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Trump im Weißen Haus : Deutsche Politiker entsetzt und fassungslos

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Er sicherte zu, dass seine Unionsfraktion im Bundestag auch mit den Vereinigten Staaten unter Trump den Schulterschluss suchen werde. Er mahnte an die Adresse des neuen Präsidenten: „Auch die Vereinigten Staaten brauchen Freunde. Dabei sollten sie sich vor Augen halten, dass am verlässlichsten diejenigen Länder sind, mit denen die Freundschaft seit langem besteht.“

Mit Blick auf den bevorstehenden Wahlkampf in Deutschland warnte Kauder vor einer ähnlichen Auseinandersetzung wie in Amerika, die zu einer Spaltung des Landes geführt habe. „Die Art des Wahlkampfes war kein Vorbild für die Welt. In Deutschland sollten wir uns vor einer solchen Auseinandersetzung hüten.“.

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer gratulierte Trump, ohne seinen Wahlsieg kritisch zu kommentieren: „Für die schwierigen Aufgaben, die jetzt vor Donald Trump liegen, wünsche ich politische Weitsicht, Mut zum Ausgleich, eine glückliche Hand und Gottes Segen.“

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner zeigte sich sich nach dem Wahlsieg Trumps hingegen besorgt. „Gerade in diesen Zeiten gefühlter Unsicherheit brauchen wir die Vereinigten Staaten eigentlich umso mehr als verlässlichen Partner, vor allem in Fragen der Sicherheit, des Klimaschutzes, der Wirtschaft und der Handelspolitik“, sagte die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende. Die Frage, wohin sich Amerika angesichts des harten Wahlkampfes und der Aussagen Trumps entwickeln könnte, führe zu Besorgnis. Klöckner betonte zugleich, die Wahl sei Ausdruck des Wunsches der Amerikaner, auch wenn man auf ein anderes Ergebnis gehofft habe: „Das ist Demokratie.“

Wahl in Amerika : Merkel bietet Trump Zusammenarbeit an

Auch Verteidigungsminister Ursula von der Leyen (CDU) reagierte kritisch auf die Wahl Trumps. Sein Wahlsieg sei ein „schwerer Schock“, sagte die CDU-Politikerin. „Auch wir Europäer wissen natürlich als Bündnispartner in der Nato, dass Donald Trump als Präsident fragen wird, was leistet Ihr im Bündnis. Aber auch wir fragen, wie steht Ihr zum Bündnis?“

Entsetzt zeigte sich Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei. „Wir sehen: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Brexit, die Trump-Wahl, viele Ereignisse in Europa sagen eines ganz deutlich: Digitalisierung, Globalisierung, all diese Prozesse führen zu einer Verunsicherung. Das ist ein schwarzer Tag für Amerika und auch für die Welt.“

AfD freut sich über Trumps Wahlsieg

Als einzige Partei erfreut über die Wahl Trumps äußerte sich die AfD. Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch sieht im Wahlerfolg Trumps ein Signal für grundlegende Veränderungen im gesamten Westen. „Der Sieg von Donald Trump ist ein Signal dafür, dass die Bürger in der westlichen Welt einen klaren Politikwechsel wollen“, sagte von Storch der Zeitung „Welt“. Trumps „historischer Wahlerfolg“ sei „nur für das Establishment eine Überraschung“.

Sie habe den Erfolg des Republikaners erwartet, sagte die AfD-Politikerin. „Denn sowohl in Amerika als auch in Deutschland wünschen sich die Bürger sichere Grenzen, weniger Globalismus und eine Politik, die sich mit gesundem Menschenverstand mehr auf die Vorgänge im eigenen Land konzentriert.“

Von Storch äußerte jedoch auch Vorbehalte gegenüber dem vermutlichen Wahlsieger. „Vieles von dem, was Trump im Wahlkampf gesagt hat, ist kritisch zu sehen“, sagte von Storch. Doch werde „nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“.

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