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Jill Biden : First Lady und Secret Service

  • -Aktualisiert am

Jill Biden während des Wahlkampfes: Eine Frohnatur und die Retterin Joe Bidens. Bild: AP

Für den künftigen Präsidenten war Jill Biden einst die Rettung. Die Lehrerin aus Philadelphia brachte nach Schicksalsschlägen wieder Stabilität in Joe Bidens Familie. Ihre Rolle als neue First Lady wird zentral sein. Ein Porträt.

          2 Min.

          Bei dem ganzen Lärm in Washington ist es kaum einem so richtig aufgefallen. Doch das Land hatte vier Jahre keine echte First Lady. Das hatte viel mit Donald Trump zu tun, der auch kein präsidentieller Präsident war. Aber doch auch mit Melania, die stets mit ihrer Rolle fremdelte. Bei allen Fragen, die mit der künftigen Präsidentschaft Joe Bidens verbunden sind – Jill Biden ist diejenige, welche die geringsten Schwierigkeiten haben wird, ihr künftiges Amt auszufüllen. Und das liegt nicht nur daran, dass sie schon acht Jahre lang die Second Lady war.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Es mag kitschig klingen, aber für Joe Biden war Jill die Rettung. Die junge Englischlehrerin, die als Tochter eines Sparkassendirektors in einem Vorort Philadelphias aufgewachsen war, lernte den Witwer bei einem Blind Date kennen. Vermittelt hatte es Bidens Bruder. Er wollte dem jungen Senator aus Delaware und alleinerziehenden Vater zweier Jungs einige Jahre nach dem Unfalltod seiner ersten Frau und seiner Tochter helfen, sich wieder auf eine Partnerschaft einzulassen. Jill, die sich zuvor schon von ihrem ersten Mann getrennt hatte, wurde Joes „Philly-Girl“ und brachte Stabilität in die Familie. Anfang der achtziger Jahre wurde Tochter Ashley geboren. Jill kehrte an die Universität zurück, erwarb einen Abschluss in Erziehungswissenschaft und arbeitete als Dozentin.

          Wer in Amerika mit einem ambitionierten Politiker verheiratet ist, hat keine Wahl: Er wird auch zur öffentlichen Person. Das Modell des Kanzlergatten Joachim Sauer wäre in Washington undenkbar. Der Frau des langjährigen Senators und späteren Vizepräsidenten fiel das nicht schwer: Sie fühlt sich wohl in der Öffentlichkeit und sucht – genauso wie ihr Mann – die Nähe zu Menschen. Eine gute Rednerin ist sie zudem. Schon bei den Vorwahlen der Demokraten trat sie stets als Headliner Bidens auf. Dass sie unerschrocken und zupackend ist, offenbarte die 69 Jahre alte Frau, als sie im Frühjahr nacheinander zwei Veganismus-Aktivistinnen von der Bühne verdrängte, die sich ihrem Mann nähern wollten. „Ich bin wahrscheinlich der einzige Präsidentschaftsbewerber, dessen Ehefrau gleichzeitig der Secret Service ist“, scherzte Joe hinterher.

          Jills Rolle im Weißen Haus wird zentral sein. Dabei geht es nicht darum, dass sie als First Lady politische Verantwortung für ein bestimmtes Thema anstrebt, wie einst Hillary Clinton. Doch wird sie ihren dann 78 Jahre alten Mann abschirmen und den Mitarbeitern im Oval Office bedeuten müssen, was dem Präsidenten zuzumuten und wann eine Pause angesagt ist. Das heißt, sie wird sich zuweilen zwischen den Stabschef des Weißen Hauses und den Präsidenten stellen und nein sagen müssen. Sie wird dies tun. Und sie wird dabei gewiss freundlich lächeln, so wie es ihre Art ist.

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