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Trumps Sexualpolitik : Wenn Puritaner regieren

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Besser gar kein Sex

Der Trump-Regierung wäre es dennoch am liebsten, wenn sich die Aufklärung von Schülern und Studenten nicht auf einvernehmlichen Sex und wirksame Verhütungsmethoden konzentrieren würde. Ursprünglich sah Trump in seinem eigenen Budget-Vorschlag 75 Millionen Dollar zusätzlich für einen Topf des Gesundheitsministeriums vor, aus dem Abstinenzprogramme gefördert werden sollten. Diese Linie vertreten im Ministerium mehrere hohe Mitarbeiter, unter anderem Valerie Huber, die dem Radiosender PBS sagte: „Als Gesundheitspolitiker müssen wir den Aufschub von Sex mehr zur Norm machen, statt den Sex unter Teenagern zu normalisieren, selbst mit Verhütungsmitteln.“ Im jüngsten Kompromiss beider Parteien über die Staatsausgaben sind zehn Millionen Dollar zusätzlich für „abstinence only“-Programme eingeplant – damit gebe der Bund jährlich etwa 100 Millionen Dollar dafür aus, so das Magazin „The Hill“. Dafür wird die Gesundheitsorganisation „Planned Parenthood“ ebenfalls weiter finanziert.

Schwangerschaften im Teenageralter treffen vor allem junge Frauen, die ärmer sind und weniger Perspektiven haben. Statt daran etwas zu ändern, durch eine bessere Sozial- und Bildungspolitik etwa, bürden die Abstinenz-Verfechter ihnen die Verantwortung allein auf. So vermittelt man den Jugendlichen, was der republikanische Diskurs für viele Problemlagen annimmt: dass ein gesellschaftliches Problem in Wahrheit ein individuelles sei – was schief geht, daran sind sie allein schuld. Jugendliche aus städtischen und bürgerlichen Kreisen haben nicht nur einen anderen Informationsstand beim Thema Verhütung – sie haben häufig auch besser gelernt, ihre Interessen zu vertreten. Und selbst, wenn es in einem solchen Umfeld trotzdem zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt, gibt es genug Ressourcen für Hilfe. Das trifft auf ärmere Mädchen und ihre Partner nicht unbedingt zu. Gerade in ländlichen, konservativen Gegenden Amerikas gibt es nicht einmal genug Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Und das Umfeld, das durch eine Abstinenz-Erziehung geschaffen wird, ist in erster Linie ein bewertendenes, beschämendes und bestrafendes – genau das Gegenteil von dem, was Heranwachsende brauchen.

Die meisten Schwangerschaften sind ungeplant

Offiziell richtet sich die Abstinenz-Politik gegen ungewollte Schwangerschaften – doch sie stärkt auch eine Kultur, die Mädchen und Frauen implizit oder explizit die Schuld für sexuelle Gewalt gibt. Schließlich begeben sich Menschen, die beschließen, abstinent zu leben, in dieser Logik weniger oft in „sexuelle Situationen“. Dass das gegen Übergriffe schützen sollte, ist allerdings nicht bewiesen – letztlich geht es daher eher um die Auswirkungen solcher Programme auf die soziale und psychische Situation von jungen Menschen. Dass denen am ehesten Aufklärung und der Zugang zu Verhütungsmitteln hilft, legen die Zahlen nahe: seit 1991 ist die Geburtenrate unter Teenagern laut Bundes-Statistikamt um 67 Prozent gefallen. Im Jahr 2015 bekamen die 15 bis 19-jährigen Amerikanerinnen laut der Bundesgesundheitsbehörde CDC 229.715 Babies. Die meisten dieser Schwangerschaften sind ungeplant.

Im Erwachsenenalter sind Frauen einer Politik, die gesellschaftliche und gesundheitspolitische Risiken individualisiert und moralisiert, zwar nicht mehr hilflos ausgeliefert, die Konflikte bestehen aber fort. Der gegenwärtig stattfindende Kampf um die Finanzierung von hormonellen Verhütungsmitteln durch die Krankenkassen ist kein symbolischer, es ist ein Konflikt um den historisch erreichten Stand (der ein anderer ist als etwa in Deutschland, weil die amerikanischen Versicherungen die höheren finanziellen Kosten von Sex für Frauen so zum Teil ausgleichen).

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