Die Agentur habe verschiedene Ausgaben La Pierres und anderer NRA-Manager bezahlt und dem Verband dann pauschal als Spesen und Auslagen in Rechnung gestellt.

          Weitere Themen

          Orbáns letzter Trumpf

          Austritt aus EVP-Fraktion? : Orbáns letzter Trumpf

          Nach jahrelangem Ringen um das Verhältnis zu Viktor Orbán will die EVP ihre Geschäftsordnung ändern und so den Ausschluss der Ungarn aus der Fraktion erleichtern. Doch der Fidesz-Vorsitzende droht mit dem Austritt.

          Topmeldungen

          Apple Airpods Max im Test : Audio Max

          Wenn Apple etwas Neues anpackt, soll es gleich perfekt sein. Das gilt auch für die Airpods Max. Hat es Apple wieder geschafft?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.