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Trumps Raketendrohung : Welche Rolle kann die Bundeswehr spielen?

Ein Tornado der „Bundeswehr“ auf der Luftwaffenbasis Al Azrak Bild: Bundeswehr

Im internationalen Streit nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien schlägt Amerikas Präsident russische Warnungen in den Wind und kündigt einen Angriff an. Was tut Deutschland?

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          Amerikas Präsident hat Wort gehalten. Innerhalb der kommenden 48 Stunden werde seine Regierung eine „bedeutende Entscheidung“ zu Syrien fällen, hatte er am Montag vor einer Kabinettssitzung in Washington D.C. angekündigt. Alle Optionen lägen auf dem Tisch. Seit 12 Uhr 58 ist die Welt schlauer. „Russland, bereite Dich vor, unsere Reaktionen werden kommen“, teilte Donald Trump auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Später ergänzte er noch, dass die russisch-amerikanischen Beziehungen heute schlechter seien als jemals zuvor, das schließe die Zeit des Kalten Krieges ein.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Mit seinen Ausführungen nahm Trump offenkundig Bezug auf Warnungen russischer Diplomaten, das Assad-Regime angesichts des mutmaßlichen Giftangriffs auf Douma zu bestrafen. Am weitesten ging Moskaus Botschafter im Libanon, Alexander Zasypkin. Sollten sich die Vereinigten Staaten dazu entschließen, Syrien zu attackieren, werde Russland die Raketen abfangen und diejenigen Ziele angreifen, von denen aus sie abgefeuert worden seien, zitierte die „Jerusalem Post“ aus einem Interview, das Zasypkin dem Nachrichtenportal Al Manar am Dienstag gegeben hatte. Al Mana steht der libanesischen Hizbullah nahe.

          Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich die Anzeichen für einen Militärschlag verdichtet. Präsident Trump suchte demonstrativ den Schulterschluss mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron, der ebenfalls eine harte Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff favorisiert. Auch in Großbritannien wurde über die Beteiligung an einem Militärschlag diskutiert. Die amerikanische Marine veröffentlichte eine Meldung über einen Lenkwaffenzerstörer, der mittlerweile vor der syrischen Levante kreuzt. Ungewohnt scharfe, man könnte fast sagen martialische Töne fielen auch von deutscher Seite. Der Giftgaseinsatz dürfe „nicht ungesühnt bleiben“, hieß es am Montag auf der Bundespressekonferenz von Sprecherseite. Das Vorgehen des syrischen Regimes sei abscheulich und menschenverachtend. Das Thema werde auf der Kabinettsklausur in Meseberg eine Rolle spielen. Dort war am Montag auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu Gast. Unklar blieb jedoch bislang, was Deutschland selbst tun will, um den Giftgasangriff zu sühnen.

          John Bolton als Kriegsbefürworter

          Das gilt umso mehr, als der Tweet des amerikanischen Präsidenten keine erschöpfende Antwort auf die Angriffspläne Amerikas liefert: Steht eine Wiederholung des Luftschlags vor einem Jahr bevor? Damals waren 59 Tomahawk-Lenkflugkörper von zwei amerikanischen Zerstörern im östlichen Meer auf eine Basis der syrischen Luftwaffe abgefeuert worden. Das war eine Antwort auf einen Chemiewaffenangriff der syrischen Regierungstruppen über der Stadt Chan Sheikoun. Auf das Assad-Regime hatte er aber de facto keinen Einfluss. Unter Beobachtern wird davon ausgegangen, dass die militärische Reaktion der amerikanischen Regierung dieses Mal daher eher härter ausfallen dürfte, zumal Trumps neuer Sicherheitsberater John Bolton oftmals schon als Kriegsbefürworter in Erscheinung getreten ist. Die Frage ist, wie umfassend sie sein wird – und ob Vereinigten Staaten darauf setzen, Verbündete an ihr zu beteiligen.

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