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Kritik an Sicherheitsbehörden : Warum konnte die Polizei die Aufrüher nicht stoppen?

Nicht martialisch auftreten: Die Kapitol Polizei in Washington am Mittwoch Bild: AP

Stundenlang konnten die Aufrührer im Kapitol ihr Unwesen treiben. Kritik an der Polizeistrategie wird laut. Die Sicherheitsbehörden wollten bewusst nicht martialisch auftreten, um Provokationen zu vermeiden.

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          Bilder vom ungehinderten Eindringen gewalttätiger Trump-Anhänger in das amerikanische Kapitol haben Zweifel an der Kompetenz der Polizeikräfte aufgeworfen. Mit dem Schutz der Gebäudekomplexes und des Kongresses ist die US Capitol Police betraut, die laut eigenen Angaben immerhin 2300 Polizisten und zivile Beschäftigte auf der Gehaltsliste hat.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Wie viele Beamte allerdings zur Absicherung der entscheidenden Kongress-Abstimmungen über die Wahlzertifizierungen abgestellt wurden, ist unklar. Es waren aber offenkundig zu wenig, zumal sie zunächst auf sich allein gestellt waren. Ein Senatsbeamter, der im Kapitol festgehalten wurde, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Sicherheitskräfte hätten die Bedrohung unterschätzt und seien dementsprechend durch den Ansturm überwältigt worden. Sie hätten aber getan, was sie konnten. „Sie haben Leben gerettet.“

          Einige Fernsehjournalisten hatten den Verdacht erhoben, dass Sicherheitskräfte mit den Demonstranten sympathisierten und sich von ihnen zu gemeinsamen Selfies überreden ließen. Der Senatsbeamte allerdings stellte klar, dass er dafür keine Hinweise erkannt habe. Einige Demonstranten feuerten offenbar Chemikalien auf Beamte, um sich Zugang zu verschaffen. Die Kapitol-Polizei erschoss eine Demonstrantin, drei weitere Personen starben nach schweren Verletzungen.

          Erst spät kamen zusätzliche Polizisten

          Tatsächlich ist die schwache Besetzung der Schutztruppe offenbar Ergebnis einer strategischen Entscheidung, Demonstranten nicht durch martialisches Auftreten der Sicherheitskräfte zu Gewalttaten zu provozieren. Das war die Lehre, die die Polizeiführung aus Protesten etwa in Portland/Oregon und anderen Städten gezogen hatte. Zudem unterschätzte die Führung offenbar die Anzahl der Demonstranten und ihre Gewaltbereitschaft. Sie hatte mit einzelnen Scharmützeln zwischen rechten und linken Demonstranten gerechnet, nicht aber damit, dass sie versuchen, gewaltsam ins Kapitol einzudringen. Entsprechend schwach war auch zunächst das Aufgebot unterstützender Polizeikräfte. Die Nationalgarde hatte zunächst nur 350 Männer und Frauen abgestellt, sie sollten vor allem den Verkehr rund um den Gebäudekomplex regeln.

          Erst als die Ereignisse eskalierten, aktivierte Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser zusätzliche Polizeikräfte und verhängte eine nächtliche Ausgangssperre. Das Justizministerium entsandte FBI-Beamte und Zollpolizisten, um die Lage zu deeskalieren. Es gab zahlreiche Festnahmen von Demonstranten. Das Sicherheitskonzept am Kapitol unterschied sich gravierend von den Schutzmaßnahmen, die die Polizeiführung bei „Black Lives Matter“-Demonstrationen angeordnet hatte. Im vergangenen Jahr waren bereits gewaltbereite Trump-Anhänger bewaffnet in das Kapitol-Gebäude von Michigan eingedrungen, nachdem sie sich von Präsident Donald Trump ermuntert fühlten.

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