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Trump und die Strafzölle : Amerikanische Tollheiten

America first: Donald Trump am Donnerstag in Houston, Texas Bild: AFP

Dass Donald Trump nun auch für Verbündete wie die EU Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte verhängt hat, ist eine Zäsur in der transatlantischen Handelspolitik. Die EU kann diese historische Unglaublichkeit nicht unbeantwortet lassen.

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          Es ist so gekommen, wie viele es vorhergesagt hatten: Unter Donald Trump wird die Gemeinschaft, die man die „atlantische“ nennen könnte, so richtig in die Mangel genommen. Und der amerikanische Präsident empfindet sogar Freude dabei. Der Westen hat schon genug daran zu schaffen, dass er von der kommunistischen Großmacht China und anderen autoritären Regimen herausgefordert wird, in der Wirtschaft, geopolitisch, was die Attraktivität seines Regierungssystems, der Demokratie, anbelangt. Dass aber ausgerechnet die Führungsmacht, die Vereinigten Staaten, ihn aus der Verankerung reißen könnte, ist eine historische Unglaublichkeit.

          Unter Trump werden Verbündete und Partner wie Feinde behandelt – Verbündete wie Kanada und die EU-Staaten, Partner wie Mexiko. Dass nun auch Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus diesen Ländern verhängt werden, ist ein extrem unfreundlicher Akt, getragen von Trumps kruden handelspolitischen Vorstellungen und von der Verbindung zu seiner Wählerbasis. Es ist eine Zäsur in der transatlantischen Handelspolitik. Sollte die EU darauf mit Gegenmaßnahmen reagieren?

          Die Mahnungen, jetzt nicht an der Eskalationsspirale zu drehen und weiter im  Konsens nach Gemeinsamkeiten zu suchen – man hat fast das Gefühl, es sei von Putins Russland die Rede – , haben ihre Berechtigung. Aber Donald Trump ist vermutlich nicht derjenige, der auf Zurückhaltung entsprechend reagiert, sondern darin Schwäche sieht. Unbeantwortet kann die EU diesen Schritt jedenfalls nicht lassen, zumal es ja nicht der erste Fall ist, bei dem die amerikanische Regierung sich um europäische Interessen nicht schert: Sie hat das Atomabkommen mit Iran (auf vertragswidrige Weise) gegen alle europäischen Bitten verlassen, das nicht zu tun. Ertrag? Null.

          Die EU sollte sich nicht zu einem Handelskrieg mit Amerika hergeben. Aber die Tollheiten aus dem Weißen Haus einfach schlucken darf sie nicht. Im transatlantischen Verhältnis haben die Europäer eine große schwache Stelle, und das ist die Sicherheit. Für ihre Sicherheit ist in letzter Konsequenz noch immer Amerika die Garantiemacht, jedenfalls war es das bis jetzt. Wenn es hart auf hart kommt, wird Trump diese Abhängigkeit wie einen Trumpf ausspielen.

          Man muss keinen Abgesang auf die transatlantische Verbindung anstimmen. Doch ihr Charakter ändert sich dramatisch. Übrigens werden Trump und seine nationalistischen Einflüsterer noch sehen, was Amerika von ihren Strafaktionen hat.

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