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Jeff Sessions : Erinnerungslücken eines Justizministers

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Justizminister Jeff Sessions Bild: AP

Wenn es um Russland-Kontakte geht, kann sich Donald Trumps Justizminister Jeff Sessions an nichts erinnern: Eine schwache Verteidigungsstrategie, meinen seine Kritiker.

          5 Min.

          Jeff Sessions saß am Dienstag nicht in einem Verhör, aber er verhielt sich zeitweise so. Zunehmend dünnhäutig und gereizt schien er, als die Mitglieder des Justizausschusses eine ordentliche Anhörung nutzten, um Fragen zur Russland-Affäre loszuwerden. In seinem breiten Südstaatenakzent sagte Sessions den Abgeordneten des Repräsentantenhauses wieder und wieder: „Ich erinnere mich nicht“, und: „Das entzieht sich meiner Kenntnis.“ Dabei musste er sich abermals korrigieren: Schließlich hatte er zuletzt ausgesagt, er wisse nichts über irgendwelche Kontakte der Wahlkämpfer von Donald Trump zu Russen. Der frühere außenpolitische Wahlkampfberater George Papadopoulos hatte jedoch gestanden, dass er bei einem Treffen mit Trump und Sessions während des Wahlkampfs über seine Russland-Kontakte gesprochen hatte. Dabei habe er auch ein mögliches Treffen Trumps mit Präsident Wladimir Putin ins Spiel gebracht.

          Jeff Sessions sagte am Dienstag, er habe sich bislang tatsächlich nicht an das Treffen erinnern können. Erst die Berichterstattung über das Geständnis von Papadopoulos habe sein Gedächtnis aufgefrischt. „Ich erinnere mich jetzt an das Treffen im März 2016 im Trump Hotel, habe aber keine klare Erinnerung an die Details dieser Zusammenkunft“, erklärte Sessions. Ausgerechnet an ein Detail erinnerte sich der Minister nun allerdings sehr deutlich: Er habe Papadopoulos die Idee eines Treffens mit Putin entschieden ausgeredet. „Ich habe gesagt, das sollten Sie nicht weiter verfolgen. Also denke ich nicht, dass man mir etwas vorwerfen kann“, sagte Sessions. Ein weiterer Berater, Carter Page, hatte zwischenzeitlich ausgesagt, Jeff Sessions im Sommer 2016 von einer Reise nach Moskau erzählt zu haben. Auch daran wollte sich der Minister auf Nachfrage nicht mehr erinnern. Sessions hatte auch eine Erklärung für seine Erinnerungslücken: Es sei schließlich ein sehr unkonventioneller, von Schlafmangel geprägter Wahlkampf gewesen, da könne man schon mal den Überblick verlieren. „Viele von Ihnen hier haben Wahlkämpfe gemacht. Aber niemand von Ihnen war im Trump-Wahlkampfteam“, hielt der Minister den Abgeordneten entgegen. Lächelnd sagte er: „Es war in vielerlei Hinsicht eine brillante Kampagne. Aber es war vom ersten Tag an auch eine Form von Chaos.“

          Mehrere Ausschussmitglieder wollten Sessions so leicht nicht davonkommen lassen und hielten ihm seine früheren widersprüchlichen Aussagen vor. „Wen haben Sie denn nun belogen, den Senat, das Repräsentantenhaus, oder beide?“, wollte etwa der Abgeordnete Ted Lieu aus Kalifornien wissen. Schließlich hatte Sessions einst behauptet, sich nie mit russischen Vertretern getroffen zu haben, musste dann aber mehrere Unterhaltungen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak eingestehen. „Die Frage in meiner damaligen Anhörung bezog sich darauf, ob ich jemals mit Russen über den Wahlkampf gesprochen habe und das hatte ich nicht getan“, sagte Sessions. „Ich habe nie gesagt, niemals in meinem Leben irgendwelche Russen getroffen zu haben“, so der Minister sichtlich gereizt. „Ich habe stets die Wahrheit gesagt“, verteidigte er sich. Seine früheren Aussagen habe er so getroffen, wie er sich erinnert habe. „Sie halten mir deswegen vor, zu lügen? Ich würde sagen, das ist nicht fair, Kollegen.“

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