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Gipfel in Europa : Trump gegen den Rest

  • -Aktualisiert am

Donald Trump spricht auf dem G-7-Gipfel in Taormina mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Tunesiens Präsident Beji Caid Essebsi. Bild: AP

Der G-7-Gipfel auf Sizilien ist das große Finale der ersten Auslandsreise des Präsidenten Trump. Die diplomatischen Töne im Mittleren Osten und der Konfrontationskurs in Europa sind kein Widerspruch. Denn Trumps Adressaten sitzen woanders.

          6 Min.

          Kurz bevor Donald Trump wieder Donald Trump wurde, kam es in der deutschen Delegation zu einer Grenzüberschreitung. Der amerikanische Präsident und die deutsche Bundeskanzlerin waren schon im Anmarsch. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg führte die Hauptakteure der kleinen Zeremonie zu ihren Plätzen an den beiden zu enthüllenden Denkmälern vor dem neuen Hauptquartier der Allianz in Brüssel. Hinter ihnen die 27 anderen Mitglieder des Militärbündnisses und der belgische König Philippe. Da erblickte Ursula von der Leyen James Mattis in den Reihen der amerikanischen Delegation.

          Majid Sattar
          (sat.), Politik

          Die Verteidigungsministerin verlässt ihr Podest neben dem Berliner Mauerstück auf der linken Seite des Haupteingangs und schreitet schnellen Schrittes hinüber zum Pentagon-Chef. Beide bleiben vor dem Fragment des Nordturms des World Trade Center stehen: Küsschen links, Küsschen rechts. Eine Protokollbeamtin weist das Paar darauf hin, dass es nun aber wirklich Zeit sei, sich auf die Plätze zu begeben, doch das scheint die beiden nicht zu stören. Man plaudert einfach angeregt weiter. Bis sich Mattis wieder zu den Seinen stellt, zu H.R. McMaster, dem Sicherheitsberater, zu Rex Tillerson, dem Außenminister, und der restlichen Entourage des, wie es heißt, mächtigsten Mannes der Welt.

          Es wird später Deutungen von Diplomaten im Nato-Hauptquartier geben, dass auch diese Herren keine Ahnung hatten, was nun passieren würde: Mattis nicht, McMaster nicht und Tillerson schon gar nicht. Schließlich hatten all diese Herren und ihre Diplomaten und Attachés das Treffen im Herzen der westlichen Militärallianz vorbereitet, Kompromisse ausgehandelt, akribisch Textarbeit geleistet, heikle Protokollfragen geklärt – so partnerschaftlich, wie es das kleine Tête-à-tête der beiden Verteidigungsminister ausdrückte. Alles im Geiste jener Pressekonferenz Trumps mit Stoltenberg kürzlich im Weißen Haus, bei welcher der Präsident äußerte, bislang habe er gesagt, die Nato sei veraltet. Nun aber sei die Nato nicht mehr veraltet. Die Allianz habe sich verändert.

          Fünf Tage ist es gutgegangen – aus Sicht seiner mitreisenden Berater und all jener in der westlichen Welt, die Trumps erste Auslandsreise als Präsident genauestens verfolgten: jedes Wort, jede Geste, jeden Augenaufschlag. Fünf Tage suchten die Redaktionen der amerikanischen Comedy Shows wieder Bildmaterial für ihre Sendungen. Doch eigentlich fanden sie nur Petitessen oder allenfalls Merkwürdigkeiten: Ein traditioneller Säbeltanz mit den Saudis, ein deplaziertes „erstaunlich“ im Eintrag des Gästebuchs von Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Israel, und dann hatte Trump noch den Premierminister von Montenegro unsanft zur Seite geschoben. Aber sonst? Alles erstaunlich normal.

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          Und dann der Auftritt in Brüssel: Nach einer von ihm erbetenen Schweigeminute zu Ehren der Opfer des Terroranschlags von Manchester konnte man in Angela Merkels Gesichtszügen erahnen, was die im Nato-Hauptquartier versammelten Staats- und Regierungschefs denken müssen: Wirklich? Wir dachten, das hätten wir hinter uns gelassen. Trump hatte nicht nur geklagt, das Zwei-Prozent-Ziel werde immer noch nicht erfüllt, und dabei bewusst übersehen, dass die Nato 2014 in Cardiff vereinbart hatte, nicht umgehend, sondern binnen zehn Jahren die nationalen Wehretats auf zwei Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung erhöhen. Auch insistierte er, die zwei Prozent seien, gemessen an den Herausforderungen, eigentlich nur das Minimum. Und zu diesen Herausforderungen zählte neben dem Terrorismus und Russland auch noch die Immigration.

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