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Amerika und Australien : Trump: Das ist der schlimmste Anruf von allen

  • Aktualisiert am

Das Telefongespräch zwischen Trump und Turnbull soll recht schnell beendet gewesen sein. Bild: Reuters

Australien ist einer von Amerikas engsten Verbündeten. Ein Telefonat zwischen Donald Trump und dem australischen Premier Malcolm Turnbull soll jedoch in einem Fiasko geendet sein – Streitpunkt waren Flüchtlinge.

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          Amerikas neuer Präsident Donald Trump soll nach einem Bericht der Zeitung „Washington Post“ in einem Telefonat mit dem australischen Premierminister Malcolm Turnbull ausfällig geworden sein. Das eigentlich auf eine Stunde angesetzte Gespräch habe er nach 25 Minuten abrupt abgebrochen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus.

          An einem Punkt habe Trump seinen Kollegen darauf hingewiesen, dass er auch schon mit vier anderen Staatschefs gesprochen habe, darunter auch mit Russlands Präsident Putin. „Das ist bei weitem der schlimmste Anruf von allen“, blaffte Trump demnach seinen Gesprächspartner aus Down Under an.

          Trumps Ärger in dem Telefonat mit dem Australier entspann sich an der Verpflichtung der Vereinigten Staaten, Flüchtlinge aus einem Lager Australiens in Papua Neuguinea aufzunehmen – eine vertragliche Bindung aus der Amtszeit Barack Obamas. Die 2500 Menschen leben dort unter kläglichen Bedingungen, und die Vereinigten Staaten hatten sich bereit erklärt, die Hälfte der Insassen aufzunehmen. Unter ihnen sind auch Menschen aus Ländern wie Iran oder dem Irak, die eigentlich unter den erst vor wenigen Tagen verfügten Einreisestopp Trumps fallen.

          Als Turnbull sich in dem Telefonat versichern wollte, dass die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtung tatsächlich nachkämen, soll Trump vor Wut getobt und gesagt haben: „Das ist der schlimmste Deal überhaupt.“ Und er soll sich beschwert haben, dass er politisch „getötet“ würde. Australien gehe es darum, „die nächsten Boston-Bombenleger“ zu exportieren. Damit bezog sich Trump auf den Anschlag auf den Boston-Marathon im April 2013, bei dem zwei Bomben drei Menschen töteten und Hunderte verletzten.

          Turnbull: Gespräch nicht vorzeitig beendet

          Turnbull bestritt in einem Radiointerview am Mittwoch, dass Trump das Gespräch vorzeitig beendet habe. Über Inhalte des Gesprächs wollte sich der Premierminister am Donnerstag vor Journalisten nicht äußern. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien sehr stark, sagte Turnbull.

          Am späten Mittwochabend twitterte Trump über sein Telefonat: „Ist das zu glauben? Die Obama-Regierung stimmte zu, Australien Tausende illegale Einwanderer abzunehmen. Warum? Ich werde dieses idiotische Geschäft untersuchen.“

          Die offizielle Stellungnahme des Weißen Hauses zu dem Telefonat verschweigt jedoch den schwierigen Teil des Gesprächs. Laut der Mitteilung haben Trump und Turnbull „die anhaltende Stärke und Nähe der amerikanisch-australischen Beziehung betont, die entscheidend ist für Frieden, Stabilität und Wohlstand in der asiatisch-pazifischen Region und weltweit“.

          Regierungsmitarbeiter sagten der „Washington Post“, Trump habe sich in Gesprächen mit anderen Regierungschefs ähnlich verhalten. So soll es zuvor auch in einem Telefonat mit Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto hoch hergegangen sein. Australien ist jedoch einer der engsten politischen Verbündeten, mit dem Amerika schon Seite an Seite in Afghanistan und im Irak gekämpft hat. Nach Einschätzung der Zeitung zeigt Trumps Verhalten, dass er auch als Präsident gegenüber seinen Gesprächspartnern dieselbe „Boshaftigkeit“ an den Tag lege wie gegenüber politischen Gegnern und Medien. In beiden Telefonaten soll Trump auch auf seinen Wahlsieg und auf die aus seiner Sicht große Menschenmenge während seiner Vereidigung hingewiesen haben.

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