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Impfstoff-Exportverbot : Amerika zuerst 2.0

Erfolgreich in der Impfkampagne: Amerikas Präsident Joe Biden Bild: EPA

Bis Anfang Mai sollen alle Amerikaner geimpft werden. An die EU will Präsident Biden keine Impfstoffe ausführen. Da macht er es wie Trump.

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          Am Unabhängigkeitstag die wiedererlangte „Unabhängigkeit“ vom Coronavirus feiern zu können – wer wollte dem Präsidenten und den Bürgern der Vereinigten Staaten die Aussicht darauf zum Vorwurf machen? Auch Joe Bidens Ankündigung, für alle erwachsenen Amerikaner bis Anfang Mai Impfstoff zur Verfügung zu stellen, ist nach einem verheerenden Pandemie-Jahr eine Botschaft, auf die Millionen Amerikaner sehnlichst warten. Und doch hat das Ganze etwas von „America first“. Immer noch ist die Ausfuhr von Corona-Impfstoffen, die im Lande hergestellt werden, verboten.

          Das gilt selbst für das Vakzin von Astra-Zeneca, das in Amerika noch keine Zulassung hat. Millionen Impfdosen bleiben ungenutzt, dürfen aber nicht ausgeführt werden; zum Beispiel nicht in die EU. Die muss überdies damit rechnen, dass auch der Impfstoff von Johnson & Johnson nicht in verabredeter Menge geliefert werden kann, und wenn, dann erst in ein paar Monaten.

          Das lässt die Beteuerung, wie gut globale Zusammenarbeit sei und wie verwerflich Impfnationalismus, dann doch in einem anderen Licht erscheinen. Am Ende ist sich jeder selbst der Nächste; so kann man das amerikanische Exportverbot deuten. Muss man sich da wundern, wenn China und Russland die Impfstofflücke politisch ausnutzen? Die EU wird für ihr Vorgehen bei der Beschaffung von Impfstoff heftig gescholten. Nach den Erfahrungen mit engen Partnern liegt es nahe, wichtige medizinische Güter selbst herzustellen.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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