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Buchvorstellung in New York : Clinton: Sanders ist kein Demokrat

  • -Aktualisiert am

Die Buchvorstellung in New York wird für Hillary Clinton zum Heimspiel. Bild: AFP

In New York wird Hillary Clinton mit Jubelrufen empfangen, als sie ihr neues Buch signiert. Doch selbst in ihrer Heimat polarisiert sie noch immer. Viele Demokraten sehen mit Abneigung auf ihre Abrechnung mit Donald Trump, Bernie Sanders und dem ehemaligen FBI-Chef Comey.

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          Hillary Clinton hat einen Sinn für gute Bilder – sie lässt ihren Fans nachts Pizza liefern. Die stehen oder liegen schon abends in der Schlange für die ehemalige Präsidentschaftskandidatin, die am folgenden Morgen um 11 ihr neues Buch signieren soll. „Guten Appetit! Ich sehe euch alle morgen“, twittert Clinton mit einem Pizzasymbol versehen zwölf Stunden vor dem Event an ihre Fans. Manche schlafen ein wenig auf dem Bürgersteig vorm Buchladen am Union Square in New York, anderen tun kein Auge zu.

          Die Fans müssen im Gegenzug für ein Eintrittsarmband schon morgens um sieben das Clinton-Buch kaufen – aber da ist die Schlange schon so lang, dass viele enttäuscht wieder abziehen. Der Laden verkauft am Dienstag schließlich 1200 Exemplare an die wartenden Menschen – und als Clinton gegen Mittag endlich kommt, wird sie mit Jubelrufen empfangen.

          New York, das ist immer noch ein Heimspiel für die unterlegene Präsidentschaftskandidatin. Aber selbst hier polarisiert sie: Die „New York Post“ ätzte, es sei typisch für Clintons mangelnde „Klasse“, dass sie nicht zu ihren Anhängern sprach und diese ausgerechnet am Tag der regionalen demokratischen Vorwahlen Schlange stehen ließ. Tatsächlich gab es nach einer durchwachten Nacht nur Autogramme, keine Lesung.

          Suche nach Antworten

          Das Buch, das den Menschenauflauf verursachte, ist eine Suche nach Antworten: „What happened“ heißt es, ohne Fragezeichen: „Was passiert ist“. Warum Clinton die Wahl gegen Donald Trump verlor, das liegt auch für sie selbst an einer Vielzahl von Ursachen. Sie widmet ganze Kapitel den unterschiedlichen Gründen, die schon unendlich oft von Kommentatoren, Journalisten und Politikwissenschaftlern durchanalysiert wurden. James Comey ist auf jeden Fall einer der Hauptschuldigen, wenn es nach Clinton geht. Dass er im Herbst die FBI-Untersuchung über Clintons Nutzung ihrer privaten E-Mail-Adresse wieder aufnahm, habe sie letztlich mit zu Fall gebracht, da ist sich die ehemalige Kandidatin mit vielen anderen einig. Auch die Frauenfeindlichkeit vieler Amerikaner, die mangelnde Bereitschaft, eine Frau als Präsidentin zu akzeptieren, habe ihr Übriges getan.

          Nur die Erklärung, die Clinton-Kampagne habe zu wenig auf die Wähler der Arbeiterklasse in ländlichen Bereichen gehört, lässt sie nicht gelten. „Wir wussten, dass der industrielle Mittlere Westen entscheidend für unseren Erfolg als Demokraten sein würde, und anders als viele glauben, haben wir diese Staaten nicht ignoriert“, schreibt Clinton, die nach Meinung vieler Kritiker in vielen Bundesstaaten keinen richtigen Wahlkampf gemacht hatte. Allerdings übernehme sie für alle Fehler, die gemacht wurden, die Verantwortung.

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          Attacken auf Trump

          Natürlich dürfen Attacken auf Donald Trump im Buch nicht fehlen. Der jetzige Präsident sei eine „klare und reale Gefahr für das Land und die Welt“, schreibt Clinton. Und sie gibt ihre eigenen Erfahrungen mit dem Milliardär während des Wahlkampfes zum Besten: Die Situation, in der Trump während eines Fernsehduells um die Kandidatin herumschlich, sei „unheimlich“ gewesen. Sie habe am liebsten sagen wollen: „Bleib weg, Du Ekel, geh weg von mir.“ Trump ist in Clintons Augen ein Betrüger und voller Hass, sein Verhalten gefährde die Demokratie. Über das Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin schreibt sie: „Er mag Putin nicht nur, er scheint so sein zu wollen wie er. Ein weißer autoritärer Herrscher, der seine Gegner und Minderheiten unterdrücken kann.“

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