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Russland-Affäre : Ein schauriges Halloween für Donald Trump

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und seine Frau Melania bei der Halloween-Feier im Weißen Haus Bild: dpa

Zwei Anklagen und ein Schuldeingeständnis – Sonderermittler Mueller hat viel Saures für Donald Trump. Doch für den Präsidenten könnte das erst der Anfang eines Albtraumes sein, fürchten Mitarbeiter des Weißen Hauses.

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          In Amerika ist heute Halloween, deswegen dekorierten die Mitarbeiter des Weißen Hauses am Montagabend den Eingang mit Spinnweben und Fledermäusen aus Plastik. Als die Sonne unterging, durften sich ausgewählte Kinder Süßigkeiten von Präsident Donald Trump und seiner Frau Melania abholen. Trump versuchte, gute Stimmung zu verbreiten – aber dieser Tag war wohl einer der unbequemeren in seiner Amtszeit. Stunden soll Trump vorm Fernseher verbracht haben – wie nicht wenige Amerikaner mit ihm.

          Gegen Mittag konnten sie zusehen, wie sich Trumps ehemaliger Wahlkampfchef Paul Manafort und dessen Mitarbeiter Rick Gates den Behörden stellten – kurze Zeit später wurden sie einem Bundesrichter vorgeführt. Der setzte die Kaution für Manafort auf zehn, für Gates auf fünf Millionen Dollar fest, nahm beiden Männern ihre Pässe ab und stellte sie unter Hausarrest. Doch das blieb nicht die einzige große Neuigkeit des Tages: George Papadopoulos, ein außenpolitischer Berater des Trump-Wahlkampfteams, hatte sich bereits Anfang Oktober schuldig bekannt, das FBI über seine Kontakte zu Russen belogen zu haben. Schnell waren sich die meisten Beobachter einig, dass die Bekanntgabe seines Geständnisses die eigentliche Überraschung an diesem Montag war – und dass der Fall Papadopoulos am Ende auch mehr politische Sprengkraft für Donald Trump enthalten könnte.

          Manafort, Gates und die ukrainischen Millionen

          Sonderermittler Robert Mueller untersuchte bereits seit Monaten Paul Manaforts millionenschwere Geschäfte mit prorussischen Kräften in der Ukraine. Nachdem das Haus des ehemaligen Kampagnenchefs von Donald Trump im Sommer durchsucht worden war, kam die heutige Anklage für viele nicht ganz überraschend. Für Manafort und Rick Gates wird es nun eng, denn unter den zwölf Anklagepunkten ist neben Geldwäsche auch der Vorwurf der Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten zu finden. Außerdem hätten beide sich als Vertreter („agents“) einer fremden Regierung registrieren lassen müssen. Manafort soll insgesamt 75 Millionen Dollar aus der Ukraine auf Offshore-Konten geleitet haben. Über 18 Millionen Dollar habe er zwischen 2008 und 2014 von diesen Konten für persönliche Ausgaben in die Vereinigten Staaten überwiesen. In Virginia und New York kaufte er drei Wohnungen im Wert von 6,5 Millionen Dollar. Manafort soll dabei Steuern hinterzogen haben.

          Die Ermittler wollen ihm außerdem Geldwäsche für die Ukrainer nachweisen. Manafort beriet zudem den ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch, der nach Russland floh und dem in seiner Heimat Landesverrat vorgeworfen wird. Ins Trump-Team kam Manafort im Frühjahr 2016 und war kurzzeitig Chef der Kampagne. Dass er falsche Angaben über seine Kontakte zu prorussischen Kräften in der Ukraine machte, kostete ihn diesen Posten.

          Manafort sollte bis mindestens 2014 auch über zwei PR-Firmen das Image der Ukraine in den Vereinigten Staaten aufpolieren – obwohl sie in den Gerichtsdokumenten nicht genannt werden, kann man davon ausgehen, dass eine dieser Firmen die Podesta Group war. Am Montag trat deren Chef Tony Podesta zurück. Er ist der Bruder von Hillary Clintons Ex-Kampagnenchef. Beobachter werteten den Schritt als Zeichen dafür, dass Robert Mueller in alle Richtungen ermittelt – Podesta begründete seinen Rückzug indessen mit der erhöhten Aufmerksamkeit rechter Medien: „Es ist unmöglich, eine politische Beratungsfirma zu führen, während man von Fox News und den rechten Medien attackiert wird“, sagte er seinen Angestellten.

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