https://www.faz.net/-gpf-94as4

Islamophobe Trump-Tweets : „Der Präsident sollte sich schämen“

  • Aktualisiert am

Lautsprecher: Donald Trump ruft Journalisten am Weißen Haus etwas zu. Bild: dpa

Mit scharfer Kritik haben britische Politiker auf die Verbreitung islamfeindlicher Videos durch Donald Trump reagiert. Auch Regierungschefin Theresa May distanzierte sich deutlich.

          2 Min.

          Mit der Verbreitung islamfeindlicher Videos von britischen Rechtsextremisten hat der amerikanische Präsident Donald Trump große Empörung ausgelöst. Trump teilte die Videos am Mittwoch kommentarlos über Twitter. Selbst die sonst eher Amerika-freundliche Regierung in London verurteilte dies scharf. Auch britische und amerikanische Abgeordnete machten ihrer Empörung Luft. Die rechtsextremistische Gruppierung Britain First, die die Videos auch verbreitet hatte, dankte Trump hingegen.

          „Es ist falsch vom US-Präsidenten, das getan zu haben“, sagte der Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May in London. Trump hatte drei islamophobe Videos geteilt, die auch von der rechtsextremistischen Gruppierung Britain First verbreitet und mit islamfeindlichen Texten unterlegt worden waren.

          Britain First versuche die britische Gesellschaft durch den Gebrauch „hasserfüllter Erzählungen“ zu spalten, sagte Mays Sprecher. „Die britische Gesellschaft lehnt diese vorurteilsbehafteten Phrasen der Rechtsextremen mehrheitlich ab.“ Denn diese seien das Gegenteil von „Anstand, Toleranz und Respekt“ – Werte, für die Großbritannien einstehe.

          „Gott schütze Sie, Trump!“

          Die Hass-Videos sind schon seit längerem im Netz. In einem Video wird ein Junge auf Krücken zusammengeschlagen. Ein anderes zeigt, wie eine Gruppe Menschen einen jungen Mann von einem Dach drängt. Im dritten Video zerstört ein bärtiger Mann eine Marienstatue. In den Beschreibungen von Britain First handelt es sich bei allen Tätern um Muslime.

          Jayda Fransen, Vize-Chefin der rechtsextremen Gruppierung Britain First, schrieb nach der Weiterverbreitung durch Trump: „GOTT SCHÜTZE SIE, TRUMP! GOTT SCHÜTZE AMERIKA!“ Die 31 Jahre alte Juristin ist vorbestraft, weil sie eine Muslimin angegriffen hatte.

          Der Witwer der von einem Rechtsextremisten ermordeten britischen Abgeordneten Jo Cox reagierte dagegen empört auf das Handeln Trumps. „Trump hat die extreme Rechte in seinem Land legitimiert, nun versucht er es in unserem Land zu tun“, erklärte Brendan Cox. „Hass zu verbreiten hat Konsequenzen, und der Präsident sollte sich schämen.“

          Auch mehrere Abgeordnete der oppositionellen Labour-Partei in Großbritannien verurteilten das Vorgehen Trumps. „Der Präsident der Vereinigten Staaten wirbt für eine faschistische, rassistische, extremistische Hass-Gruppe, deren Anführer festgenommen und verurteilt worden sind“, erklärte David Lammy. In den Vereinigten Staaten empörten sich Abgeordnete der Demokraten. Es sei „schockierend und schrecklich“, solch eine Islamophobie bei einem Präsidenten zu sehen, erklärte Don Beyer.

          Im Wahlkampf war Trump mit ausländerfeindlichen Parolen auf Stimmenfang gegangen. Im Sommer stellte er nach dem Tod einer Demonstrantin in Charlottesville das Verhalten von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten auf eine Stufe.

          Weitere Themen

          Österreich will Kirchen besser bewachen

          Nach islamistischem Anschlag : Österreich will Kirchen besser bewachen

          Österreichs Innenminister kündigt an, dass Gotteshäuser besser geschützt werden sollen. Zu den genauen Gründen äußert sich Nehammer zwar nicht. Doch vieles spricht dafür, dass die Entscheidung eine Folge des Anschlags in Wien ist.

          Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager Video-Seite öffnen

          AfD-Parteitag : Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager

          Auf dem AfD-Bundesparteitag hat Parteichef Jörg Meuthen einen Frontalangriff auf das rechte Lager gestartet. In seiner Rede in Kalkar kritisierte er eine zunehmend radikale Wortwahl und warnte vor der Nähe zur Querdenken-Bewegung.

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.