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Trump bewirbt Goya-Produkte : Kulturkampf um die schwarze Bohne

  • -Aktualisiert am

Werbung aus dem Zentrum der Macht: Donald Trump lässt sich im Oval Office mit Goya-Produkten fotografieren. Bild: Instagram/realdonaldtrump

Der Chef eines Lebensmittelkonzerns preist Trump als Segen für das Land. Kritiker des Präsidenten reagieren mit Boykott-Aufrufen. Nun kämpft Trump höchstpersönlich für die Marke – und um die Stimmen der skeptischen Latinos.

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          Donald Trump und seine Tochter Ivanka als Werbebotschafter für Büchsen-Bohnen – die Bilder haben angesichts der Skandale der vergangenen Jahre kaum einen Überraschungseffekt, wirken aber mitten in der Coronavirus-Pandemie, die das Land nicht in den Griff bekommt, besonders deplaziert. Der Präsident und seine Tochter fühlten sich in dieser Woche berufen, das Lebensmittelunternehmen Goya zu bewerben, nachdem zahlreiche Trump-Kritiker zu einem Boykott aufgerufen hatten.

          Goya ist in den Vereinigten Staaten eine der beliebtesten Marken der mittelamerikanischen Küche – und Chef Robert Unanue, dessen aus Spanien eingewanderter Urgroßvater das Unternehmen gründete, ist ein Fan von Trump. Bei einem Termin im Weißen Haus hatte er den Präsidenten als Macher und „Erbauer“ gelobt, mit dem das Land „wahrhaft gesegnet“ sei. Das sorgte für Wut bei vielen Trump-Gegnern. Zu denen, die nach Boykotten riefen, gehörten die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York, der ehemalige Wohnungsbauminister Julián Castro und der ehemalige Arbeitsminister Robert Reich. Seit Tagen posten vor allem Latinos im Internet Fotos und Videos von sich, wie sie Goya-Produkte wegwerfen oder spenden.

          Trump veröffentlichte am Mittwoch bei Instagram ein Foto von sich am Schreibtisch im Oval Office, vor ihm Büchsen mit Goya-Produkten. Der Präsident reckte die Daumen hoch. Werbung aus dem Zentrum der Macht – mehr PR konnte sich das Unternehmen nicht wünschen. Der Präsident taggte die Marke auch bei Twitter und schrieb: „@GoyaFoods geht es GROSSARTIG. Die Schmutzkampagne der radikalen Linken ist nach hinten losgegangen, die Leute kaufen wie verrückt!“ Trump-Fans tweeteten derweil Memes wie „Black Beans Matter“ („Schwarze Bohnen zählen“) und beklagten sich über die Boykotte.

          Ivanka Trump warb auf Twitter für schwarze Bohnen der bekannten Marke.
          Ivanka Trump warb auf Twitter für schwarze Bohnen der bekannten Marke. : Bild: AP

          Am Vortag hatte sich Ivanka Trump ins Zeug gelegt und ein Foto von sich mit einer Dose schwarzer Bohnen getwittert, begleitet vom Goya-Werbespruch auf Englisch und Spanisch: „Wenn es Goya ist, muss es gut sein.“ Das Weiße Haus nahm sie gegen Kritik von Verbraucherverbänden in Schutz – Ivanka Trump habe „jedes Recht“, ihre Meinung zu der Marke zu äußern, hieß es. Walter Shaub, ehemaliger Direktor des Büros für Ethik in der Regierungsarbeit, sagte dem Magazin „The Guardian“, die Tochter des Präsidenten verstoße als Angestellte klar gegen Ethik-Regeln.

          Chuck Rocha, der den zum Teil sehr erfolgreichen spanischsprachigen Wahlkampf von Senator Bernie Sanders leitete, sagte, der Konflikt um Goya sei alles andere als ein bloßes Kuriosum oder ein neues Beispiel für die Korruption der Präsidentenfamilie. Trump werde von vielen Latinos intensiv verabscheut. Und nun sei ausgerechnet der Chef ihrer beliebtesten Lebensmittelmarke für den Präsidenten – das sei ein „Schlag in die Magengrube“, sagte Rocha und bezeichnete die Boykotte als „Tsunami der Wut“.

          Wie viel Mobilisierungspotential hat die Kontroverse?

          Rocha ist inzwischen Leiter des „Nuestro PAC“ (Political Action Committee), das Spenden für den Wahlkampf von Trumps designiertem Herausforderer Joe Biden sammelt. Biden tue gut daran, die Kontroverse nicht zu ignorieren, da sie großes Mobilisierungspotential habe, sagte Rocha dem Magazin „Politico“. Auch Elizabeth Strater von der Gewerkschaft der Erntearbeiter (United Farm Workers), sieht den Konflikt vor allem als Chance, bestehende Konfliktlinien ins Bewusstsein zu bringen: „Goya nimmt gern das Geld von Einwandererfamilien, preist aber ein Regime, das sie von Tag eins an dämonisiert hat.“

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