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Protest gegen Rassismus : Ein neuer Marsch auf Washington

  • -Aktualisiert am

Die Menschen versammelten sich auf der National Mall im Herzen Washingtons. Bild: Ntasha Moustache/Getty Images/AFP

Der Rahmen war wesentlich kleiner als zu Martin Luther Kings Zeiten, aber trotz Corona kamen Tausende zur Antirassismus-Demo in Washington. Dabei wurde wieder einmal klar, dass nicht alle in die gleiche Richtung marschieren wollen.

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          Es war auf den Tag genau 57 Jahre her, dass ihr Großvater den „Marsch für Arbeitsplätze und Freiheit“ angeführt und von seinem Traum für folgende Generationen gesprochen hatte: Die 12-jährige Enkelin von Martin Luther King, Yolanda Renee King, sprach am Freitag beim „Commitment March“ in der Hauptstadt. „Meine Generation ist schon auf der Straße, friedlich, mit Masken und Abstand zueinander, um gegen Rassismus zu protestieren“, sagte sie und forderte dazu auf, „dass wir die Generation werden, die vom 'Ich' zum 'Wir' kommt.“ Der Sohn des ermordeten Bürgerrechtlers, Martin Luther King III., griff Donald Trump für seine Attacken auf die Briefwahl an und verglich sie mit der Wählerunterdrückung der 1960er Jahre.

          Philonise Floyd, der um seinen Bruder George trauert, sprach ebenso wie die Schwester des von der Polizei in Kenosha angeschossenen und schwer verwundeten Jacob Blake. Tausende waren nach Washington gekommen, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Die Viertelmillion Menschen, die 1963 um das Lincoln Memorial gestanden hatten, versuchte niemand in den Schatten zu stellen – das ging schon wegen der Quarantäne-Auflagen nicht, die in der Hauptstadt für Reisende aus Dutzenden Bundesstaaten gelten. Dennoch sollte der Marsch, der in die virtuelle „National Black Convention“ mündete, einen Höhepunkt der Proteste der letzten Monate darstellen.

          Der Marsch wurde von mehreren Bürgerrechtsorganisationen wie der NAACP organisiert, die virtuelle „Convention“ vom „Movement for Black Lives“. „Black Lives Matter“-Gruppen aus dem ganzen Land mobilisierten ebenfalls für das Ereignis. Politische Differenzen schienen für einen Tag eine geringere Rolle zu spielen. Man kämpfe nicht gegeneinander, beteuerte der Reverend Al Sharpton aus New York, einer der Organisatoren und Hauptredner. Die von „Black Lives Matter“ angestoßene Protestbewegung der letzten Monate soll nach Meinung vieler Fachleute inzwischen die zahlenmäßig größte in der Geschichte der Vereinigten Staaten sein. Laut einer Berechnung der „New York Times“ nahmen allein am 6. Juni eine halbe Million Menschen in 550 Orten an Demonstrationen teil, insgesamt sollen zwischen 15 und 26 Millionen bei Protesten dabei gewesen sein.

          Die lokalen Gruppen von „Black Lives Matter“ konnten die Proteste nach der Tötung von George Floyd Ende Mai so effektiv organisieren, weil die Bewegung zwar aus den Schlagzeilen verschwunden war, aber nach den Protesten von 2014 lokal weiter gearbeitet hatte. „Black Lives Matter“ gibt es seit 2013, als der Teenager Trayvon Martin von George Zimmermann erschossen worden war. Nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson 2014 rissen die Proteste monatelang nicht ab, verloren aber die Aufmerksamkeit der Medien.

          Das Handeln Einzelner färbt auf alle ab

          Die schwarze Bürgerrechtsbewegung hatte stets mit allen anderen sozialen Bewegungen gemeinsam, dass es auch hier innere Konflikte und Strömungen gibt, ebenso wie Selbstdarsteller und Theorieausflüge, die sich als nicht tragfähig erweisen. Mehr als bei allen anderen sozialen Bewegungen scheint bei „Black Lives Matter“ allerdings zu gelten, was etwa auch bei Kriminalität von Schwarzen in Amerika gilt: Das Handeln Einzelner steht immer für das Ganze, und alle Angehörigen der Gruppe werden in der öffentlichen Debatte dafür verantwortlich gemacht. Nirgends wird das so deutlich wie in der Diskussion um gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei und um Plünderungen, deren Beteiligte nur einen sehr kleinen Teil der Proteste ausmachen. Auf die konzentrierten sich in der letzten Woche die Republikaner bei ihrem Parteitag, als sie vor „Chaos“ und „Mobs“ warnten.

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