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Vorwahlen der Demokraten : Bidens beste Rede

So sehen Sieger aus: Joe Biden in South Carolina. Bild: AFP

Comeback in South Carolina: Dass es nicht ein noch größerer Erdrutschsieg für den fast schon abgeschriebenen Joe Biden wird, liegt vor allem an einem, der nun aufgibt. Der große Konkurrent Bernie Sanders findet sich erstmals in der Defensive wieder.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          So sehen Sieger aus. Mit strahlendem Lächeln betritt Joe Biden an der Seite von Ehefrau Jill und Tochter Ashley die Bühne in South Carolinas Hauptstadt Columbia. Knapp die Hälfte der Wählerschaft in South Carolina stimmt bei den Vorwahlen der Demokraten an diesem Tag für ihn. Der große Konkurrent Bernie Sanders landet etwa dreißig Prozentpunkte dahinter weit abgeschlagen auf dem zweiten Rang. „Wir haben gewonnen, und wir haben groß gewonnen“, ruft Biden seinen jubelnden Anhängern zu.

          Was dann folgt, ist nicht nur eine normale Siegesansprache, sondern ein hoch emotionaler Auftritt, den zahlreiche Beobachter später als Bidens bisher beste Rede in diesem Wahlkampf bezeichnen werden. Sichtlich bewegt spricht der frühere Vizepräsident unter anderem darüber, wie schwer ihn der Krebstod seines Sohnes Beau getroffen habe, wie sehr er die spaltenden Worte von Präsident Trump verachte und wie groß seine Hoffnung für eine bessere Zukunft in Amerika und der Welt sei. Er, Joe Biden, stehe für „Würde, Anstand und Respekt“.

          Es ist ein Triumph mit Ansage. Der Erfolg in South Carolina war von Biden regelrecht beschworen worden. Nach den für ihn so enttäuschend verlaufenden Abstimmungen in Iowa, New Hampshire und Nevada war klar: Die Wahl im Süden der Vereinigten Staaten musste mit großem Abstand gewonnen werden, um ein politisches Lebenszeichen zu geben. South Carolina, so hieß es zuletzt immer wieder aus dem Biden-Lager, sei die „Brandmauer“. Jetzt steht fest: Die Mauer hat gehalten.

          Wer Biden in den vergangenen Tagen beobachtete, erlebte einen Politiker, der den Kampf um seine letzte Chance angenommen hatte. Biden wirkte dynamischer als noch in den anderen Bundesstaaten und schien die Begegnungen mit der Basis zu genießen. „Wenn ich sterbe, möchte ich in Charleston wiedergeboren werden“, hatte er vor einigen Jahren einmal gesagt. Im Wahlkampf in South Carolina gibt er sein eigenes Zitat bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Besten.

          Den Ausschlag für Bidens Erfolg geben an diesem Tag zweifellos die Stimmen der Afroamerikaner, die in South Carolina knapp sechzig Prozent der Abstimmenden ausmachen. Spätestens als unter der Woche der populäre schwarze Abgeordnete Jim Clyburn zur Wahl Bidens aufrief, waren sich die Experten einig, dass es eine klare Sache werden würde. In Nachwahl-Erhebungen geben fast die Hälfte der Befragten an, von Clyburns Empfehlung beeinflusst worden zu sein.

          Dass es nicht ein noch größerer Erdrutschsieg für Biden wird, liegt unterdessen vor allem an Tom Steyer, der mit deutlich mehr als zehn Prozent auf dem dritten Rang landet. Der 62-jährige Geschäftsmann war bei den bisherigen Vorwahlen kaum in Erscheinung getreten, hatte aber in South Carolina massiv in Wahlwerbung investiert. Auch seine Forderung nach Reparationszahlungen an Nachfahren von Sklaven brachten ihm unter schwarzen Wählern viele Sympathien ein.

          „Euch und all die anderen Menschen in Amerika getroffen zu haben, ist das Highlight meines Lebens“, sagt Steyer am Abend in Columbia. Es ist der Punkt, an dem er bekannt gibt, aus dem Rennen auszuscheiden. „Ehrlich gesagt, ich sehe keinen Weg, die Präsidentschaft zu gewinnen.“ Ob er nun einen anderen Kandidaten unterstützen werde, verrät er zunächst nicht.

          Interessant: Während Biden und Steyer den Wahlabend in South Carolina verbringen, ist der Rest der Kampagnen-Karawane zu diesem Zeitpunkt schon lange weitergezogen. Elizabeth Warren spricht im texanischen Houston, Pete Buttigieg in North Carolina, Amy Klobuchar in Virginia. Sie alle haben in South Carolina enttäuschende Ergebnisse eingefahren.

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