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Macrons Fehlschlüsse : Die Nato lebt

  • -Aktualisiert am

Verstärkung im Anmarsch: Amerikanische Soldaten entladen Ende Oktober schweres Gerät in Litauen. Bild: AFP

Frankreichs Präsident hat gute Gründe für seine ätzende Kritik am amerikanischen Präsidenten. Doch Amerika ist mehr als Trump. Ohne die Vormacht kann auch Paris wenig ausrichten.

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          Emmanuel Macron gefällt sich in der Rolle des visionären Weltpolitikers. Wenn Europa nicht endlich eine weltpolitische Rolle einnehme, so lautet seine jüngste, düstere Prognose, werde es bald nicht mehr Herr seines Schicksals sein. Von Amerika erwartet er keine Hilfe mehr. Für Präsident Trump sei die Nato zu einem „kommerziellen Projekt“ verkommen: Wer unter den nuklearen Schutzschirm der Amerikaner schlüpfe, müsse im Gegenzug amerikanische Waren kaufen. Europa erlebe, so Macron im „Economist“, den „Hirntod“ der Nato.

          Das mag bestechend logisch klingen, beruht aber auf Fehlschlüssen. So berechtigt Macrons ätzende Kritik am amerikanischen Präsidenten auch ist, Trump sollte man nicht mit Amerika gleichsetzen. Paradoxerweise haben die Vereinigten Staaten gerade in den vergangenen drei Jahren immer mehr Milliarden Dollar in die Rückversicherung der Alliierten an der Ostflanke investiert.

          Die amerikanischen Truppen haben Europa nicht verlassen – sie sind zurückgekehrt. Im nächsten Jahr werden 20.000 Soldaten zu einer Großübung über den Atlantik nach Europa kommen. Das hat es seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gegeben. Dahinter steht nicht Trump, sondern der Wille im amerikanischen Kongress, an Europa als engstem Verbündeten festzuhalten.

          Berechtigt ist Macrons Kritik an mangelnden Absprachen in Syrien. Als die Amerikaner im Sommer die Europäer um Truppen für eine Schutzzone an der Grenze zur Türkei baten, schüttelten die synchron mit dem Kopf. Jetzt, da die Amerikaner ihre Soldaten aus der Zone abziehen, ergreift plötzlich Deutschland die Initiative. Oder ist es nur die Verteidigungsministerin? Bei ihrer Grundsatzrede in München erwähnte sie den Vorstoß gar nicht mehr.

          Zur Wahrheit gehört auch dies: Von der „strategischen Autonomie“, die Macron stets im Munde führt, sind die Europäer noch weit entfernt. Selbst das stolze Frankreich sieht da ziemlich schwach aus. Es musste gerade seine Spezialtruppen aus dem Nordosten Syriens abziehen, ebenso wie die Briten. Ohne amerikanische Unterstützung konnten sie dort nicht mehr operieren.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

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