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Trump in Kenosha : „Es war kein friedlicher Protest, sondern inländischer Terrorismus“

  • Aktualisiert am

Trump während seines Besuches in Kenosha am Dienstag, 1. September 2020. Bild: AFP

Gouverneur und Bürgermeister rieten ab, doch Präsident Trump ließ es sich nicht nehmen, am Dienstag nach Kenosha zu reisen. Die Familie des angeschossenen Jacob Blake trifft er dabei nicht – lobt aber die Polizei.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat in einer umstrittenen Aktion die Stadt Kenosha besucht, die nach Polizeischüssen auf einen Schwarzen von teils gewaltsamen Protesten erschüttert worden war. Begleitet von einem massiven Sicherheitsaufgebot machte Trump sich am Dienstag in der Stadt im Bundesstaat Wisconsin ein Bild von den Zerstörungen infolge von Ausschreitungen. So ließ er sich niedergebrannte Geschäfte zeigen und sprach mit den Besitzern.

          In der Stadt gingen sowohl Anti-Rassismus-Demonstranten der Bewegung Black Lives Matter als auch Trump-Anhänger auf die Straße. Schon die Straße vom Flughafen in die Innenstadt war von Anhängern des Präsidenten und von Gegendemonstranten gesäumt. Ein Trump-Gegner hielt ein Schild mit der Aufschrift „Lügner“ in die Höhe.

          Der Gouverneur von Wisconsin und der Bürgermeister von Kenosha hatten Trump von der Visite abgeraten, weil sie eine Zunahme der Spannungen befürchteten. Der selbsternannte „Präsident von Recht und Ordnung“ hielt aber an der Reise knapp zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl fest.

          Kenosha sei von Krawallen getroffen worden, die „gegen die Polizei gerichtet und anti-amerikanisch gewesen seien“, sagte Trump. „Es war kein friedlicher Protest, sondern inländischer Terrorismus.“ Trump versprach zugleich eine Million Dollar Unterstützung für die örtliche Polizei und vier Millionen Dollar für den Wiederaufbau von Geschäften in Kenosha.

          Trump warf den Demokraten während seines Besuchs Versagen vor. Er habe den Verantwortlichen in der Stadt und im Bundesstaat Wisconsin die Unterstützung von Bundesbeamten angeboten, um die Proteste in den Griff zu bekommen. „Sie wollten einfach nicht, dass wir kommen, und dann war die Zerstörung angerichtet“, sagte der Präsident.

          Kein Treffen mit Blakes Familie geplant

          Den Besitzern eines niedergebrannten Geschäfts versprach Trump am Dienstag rasche Hilfe. Über die Polizisten vor Ort sagte der Präsident, sie hätten einen „fantastischen Job“ gemacht.

          Trump besuchte auch das in einer Schule eingerichtete Kommandozentrum der Sicherheitskräfte in Kenosha. Dort sagte der 74-jährige Präsident, manche würden Recht und Ordnung als „zwei furchtbare Worte“ ansehen. Sie seien aber „schön“. Ein Treffen Trumps mit der Familie des in Kenosha durch Polizeischüsse schwer verletzten Afroamerikaners Jacob Blake war nicht geplant.

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          Ein Onkel des Mannes, Justin Blake, sagte: „Wir brauchen nicht noch mehr Schmerz und Spaltung von einem Präsidenten, der seinen Wahlkampf auf Kosten unserer Stadt voranbringen will“. Trumps Autokonvoi fuhr unter großem Polizeischutz zwischen Unterstützern und Gegnern durch, die auf Abstand gehalten wurden.

          Ein weißer Polizist hatte den 29 Jahre alten Blake am 23. August vor den Augen seiner drei kleinen Kinder durch sieben Schüsse in den Rücken schwer verletzt. Der neuerliche Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze löste Empörung und Proteste aus, die teilweise in Gewalt ausarteten.

          Am Rande der Proteste wurden in der vergangenen Woche zwei Menschen erschossen, als Tatverdächtiger wurde ein 17-jähriger Weißer festgenommen. Der mit einem Sturmgewehr bewaffnete Teenager hatte sich offenbar einer selbsternannten Bürgerwehr angeschlossen, die nach eigenen Angaben Geschäfte vor Randalierern schützen wollte.

          Kenosha steht beispielhaft für die Spannungen im Land, die Trumps Regierungszeit prägen. Kritiker werfen Trump vor, die Spannungen gezielt anzuheizen, um sich im Wahlkampf als Garant für Recht und Ordnung in Szene setzen zu können.

          Trump wirft den oppositionellen Demokraten von Präsidentschaftskandidat Joe Biden vor, in von ihnen regierten Städten nicht hart genug gegen Randale und Ausschreitungen vorzugehen. Er warnt, bei einem Wahlsieg Bidens am 3. November drohe Amerika in Chaos und Anarchie zu versinken.

          Biden wies dies am Montag energisch zurück und machte Trump für die Gewalt im Land mitverantwortlich: „Er kann die Gewalt nicht stoppen, weil er sie seit Jahren schürt“, sagte der frühere Vizepräsident. „Glaubt irgendjemand, dass es in den USA weniger Gewalt geben wird, wenn Donald Trump wiedergewählt wird?“

          Zuletzt hatten heftige Auseinandersetzungen von Anti-Rassismus-Demonstranten und Trump-Anhängern in der Stadt Portland im Westküstenstaat Oregon für Aufregung gesorgt. Am Rande der Proteste wurde am Wochenende ein Mitglied einer rechten Gruppierung erschossen.

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