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Absage an Kim Jong-Un : Spannung und Ungewissheit

Die Tonlage wird schroffer: Trump begründet seine Absage am Donnerstag in Washington Bild: AP

Die Absage des Treffens in Singapur hat auch etwas Gutes: Der Realismus kehrt zurück. Das Regime in Nordkorea hat es nicht auf den Friedensnobelpreis abgesehen, und die Regierung Trump kann noch einmal in sich gehen. Ein Kommentar.

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          Die Geschichte muss also noch warten, wenn sie denn überhaupt geschrieben wird. Das für den 12. Juni anberaumte amerikanisch-nordkoreanische Gipfeltreffen ist abgesagt worden – von Präsident Trump, der in den vergangenen Tagen bereits vage Andeutungen in diese Richtung gemacht hatte. Die Absage begründete Trump, obschon er sie zu bedauern scheint, mit der Wut und der offenen Feindschaft, die Machthaber Kim Jong-un in seiner jüngsten Stellungnahme gezeigt habe.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Tatsächlich war die nordkoreanische Rhetorik in den vergangenen Tagen weit weniger von Friedenssehnsucht erfüllt als vor ein paar Wochen. Auch in Washington wurde die Tonlage schroffer, wurden die Forderungen unmissverständlicher und kompromissloser. Das hat natürlich mit dem Gegenstand zu tun, um den es geht, also dem nordkoreanischen Atomarsenal, und dem, was die Regierung Trump im Gegenzug für die verlangte vollständige Abrüstung anzubieten bereit war – oder nicht.

          Man muss annehmen, dass das Regime in Pjöngjang unter „Denuklearisierung“ eben nicht die vollständige, sofortige und überprüfbare Abschaffung aller Atomwaffen versteht und auch nicht verstehen wollte. Den Status als selbsterklärte Atommacht will es nicht aufgeben, zumal dieser Status erst die Aussicht auf direkte Verhandlungen mit dem amerikanischen Präsidenten eröffnete. Dass im Weißen Haus wiederholt das „Modell Libyen“ als Ziel der amerikanischen Politik ausgegeben worden ist, hat das Herz des Diktators Kim nicht wirklich erwärmen können. Deswegen ist es denkbar, dass er es auf die Absage angelegt hat, sie ihm zumindest gelegen kommt. Und womöglich auch seinem Patron in Peking, der schon in Sorge darüber war, er könne den Zugriff auf die Entwicklung in der Region verlieren.

          Als sich Koreas Präsident und Nordkoreas Machthaber Ende April in den Armen hielten, wurde so getan, als werde es nicht mehr lange dauern, bis der große Friede in Ostasien ausbrechen werde. Jetzt kehren erst einmal Spannung und Ungewissheit zurück. Aber bei aller Enttäuschung darüber hat die Absage des Treffens in Singapur auch etwas Gutes: Auch der Realismus kehrt zurück. Das kommunistische Regime in Nordkorea hat es nicht auf den Friedensnobelpreis abgesehen, und die Regierung Trump, in der einige von einem Gipfel ohne diplomatische Vorarbeit nicht begeistert waren, kann noch einmal in sich gehen.

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