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Presseecho nach Trumps Absage : Entscheidung macht Krieg im Nahen Osten wahrscheinlicher

  • Aktualisiert am

Aus Protest gegen den Ausstieg Amerikas aus dem internationalen Atomabkommen verbrennen Abgeordnete im iranischen Parlament am Mittwoch zwei Stücke Papier: eines mit der amerikanischen Flagge und das zweite mit einer symbolischen Kopie des Abkommens. Bild: dpa

Donald Trump setzt Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft. Damit droht dem Atomabkommen mit Teheran ein Ende, und womöglich größere Konflikte im Nahen Osten sind die Folge. Das schreibt zumindest der Großteil der internationalen Presse.

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          Der Rückzug der Vereinigten Staaten vom Atomabkommen mit Iran schürt international Sorge und Angst vor einem neuen Konflikt im Nahen Osten. Die Ankündigung von Präsident Donald Trump ruft Unverständnis hervor, auch aus China hagelt es Kritik. Lob für Trumps Schritt gibt es vor allem von konservativen amerikanischen Medien und Zeitungen in Israel.

          Vereinigte Staaten

          „Washington Post“: Ausstieg ohne klare Strategie „waghalsig und höchstwahrscheinlich kontraproduktiv.“

          „Saudi-Arabien und Israel hoffen vermutlich, dass Trumps Entscheidung die Vereinigten Staaten durch eine Konfrontation mit ihrem Feind Iran wieder in den Nahen Osten zurück bringt. Der Präsident hat oft gesagt, dass er keine weiteren Kriege im Nahen Osten wünscht; seine Entscheidung hat einen Krieg wahrscheinlicher gemacht.“

          „New York Times“: Trump „fehlt völlig das tiefergehende politische Konzept oder die strategische Weitsicht und Geduld.“

          „Wenn es um die Gefahr eines nuklearen Wettrüsten im Nahen Osten geht, gibt es keine Anzeichen, dass Iran oder irgendeine der anderen wichtigen Kräfte in dem existierenden und bislang erfolgreichen Pakt einfach Trumps fiktiven neuen Plan akzeptieren.“

          „Wall Street Journal“: Obamas Abkommen war „einseitig“

          „Präsident Trump hat am Dienstag die Vereinigten Staaten von dem Iran-Atomabkommen zurückgezogen und es richtigerweise als ,in seinem Kern mangelhaft‘ bezeichnet. Doch er hat auch Iran die Möglichkeit angeboten, einen besseren Deal auszuhandeln, wenn er wirklich keine Atomwaffen will. Trumps Herausforderung ist es nun, eine Strategie und Allianzen aufzubauen, um Iran zurückzuhalten, bis er die wichtigen Beschränkungen akzeptiert, die Barack Obama nicht verhängen wollte.“

          Israel

          „Israel Hajom“: Amerika ist zu alter Größe zurückgekehrt

          „Für den Verbündeten Israel zeigen seine eindeutigen Erklärungen aber nicht nur seine klare Unterstützung für Jerusalem angesichts der schweren und unmittelbaren Bedrohung von dessen Sicherheit durch Teheran, sondern sogar seine Verpflichtung, harte Strafmaßnahmen gegen das Regime in Teheran zu verhängen und seiner zerrütteten Wirtschaft und seiner militärischen Macht einen Todesstoß zu versetzen, damit es den Weg des Terrors aufgibt, der vor allem gegen Israel gerichtet ist.“

          „Haaretz“: Ausstieg bedroht Israel

          „Die hart formulierte Erklärung Trumps (...) erhöht die Gefahr einer Konfrontation in der Region. Es ist jedoch noch zu früh zu sagen, ob die internationale Gemeinschaft bereit ist, die relative Ruhe aufzugeben, die das Atomabkommen ihr gewährt hat.“

          Großbritannien

          „Times“: Ausstieg aus Atomdeal stärkt Hardliner im Iran

          „Das schlimmste Szenario ist nun, dass Teheran noch entschlossener vorgeht. Extremere Elemente des Regimes haben das Abkommen nie gemocht und werden nun angetan sein von der Möglichkeit, das Atomprogramm neu zu beleben. Tatsächlich dürfte eine der großen langfristigen Folgen des Ausstiegs aus dem Deal von 2015 darin bestehen, dass die Hardliner ermutigt und die eher nüchternen Gesprächspartner im Iran an den Rand gedrängt werden.“

          Frankreich

          „Le Figaro“: Es droht neues Rennen nach der Atomwaffe

          „Trump hofft wahrscheinlich, Teheran zum Einknicken zu bringen wie Pjöngjang. Aber Iran ist kein Einsiedler-Land ohne Ressourcen. Die Mullahs sehen, wie Kim Jong-un es geschafft hat, sich Respekt zu verschaffen, indem er in den Atom-„Club“ aufgestiegen ist. Falls dieses Atomabkommen endgültig untergeht, wird die Zukunft von zwei Bedrohungen belastet. Kurzfristig eine Konfrontation zwischen Israel und dem Iran. Längerfristig ein allgemeiner Neustart des Rennens nach der Atomwaffe. Im Mittleren Orient hat Saudi-Arabien bereits wissen lassen, dass es einem neuen iranischen Anlauf nicht mit gesenkten Armen zuschauen wird.“

          „Dernières Nouvelles d’Alsace“: Es gibt keinen besseren Deal

          „Wie immer verspricht er ,a better deal‘, eine bessere Vereinbarung. Das ist nur eine Formel. Das war sein Versprechen beim Pariser Klimavertrag; das hat er gesagt, als er seine Botschaft nach Jerusalem verlagert hat; das sagt er immer, um mit wenigen Worten das Fehlen einer Vision zu verhüllen. In dieser Sache gibt es keinen ,better deal‘. Nur eine weiße Seite voller Ängste.“

          China

          „China Daily“: Bedrohung für die Weltordnung

          „In einer Welt der gegenseitigen Abhängikeiten ist kein Raum für reinen Egoismus. Wenn Trumps Amerika-zuerst-Doktrin bedeutet, dass die Vereinigten Staaten ihre eigenen Interessen auf Kosten anderer Länder verfolgen, werden die Vereinigten Staaten früher oder später zunehmend isoliert auf der Weltbühne dastehen.“

          Schweiz

          „NZZ“: Trump hat keinen Plan

          „Nichts deutet darauf hin, dass Trump ernsthaft für den ,Tag danach‘ geplant hat. Wie werden die Amerikaner reagieren, wenn Iran das Atomabkommen seinerseits zu verletzen beginnt und beispielsweise die Urananreicherung ankurbelt? Wie wollen die USA in einigen Wochen beim Gipfeltreffen mit Nordkorea glaubwürdige Zusagen machen, wenn sie gegenüber Iran soeben wortbrüchig geworden sind? Nehmen sie in ihrer Sanktionspolitik einen weiteren Handelskonflikt mit Europa in Kauf? Und wie will Trump glaubwürdig eine Politik der Härte gegenüber Iran verfolgen, wenn er gleichzeitig den Abzug aus Syrien plant und den Iranern dort freies Feld überlässt? Die Antworten auf all diese Fragen sind offen.“

          Österreich

          „Der Standard“: Dramatischer Moment der Weltpolitik

          „Die Erwartung, dass alles bis ins Kleinste durchdacht und geplant ist, wenn ein US-Präsident solch eine wichtige sicherheitspolitische Entscheidung fällt, kann man sich, nüchtern gesagt, abschminken.“

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