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Gegnerinnen des Präsidenten : Die Frauen, die Trump widerstehen

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Die Senatorin ist eine grundsätzliche Gegnerin von Donald Trump und unterstützte auch dessen Kandidatur nicht. Das begründete sie ausdrücklich mit Trumps fehlendem Respekt für andere Menschen. Sie war eine der Republikanerinnen, die öffentlich gegen seinen ersten Einreisestopp protestierten. Collins war von Anfang an gegen viele Vorschläge in der Krankenversicherungs-Vorlage und bekämpfte besonders die Streichungen bei Planned Parenthood, der Organisation, auf die viele einkommensschwache Frauen gerade auf dem Land angewiesen sind.

Lisa Murkowski, Energiepolitikerin mit Vorliebe fürs Fossile

Weil Susan Collins in Sachen Gesundheitsreform als verlorene Stimme einkalkuliert war, konzentrierte Donald Trump seine Einschüchterungsversuche auf die zweite Abtrünnige, Lisa Murkowski aus Alaska. Der Präsident griff Murkowski öffentlich auf Twitter an und hielt ihr vor, Partei und Land im Stich gelassen zu haben. Dann schickte er sogar seinen Innenminister Ryan Zinke vor, der sie am vergangenen Mittwoch anrief und unter Druck setzte. Dan Sullivan, der zweite Senator aus Alaska, sagte der Zeitung „Alaska Dispatch News“, dass Zinke seiner Kollegin gedroht habe, ihr Abstimmungsverhalten werde negative Folgen für künftige Regierungsprojekte in dem Staat haben – etwa in Sachen Rohstoffabbau und Energieversorgung. Aber die 60 Jahre alte Senatorin aus Alaska zeigte sich unbeeindruckt.

Amerika : Empörung über Trumps Transgender-Verbot im Militär

Murkowski, die die Tochter eines ehemaligen Senators und Gouverneurs von Alaska ist, ist in einigen gesellschaftspolitischen Fragen eher moderat. So ist sie wie Susan Collins Mitglied bei „Republicans for Choice“. Waffenbesitzkontrollen will sie aber anders als ihre Kollegin nicht verschärfen. Murkowski hat schon Erfahrung damit, dass die republikanische Partei sie nicht unterstützt. Als Tea-Party-Gouverneurin Sarah Palin 2010 einen rechten Kandidaten bei der Wahl zum Senat unterstützte, trat Murkowski trotzdem wieder an und konnte die Wähler von sich überzeugen.

Alaska ist einer der grössten Öl- und Gasproduzenten des Landes und einer der wichtigsten Staaten, wenn es um Trumps energiepolitische Agenda geht. Dabei wiederum zieht Murkowski mit der Regierung an einem Strang, weil auch sie für den forcierten Abbau fossiler Energieträger selbst in Naturschutzgebieten ist. Trump und sein Innenminister legten sich nicht mit einer Hinterbänklerin an: Murkowski steht nicht nur dem Ausschuss für Energie und Rohstoffe vor, sondern auch einem Unterausschuss des Bewilligungsausschusses, der wiederum für das Innenministerium zuständig ist.

Keine „Rebellion der Frauen“

Lisa Murkowski und Susan Collins sind als Frauen  weit davon entfernt, ihren Bevölkerungsanteil im Kongress angemessen repräsentiert zu sehen. Man täte beiden Senatorinnen aber wohl unrecht, wenn man sie nun vor allem als Protagonistinnen einer Art „Rebellion der Frauen” ansähe. Beide hatten bei ihrem Widerstand gegen „Trumpcare” auch, aber nicht nur die Interessen von Frauen im Auge.

Murkowski und Collins haben vor allem das getan, was jeder Mann in ihrer Situation auch tut oder hätte tun können: Sie überprüften die auf dem Tisch liegenden Vorschläge, verglichen sie mit ihren politischen Überzeugungen und der sozialpolitischen Realität in ihrem jeweiligen Heimatstaat und kalkulierten ihre Chancen, wieder gewählt zu werden. Wenn der Mut der beiden Senatorinnen allerdings vergessen würde hinter dem „Heldentum“ eines John McCain, dann hätte das durchaus damit zu tun, dass sie Frauen sind.

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