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Seehofer lobt Trump : Toll, wie der durchregiert!

Trump setze „mit Konsequenz und Geschwindigkeit seine Wahlversprechen Punkt für Punkt um“: Horst Seehofer über den neuen amerikanischen Präsidenten Bild: Reuters

Horst Seehofer lobt Donald Trump für dessen Tatkraft und „Konsequenz“. Für den Macher aus München ist der Macher aus Washington offenbar ein großes Vorbild. Oder warum macht er es sonst? Eine Glosse.

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          Es sind keine schönen Tage für Donald Trump, den größten unter den größten lebenden, toten und untoten Präsidenten (GröltuP): Da baut er Amerika, nein, die ganze Welt in einem Tempo mit der Brechstange um, dass im Trump Tower der Goldbrokat von den Vorhängen bröselt und sieht nach jedem Dekret, wie gut er wieder war. Und was machen die Amerikaner, dieses undankbare Pack? Gehen auf die Straße, glauben an die Realität (ridiculous!) und werfen sich der Lügenpresse an den Hals! Rude! Shame! So sad!

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Ach, hätte der GröltuP am Wochenende doch nur die Worte von Horst Seehofer gelesen, sein ohnehin großes Herz hätte sich noch mehr geweitet angesichts der warmen Sentenzen des größten CSU-Vorsitzenden aller Zeiten (GröCaZ).  Trump setze „mit Konsequenz und Geschwindigkeit seine Wahlversprechen Punkt für Punkt um“, sagte Seehofer dem transatlantischen Fachblatt „Bild am Sonntag“.

          Und setzte hinterher: „In Deutschland würden wir da erst mal einen Arbeitskreis einsetzen, dann eine Prüfgruppe und dann noch eine Umsetzungsgruppe.“ Auch wenn das „ausdrücklich“ nicht bedeute, dass er „jede Maßnahme“ Trumps für richtig halte.

          Trotzdem schäumten natürlich sofort wieder alle über vor Empörung, wie Seehofer so etwas sagen könne. Dabei ist  er der erste, der Trumps Genialität wirklich versteht. Trump hat nämlich schlicht erkannt, dass Arbeitskreise, Kongressmehrheiten und andere demokratische Petitessen den „change“ nur unnötig aufhalten, weshalb er etwa seine Außen- und Sicherheitspolitik jetzt nicht mehr mit nervenden abwägenden Fachleuten, sondern lieber mit zupackendem Personal wie seinem rechten Chef-Ideologen Steve Bannon und ein paar Statisten (Außenminister, Heimatschutzminister usw.) macht.

          Lieber keine Prüfkreise und Arbeitsgruppen? Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht an Trumps Regierungsstil auch viel Schönes
          Lieber keine Prüfkreise und Arbeitsgruppen? Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht an Trumps Regierungsstil auch viel Schönes : Bild: dpa

          Auch das Regieren per Dekret, das hat der Visionär schon früh gesehen, ist ungemein effizienter als die Ochsentour durch den Kongress, der sich doch wegen jeder Kleinigkeit echauffiert.  Klare Botschaften, klare Kante, kein Widerstand – so regiert man als größter Macher seit Abraham Lincoln.

          So viel Durchsetzungskraft muss doch imponieren!

          Kein Wunder, dass so viel Durchsetzungskraft Seehofer imponiert, dessen Selbstverständnis als bayerischer Alleinherrscher mitunter ähnlich viel Ego beansprucht wie das Foyer im Trump Tower. Und wenn der Horst so machen könnte, wie er wollte (ohne die lästige Merkel, den Söder und das ganze Berliner „Establishment“), vielleicht hätte auch er längst den Bau einer Mauer um ganz Bayern angeordnet, 14 Meter hoch, gegen die Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Norden, und Sachsen und Thüringen müssen zahlen. Bavaria first, Bavaria first!

          Oder hat Seehofer Trump am Ende nur so gelobt, weil in ein paar Monaten Bundestagswahl ist und man mit heimlicher Anerkennung für den „unkonventionellen“ Trump unter der Theke gerade viel Beifall bekommt, und das nicht nur in AfD-Kneipen? Nein, so etwas Populistisches würden wir doch nie unterstellen. Der von Trump verhängte Einreisestopp für Muslime sei „nicht richtig“, sagte Seehofer am Montag, aber zu seinen Äußerungen in dem Interview stehe er weiter „zu 100 Prozent“.

          Es war sicher einfach aufrichtige Anerkennung. Von Macher zu Macher.  

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