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Kommentar : Trumps Kehrtwende

Drohte wegen des Angriffs in Syrien fast unterzugehen: Trumps Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Bild: dpa

Einst bezichtigte Donald Trump China der „Vergewaltigung“ Amerikas, nun will er Freund von Präsident Xi sein. Obamas Syrien-Politik bezeichnete er als töricht, jetzt schlägt er selbst zu. Er ist und bleibt unberechenbar.

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          Die Amerikaner waren auf das chinesisch-amerikanische Gipfeltreffen im „Sonnenscheinstaat“ Florida eingestimmt worden, als hänge davon nicht nur die Zukunft des Verhältnisses beider Länder ab, was auch ganz plausibel war, sondern das Schicksal der ganzen Welt. Die Erwartung hing mit der gespannten Lage in Ostasien zusammen, mit dem Gebaren Chinas in der Region, vor allem aber mit der Stimmung, die Präsident Donald Trump im Wahlkampf gegen das asiatische Land gemacht hatte, das Amerika handels- und wirtschaftspolitisch „vergewaltige“. Das Wort Vergewaltigung hatte er tatsächlich benutzt.

          Und dann drohte der Besuch des Präsidenten Xi Jinping fast unterzugehen unter der Salve amerikanischer Marschflugkörper, die auf einem Militärflugplatz in Syrien einschlugen, wenige Tage nach dem Einsatz von Giftgas, für den viele westliche Länder den syrischen Machthaber Assad verantwortlich machen. Wird Trumps Gast aus Peking diese Aktion auch als Botschaft an ihn gedeutet haben, nur nicht zu glauben, Amerika werde im Atomkonflikt mit Nordkorea trotz der offenkundigen Risiken einer militärischen Eskalation ewig stillhalten und zusehen, wie das nordkoreanische Regime seine atomaren Kapazitäten und die Trägersysteme immer weiter optimiert?

          Töricht, erfolglos und eine Verschwendung

          Trump legte jedenfalls in puncto Syrien eine Kehrtwende hin, wie man sie nicht alle Tage geboten bekommt. Wie oft hatte er im Wahlkampf die amerikanisch-westlichen Militärinterventionen im Mittleren Osten als töricht, erfolglos und als Verschwendung knapper Ressourcen gegeißelt und damit kriegsmüden Amerikanern aus der Seele gesprochen. Amerika solle sich heraushalten aus Konflikten, die es nichts angehe – mit dieser Sicht lag er freilich nicht so weit weg vom damaligen Amtsinhaber Barack Obama, den Trump wieder und wieder als „Schwächling“ denunzierte, den er aber auch beschimpfte, wenn jener das Gegenteil tat.

          Die Folge seiner außenpolitischen Auslassungen war die Vermutung, mit Trump werde ein Isolationist ins Weiße Haus einziehen, einer, der kein Interesse daran habe, die globale Ordnungspolitik der Vereinigen Staaten fortzuführen, dafür gewillt sei, sich mit Russland auf Kosten anderer zu arrangieren. Und jetzt erteilt ebendieser Trump als Vergeltung für den Giftgaseinsatz den Befehl zum Angriff von 59 Marschflugkörpern gegen eine Militäreinrichtung in Syrien, was der skrupulöse Obama nie über sich gebracht hatte.

          Was immer Trump mit dieser Aktion, die in keine Strategie eingebettet und der noch vor ein paar Tagen eine politische Zukunftsbescheinigung für Assad vorausgegangen war, militärisch und politisch erreichen wollte – eines fällt auf: Gerade Fachleute, die im vergangenen Jahr entsetzt waren über Trumps isolationistische Töne, spenden jetzt Beifall, weil sie in dessen Vorgehen die Rückkehr zur weltpolitischen Führungsrolle sehen. Die hatte schon Obama nicht so ausgefüllt, wie es sich die Fürsprecher einer traditionellen Weltpolitik Amerikas vorstellten. Und jetzt, nach allem Getöse über „America first“, schlägt Trump zu und lässt weitere (unilaterale) Schläge schon in Aussicht stellen.

          Warum? Weil ihn, das ist nicht zynisch gemeint, der Tod von „wunderschönen Babys“ berührt und erzürnt hat? Weil er ein Zeichen setzen, weil er gleich mehrere Botschaften an verschiedene Adressaten in der Welt senden wollte, mit der Hauptbotschaft „Der neue Herr im Weißen Haus ist nicht für lau, schon gar nicht, wenn Massenvernichtungswaffen im Spiel sind“? In jedem Fall wird man künftig die Unberechenbarkeit Trumps noch viel mehr ins Kalkül ziehen müssen. Er ist und bleibt unberechenbar.

          Treffen in Florida : Gespräche von Trump und Xi über Handel und Nordkorea

          Das geht in die eine wie in die andere Richtung. Mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, dem nach bisheriger Lesart Hauptschuldigen an dem Leid von Millionen Amerikanern, hat Trump auf seinem Golfplatz in Florida „eine Freundschaft entwickelt“. Hat er Tacheles geredet oder ist er nur etwas vertrauter geworden mit der amerikanisch-chinesischen wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtung? In Syrien greift der Präsident, im dritten Monat seiner Amtszeit, militärisch ein. Er reagiert auf Ereignisse – und wird am Ende Traditionalist? Oder ist er nur ein Sponti?

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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