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Kommentar : Das meint er ernst

  • -Aktualisiert am

Donald Trump Bild: AP

Wenn Trump die amerikanischen Handelsabkommen überprüfen lassen will, hat er ein Ergebnis bereits im Blick. Dabei sollte er wissen: Viele, die er jetzt vor den Kopf schlägt, braucht er noch.

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          Eine politische Ansicht ist nicht schon deshalb falsch, weil Donald Trump sie geäußert hat. Gefallen muss sie einem trotzdem nicht. Andererseits sollten sich viele derer, die jetzt lautstark gegen die vom Präsidenten angeordnete „Überprüfung“ aller amerikanischen Handelsabkommen protestieren, daran erinnern, dass so gut wie alle in der Vergangenheit auch schon „Foul“ gerufen haben, wenn es um Handelsfragen ging. Und doch waren sie deshalb nicht gleich engstirnige Nationalisten.

          Andererseits muss natürlich gefragt werden dürfen, was eine „Überprüfung“ objektiv bringen soll, wenn der Auftraggeber doch für sich schon entschieden hat, was die einzig richtige Antwort ist. Und wenn er entschlossen scheint, das durchzusetzen. In Handelsfragen kommt der Unternehmer in Trump durch. Im wirtschaftlichen Wettbewerb kann es sein, dass am Ende ein oder mehrere konkurrierende Unternehmen vom Markt verschwinden. Spätestens an diesem Punkt beginnt aber der entscheidende Unterschied zur Politik.

          Einen anderen Staat kann man durch wirtschaftliche Strafmaßnahmen wie Sonderzölle schwächen, aber er wird trotzdem weiter existieren. Und die Frage, ob es in der Welt „fairer“ und im amerikanischen Interesse zugeht, wenn Trumps Amerika alle Vorteile auf seiner Seite hat, die EU und/oder Deutschland aber vor allem Nachteile, ist damit schon gar nicht beantwortet.

          Der größte Gläubiger Amerikas kommt zu Besuch

          Trump hat seinen Fachleuten 90 Tage Zeit für ihre „Überprüfung“ gegeben. Allein diese relativ großzügig bemessene Frist zeigt schon, dass es dem zum Impulsiven neigenden Neupolitiker bei diesem Thema ernst ist. Schon in dieser Woche kann er ausprobieren, wie er mit seinen Thesen auf der Weltbühne ankommt. Er bekommt Besuch von Amerikas größtem Gläubiger, dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping.

          Der Besuch könnte ein schmerzhaftes Erwachen für Trump bedeuten, falls Xi ihm vor Augen führt, dass auch Amerika von anderen abhängig ist und bleiben wird. Chinas Praktiken in der Weltwirtschaft sind keineswegs über alle Zweifel erhaben. In Peking redet zwar niemand öffentlich über „China first“. Manches erinnert aber daran. Schon deshalb sollte sich Trump überlegen, ob er viele derer, die er jetzt vor den Kopf stößt, nicht noch einmal brauchen könnte. Täte er das nicht, wäre er (auch) ein schlechter Unternehmer.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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