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TV-Debatte in Amerika : Jeb Bush und Donald Trump sind entzaubert

Sorgenvolle Gesichter auch in der Pause: Die Wettbewerber Jeb Bush (l.) und Donald Trump Bild: AFP

In der dritten TV-Debatte der Republikaner haben alle Kandidaten das dringende Bedürfnis, sich von dem „korrupten Moloch Washington“ abzusetzen. Jeb Bush erlebt schwarze Momente. Und Donald Trump geht die Munition aus.

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          Nach der dritten Fernseh-Debatte unter den republikanischen Aspiranten für eine Präsidentschaftskandidatur müsste endgültig klar sein, dass die Vereinigten Staaten zwangsläufig vor einer massiven Steuersenkung stehen, sollte sich einer der zehn Bewerber bis zum Weißen Haus durchschlagen. Die Kandidaten um Amerikas höchstes Amt präsentierten so radikale Steuerpläne oder Steuersenkungsabsichten, dass selbst rechten Ökonomen schwindlig werden musste. Die konservative Tax Foundation hatte im Vorfeld einige Pläne durchgerechnet und vorsichtig darauf hingewiesen, dass der Regierung bei deren Verwirklichung Einnahmen in Billionen-Höhe verloren gehen könnten. Bei dem einen weniger, bei dem anderen mehr und bei dem anderen noch mehr.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Eine weitere Gemeinsamkeit der Politiker: Die Kandidaten wetterten konsequentermaßen gegen die aktuell in Washington ausgehandelte Haushaltsvereinbarung zwischen führenden Republikanern, Demokraten und dem Weißen Haus, die der Regierung erlaubt, mehr Schulden zu machen und mehr Geld auszugeben. Einig waren sie sich ferner in ihrem Feindbild Hillary Clinton. Die demokratische Politikerin wurde mit großer Schärfe angegangen, besonders von Carly Fiorina, der einzigen Frau in der Runde. Sie sieht sich als Hillarys größten Albtraum.

          Und schließlich hatten alle Kandidaten das dringende Bedürfnis, sich von dem „korrupten Moloch Washington“ abzusetzen, selbst die drei Senatoren in der Kandidatenrunde Rand Paul, Marco Rubio und Ted Cruz. Das ist einer Grundstimmung der republikanischen Basis geschuldet, die offenbar den dringenden Wunsch verspürt, mit dem politischen Betrieb ein für alle Mal abzurechnen. Sie schenkt ihr Herz deshalb den Außenseitern: Dem Immobilien-Milliardär Donald Trump, dem emeritierten Kinderarzt  Ben Carson und der gefeuerten Hewlett Packard-Managerin Carly Fiorina.

          Eine echte Neuigkeit hat es auch gegeben. Die Kandidaten haben sich diesmal nicht gegenseitig fertig gemacht. Sie sind dafür die Moderatoren des ausstrahlenden Fernsehsenders CNBC mit ungewöhnlicher Schärfe angegangen, ganz gegen die alte PR-Berater-Empfehlung, sich Journalisten nie zum Feind zu machen. Ted Cruz schoss als erster die Salve ab, dass die Fragen, die den Kandidaten an diesem Abend gestellt würden, dafür verantwortlich seien, warum sich immer mehr Menschen von den Mainstream-Medien abwendeten. Unter frenetischem Beifall fuhr er fort, die Fragen dienten dem Zweck, die Kandidaten gegeneinander aufzuhetzen. Er war allerdings nach seinen Steuerplänen befragt worden. 

          Umfragewerte : Kommt bald das Aus für Trump?

          Applaus von der Konkurrenz

          Marco Rubio, der mit Abstand beste Redner der Runde, sagte an anderer Stelle, die Kandidaten der Demokraten brauchten keine Milliarden von den Super-PAC genannten Finanzorganisationen, sie könnten sich ja auf die Mainstream-Medien verlassen. Und Chris Christie fuhr dazwischen, als es ein Moderator wagte, nach der Regulierungsnotwenigkeit eines Glücksspiels namens Fantasy Football zu fragen, das inzwischen Millionen Amerikaner Woche für Woche mit hohen Geldeinsätzen spielen. Christie, der höchst schlagfertige Gouverneur von New Jersey, wetterte, wie man eine solch irrelevante Frage aufwerfen könne, wenn die Regierung gerade in Billionen-Schulden versinke. Dafür gab es sogar Applaus von der Konkurrenz auf dem Podium.

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